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Schlaganfall: Nicht Corona ist der Gegner, sondern die Zeit

Zeit ist und bleibt Dr. Stefan Scholviens härtester Gegner. Der Oberarzt der Stroke Unit am Diakonie Krankenhaus in Bad Kreuznach mahnt, die eigene Gesundheit nicht wegen "irrationaler Ängste" aufs Spiel zu setzen. Darauf will er gerade in diesem Jahr wegen der COVID-19 Epidemie besonders aufmerksam machen.
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Am morgigen Sonntag, 10. Mai, dem Tag gegen den Schlaganfall, den die Deutsche Schlaganfall-Hilfe jedes Jahr ausruft, werden Schlaganfälle bundesweit thematisiert, um Menschen vor den Folgen eines Blutgerinnsels im Kopf zu schützen. Dr. Scholvien ist das Gesicht der auf Schlaganfälle spezialisierten Einheit in der Abteilung für Innere Medizin: Jährlich werden circa 360 Patienten mit Sprach-, Seh-, Gefühlsstörungen oder gar Lähmungen jeglicher Art in das Krankenhaus der Stiftung Kreuznacher Diakonie in der Ringstraße eingeliefert. Erste Diagnose: Verdacht auf Schlaganfall. Schnell und mit neurologischer Begleitung wird abgeklärt, ob sich der Verdacht erhärtet und eine so genannte Lyse eingeleitet werden muss. Bei der medikamentösen Auflösung der Verstopfung in den Blutgefäßen zählt jede Minute – nicht erst, wenn der Patient am Tropf und am Überwachungsmonitor angeschlossen ist.

Bei Symptomen sofort den Rettungsdienst rufen

"Wer innerhalb der ersten Stunde nach dem Auftreten der Symptome therapiert werden kann, hat gute Chancen als vollkommen geheilter Mensch das Krankenhaus wieder zu verlassen", so Dr. Mathias Elsner, Chefarzt der "Inneren". Dr. Scholvien ergänzt die Warnung des Kardiologen: "Rufen Sie sofort den Rettungsdienst, nicht den Hausarzt, lassen Sie sich nicht von der Ehefrau fahren und fahren Sie auf gar keinen Fall selbst, auch wenn die Symptome nur vorübergehend aufgetreten sind." Der Facharzt für Innere Medizin weiß aus Erfahrung, welche Folgen jede zeitliche Verzögerung hat. Das Zeitfenster für eine erfolgreiche, ursächliche Behandlung des Schlaganfalls beträgt nur wenige Stunden. Mit jeder Verzögerung werden die Schäden im Gehirn größer. Schäden, die später durch intensive Therapie wie Krankengymnastik, Ergotherapie oder Logopädie behandelt werden müssen. 

Corona-Angst kann fatale Folgen haben

Befürchtungen von Patienten, die vielleicht aus Sorge vor eine COVID-19-Ansteckung nicht oder zu spät ins Krankenhaus kommen, treten beide Diakonie-Ärzte mit klaren Fakten entgegen: „Jeder COVID-19-Verdachtsfall wird im Haus streng isoliert behandelt. Wir haben nicht – wie etwa in Italien – eine Durchseuchung des Personals. Wir haben unsere Hygienestandards noch einmal stark heraufgesetzt und der aktuellen Situation angepasst. Beim Schlaganfall ist nicht Corona unser Gegner, sondern die Zeit.“