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Alpträume erwünscht

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Sie hat ein strahlendes Lächeln, liebt rosa Tulpen und Erdbeer-Marscarpone-Buscuit-Kuchen. Auf den ersten Blick lässt rein gar nichts vermuten, dass Tanja Hanikas Gedanken um seelenlose Bestien, blutrünstige Vampire, Finsternis und Tod kreisen. Aber das tun sie - zumindest beruflich. Ihr Genre ist der Horror Die 27-Jährige ist Autorin von Schauerromanen und Gruselgeschichten, ihr Genre ist der Horror. An ihrem Computer in Gondelsheim bei Weinsheim sind seit 2015 vier Romane und zahlreiche Kurzgeschichten entstanden. Umgeben von schwarzen Bücherregalen arbeitet sie vornehmlich nachts an ihren düsteren Geschichten. Denn erst wenn ihr zweieinhalbjähriger Sohn schlummert, hat sie Muße. Die Frau, die sich für gewöhnlich von Horrorfilmen oder ebensolcher Literatur nicht verunsichern lässt, erlebt dann den Kitzel der Angst. „Am ehesten grusele ich mich vor meinen eigenen Ideen“, erzählt sie. Das funktioniert auch bei ihren Lesern, sagt ihr das Feedback in den sozialen Medien. „Ich finde es toll, mit einer Geschichte jemanden zu erschrecken.“ Es fasziniere sie, dass Menschen sich vor Dingen fürchten, an die sie doch eigentlich nicht glauben. Unromantische Vampire Zurzeit arbeitet sie an einem Horrorroman, voraussichtliche Veröffentlichung im Sommer. Darin geht es um Vampire, die aber ganz und gar nichts Romantisches verkörpern wie etwa in der Twilight-Saga von Stephenie Meyer. „Meine Vampire sind seelenlose Monster, die alle Menschen umbringen, die sie umbringen können.“ Liebesgeschichten sind hier höchstens eine unbeabsichtigte Randerscheinung. Wenn Tanja Hanika an ihrem Computer sitzt, steht in ihrem im Rücken ein Totenschädel, daneben ein Buch, das eine ganz besondere Bedeutung für sie hat. Es ist eine Ausgabe von Bram Stokers „Dracula“. Bei der Lektüre dieses Buches entdeckte sie mit acht Jahren wie spannend Lesen sein kann. Danach begann sie, eigene Geschichte zu Papier zu bringen.
Unabhängig von Verlagen Rund zwanzig Jahre später hat sie 2015 ihren ersten Schauerroman „Redthorne Castle“ veröffentlicht. Danach folgte „Das Grab im Schnee“ und der Kurzroman „Fürchte die Schatten der Nacht“. Gerade ist der zweite Teil „ Vernichte die Schatten der Nacht“ erschienen. Neben diesem Ausflug ins Dark Romantasy-Genre hat sie eine Grusel-Kurzgeschichten-Anthologie und mehrere Kurzgeschichten in Literaturzeitschriften publiziert. Trotz der intensiven Auseinandersetzung mit dem Grauen hat es sich noch keinen Platz in ihren Träumen erobert. „Leider“, findet sie. Tanja Hanika veröffentlicht als Self-Publisherin bei Amazon. Diese Möglichkeit, unabhängig von Verlagen eigene Werke sowohl im Print als auch als E-Book herauszubringen und online zu vertreiben, habe ihren Traumberuf Autorin Wirklichkeit werden lassen. Auch ihre Korrektorin und ihre Testleser hat sie im Internet gefunden. Besonders beliebt bei Frauen Epische Beschreibungen sind nicht ihr Fall. Sie bevorzugt es stilistisch knapp. Ihre Protagonisten sind bislang weiblich, wie auch ihre vorwiegende Leserschaft. Aber sie hat ihren ersten männlichen Helden bereits im Kopf. Hanika erzählt gerne mit überraschenden Wendungen. Wie man es hinkriegt, dass sie schlüssig sind, das ist die Schwierigkeit, die sie lösen muss. Spielt die Eifel zwar bislang noch keine eigene Rolle in ihren Gruselgeschichten, füttert die Landschaft sie jedoch mit Ideen. Seit 2014 wohnen Tanja Hanika, ihr Mann und der gemeinsame Sohn am Rand des Weinsheimer Ortsteils Gondelsheim mit seinen 200 Seelen und einem weiten Blick auf Felder und Windräder. Als sie das leerstehende Haus im Novembernebel besichtigten, habe sie gewusst: „Besser geht es für eine Horrorautorin nicht.“ Sie kann sich gut vorstellen, dass die Eifel demnächst konkret in ihre Geschichten einfließen wird. „Es ist die ideale Gegend für Schauerromane.“ bilTanja Hanika Tanja Hanika lernte die Eifel kennen, als sie 2008 nach Trier kam, um dort Germanistik und Philosophie zu studieren. Aufgewachsen ist sie in Haßloch. Die 27-Jährige lebt seit 2014 mit ihrem Mann und Sohn in Gondelsheim. Tanja Hanika und ihre Bücher im Internet: www.tanja-hanika.de Foto: S. Schönhofen