Der Bierdeckel verrät etwas über den Geschmack seiner Zeit

Zum 200-jährigen Bestehen der Bitburger Brauerei hat der Internationale Brauereikultur-Verband eine Tauschbörse für Brauereiartikel geplant. Am 10. Juni treffen sich in der Bitburger Stadthalle Sammler aus aller Welt. Im Interview erzählt der Vorsitzende des IBV, was das Spannende am Sammeln von Bierdeckeln, Krügen und Flaschenöffnern ist.
Bilder

Karnevalsorden, Werbefiguren, Streichholzheftchen - was Bierartikelsammlern das Herz höher schlagen lässt, weiß IBV-Präsident Günther Maldaner.
Auf der Homepage des IBV steht «Kaum ein anderes Hobby ist so vielseitig und spannend wie das Sammeln von Brauereiartikeln«, Herr Maldaner, erklären Sie bitte, worin das Spannende liegt. »Wir sind ein Volk von Sammlern und Jägern. Wer sammelt, ist immer auf der Jagd, was sicher jeder als spannend ansieht, da man nie weiß, was man erlegt oder in unserem Fall findet. Besonders spannend ist die Jagd nach alten Stücken, vor allem wenn nicht bekannt ist, ob die Brauerei überhaupt ein solches Werbemittel hatte oder man selbst noch nichts von dieser Brauerei besitzt.«
Am 10. Juni veranstalten Sie eine Tauschbörse in Bitburg. Haben Sie eine besondere Verbindung zur Bitburger Brauerei?
»Die Bitburger Brauerei unterstützt unseren Verein schon sehr lange. Das letzte Mal waren wir am 3. Juni 2000 in Bitburg, wobei damals die Auszeichung `Der Goldene Bierdeckel´ durch Herrn Dr Axel Th. Simon persönlich übergeben wurde. Bereits 1967 bei der Verleihung in Köln und 1988 hatte die Bitburger Brauerei den `Goldenen Bierdeckel´ gestiftet.«
Wie kostbar sind Brauereiartikel? Haben Sie Beispiele, was Brauereiartikel bei Versteigerungen einbringen können?
»Die Frage, was ein Stück an Wert hat, ist sehr individuell zu beantworten, da ein seltenes Stück aus einer Brauerei, die in der Nachbarschaft liegt,   für den, der dort wohnt, sehr viel mehr Wert hat, als für jemanden, der hunderte Kilometer entfernt wohnt.«
Was spielt noch eine Rolle für das Sammlerherz?
»Man muss auch berücksichtigen, wie alt ein Stück ist, wie groß die Brauerei war und wann sie geschlossen wurde. Letztlich ist es so wie bei jeder Auktion, es muss mindestens zwei geben, die das Teil unbedingt haben wollen und auch bereit sind, viel dafür zu zahlen. Die Preise, die im Internet oft von Heimat-Sammlern gezahlt werden, zahlen Sammler in der Regel nicht, da wir lieber tauschen und nicht kaufen. Daher veranstalten wir Tauschtreffen und keine Verkaufsbörsen."
Was macht einen erfolgreichen Sammler aus?
»Auch das lässt sich nicht allgemein beantworten. Der eine glaubt sich erfolgreich, weil er eine riesige Sammlung hat, der nächste, weil er eine kleine aber feine Sammlung seltener Stücke hat, und der dritte, weil er auf allen Treffen zu finden ist. Erfolg ist halt für jeden etwas anderes.«
Welche Trophäe hat bei Ihnen das größte Glücksgefühl ausgelöst?
»Neben meiner Bierdeckel-Sammlung von hunderttausend Stück aus Deutschland sammle ich alles von Düsseldorfer Brauereien. Hier habe ich ein Gemälde, auf dem ein Kaltblüter-Pferdezug abgebildet ist. Dieser Pferdezug war über Jahre auf vielen Werbemitteln der Brauerei zu sehen und es gibt eine Vielzahl von Bierdeckeln, auf denen er abgebildet ist. Dass das Originalgemälde aus den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts bei mir hängt, freut mich immer wieder.«
Nach was sind sie noch auf der Suche?
»Nach Bierdeckeln von sogenannten Fehlbrauereien, also solchen, von denen ich noch nichts in meiner Sammlung habe.«
Bis wohin würden Sie dafür reisen?  
»Ich war vor zwei Jahren beim Welttreffen in Milwaukee und war kürzlich beim Welttreffen in Tychy in Polen. Da können Sie Exportdeckel von deutschen Brauereien bekommen, die  in Deutschland nicht erhältlich sind.«
Was bedeuten für Sie Brauereiartikel, also worin liegt der ideelle Wert?
»Ich sammle, weil ich Veränderungen des Zeitgeschmacks anhand der Abbildungen auf den Bierdeckeln nachvollziehen kann. Da ich von der gleichen Brauerei die veränderten Darstellungen über Jahrzehnte in der Sammlung habe, kann ich diese einfach nebeneinander legen und die Wandlung sehen.«
Trinken IBV-Mitglieder auch automatisch leidenschaftlich gerne Bier?
»Im IBV finden Sie den Durchschnitt der Bevölkerung wieder und so ist auch die Leidenschaft zum Bier nicht anders als bei den meisten. Es gibt Sammler, die gerne und viel trinken und es gibt auch Sammler, die seltener oder nie Bier trinken.«
Benötigen Sie einen eigenen Ausstellungsraum für Ihre Schätze?
»Ich persönlich bin wegen meiner Sammelleidenschaft bereits zweimal umgezogen, da die alten Räumlichkeiten nicht reichten.«
Was erwartet Besucher beim Tauschtreffen in Bitburg?

»Sammler,  die alles sammeln, was mit Brauereien und deren Werbemitteln zu tun haben kann. Von Ansichtskarten bis zu Zapfhahnschildern über Bierdeckel, Flaschen, Etiketten, Flaschenöffner, Schilder, Krüge bis zu Aschenbechern und und und. Es gibt sicher mehr als hundert verschiedene Sammelgebiete.«
Von woher kommen die Aussteller?
»Es kommen Aussteller aus dem gesamten Bundesgebiet und dem Ausland. Ganz sicher aus Benelux und Frankreich.« Das 479. IBV-Tauschtreffen findet am Samstag, 10. Juni, von 8 bis 13 Uhr in der Bitburger Stadthalle statt. Die Schirmherrschaft hat die Bitburger Braugruppe.  Getauscht wird alles, was mit Werbeerzeugnissen von Brauereien zu tun hat. Den IBV gibt es seit 1958. Sein Hauptsitz ist zurzeit in Stuttgart. Der Verband zählt 1200 Mitglieder. Präsident ist Günther Maldaner aus Monheim. Aufgabe des IBV ist die Erforschung der Historie von Brauereien und die Erstellung entsprechender Verzeichnisse sowie die Erhaltung alter Brauerei-Werbemittel durch die Unterstützung der Sammler. Diesem Zweck dient auch die  Veranstaltung von Tauschtreffen.
Mehr Infos auf der Homepage: www.ibv1958.de


Foto: Privat