Kniffe für mehr Schutz

Welche technischen Möglichkeiten gibt es, Kinder und Jugendliche vor missbräuchlicher Handynutzung zu bewahren?
Bilder
Für die Nutzung des Smartphones sollte es klare Regeln geben. Foto: Luop/pixelio

Für die Nutzung des Smartphones sollte es klare Regeln geben. Foto: Luop/pixelio

Oliver Dähler von media parts in Bitburg ist Experte für Smartphones. Er berät über technische Möglichkeiten, um Kinder vor Gefahren zu schützen. Schon bei Vertragsabschluss können Eltern präventiv Schranken einbauen lassen. "Eltern können den Händler darum bitten, eine so genannte Drittanbietersperre beim Provider zu veranlassen. Bei Verträgen kann man über diesen Weg auch das mobile Bezahlen verhindern." Oftmals hilft nur ein aufklärendes Gespräch zwischen Eltern und ihren Kindern. Beispielsweise für den Fall, dass Kriminelle versuchen, übers Handy Kontakt zu knüpfen. "Häufig geben sich solche Subjekte als Gleichaltrige aus und möchten intime Photos austauschen", warnt Dähler. Auch so genanntes Cybermobbing sollte thematisiert werden. Aufklärung ist das eine. Zusätzlichen Schutz bieten Einstellungen am Gerät. Im heimischen WLAN können so genannte Blacklists erstellt werden und so die Anzahl der zu besuchenden Seiten eingeschränkt werden. Eine Zeitbeschränkung auf dem Smartphone fürs mobile Internet einzurichten sei dagegen nur schwer bis gar nicht durchsetzbar, so Dähler. "Es gibt einige Anbieter, die eine kostenpflichtige Software zur Kontrolle anbieten, die aber häufig eher schlecht als recht funktionieren." Was aber geht: Im heimischen WLAN können, abhängig vom verwendeten Router, Zeitkonten erstellt werden, um den Internetkonsum einzuschränken. Auch kann das Herunterladen nicht altersgerechter Apps verhindern werden. "Bei iOS ist eine Kindersicherung in den Einstellungen des Smartphones möglich. Über den Menüpunkt `Einschränkungen´ lässt sich die Nutzung bestimmter Apps verhindern. Hierzu tippt man auf `Einschränkungen aktivieren´." Über den Schiebeschalter kann man festlegen, für welche Apps man den Zugriff erlaubt. Außerdem ist es möglich Apps, Filme und Musik mit einer bestimmten Altersbeschränkung zu versehen. Android setzt an Stelle von Sicherheitseinstellungen am Gerät eher auf entsprechende Software. "Verschiedene Apps zielen darauf ab, eine für Kinder sichere Umgebung zu schaffen zum Beispiel `Kids Place´ und `Famigo Sandbox´." Im Google Play Store kann man unter `Einstellungen´ - `Nutzersteuerung´ und `Filter für Inhalte´ den Zugriff auf Apps mit Hilfe eines PIN einschränken. "Grundsätzlich sollte jedes Kind wissen, dass es beim Versenden von Bildern die Bildrechte an den Anbieter der App weitergibt." Übrigens: Um eine Googlemailadresse zu erstellen und für Whatsapp muss man mindestens 16 Jahre alt sein. bil

Kinder brauchen Auszeiten vom Smartphone

Elternberaterin: Ruhezeiten fürs Handy festlegen, Nutzung vertraglich festhalten und Alternativen anbieten

  Das Handy tönt überall und jederzeit. Ob beim Mittagessen, in der Schule, während der Hausaufgaben, beim Ausflug oder gar während der Nacht. Jeder zweite Jugendliche fühlt sich durch das Handy gestresst. Michaele Schneider, Elternberaterin der Fachstelle Familienbildung im Deutschen Kinderschutzbund Bernkastel-Wittlich, hat Tipps dagegen. Selbst Treffen mit Freunden verlaufen in der "Handynacken"-Haltung: Jeder ist über sein Display gebeugt. Experten erkennen Suchtverhalten. Wie können Eltern dabei unterstützen, dass der Gebrauch des Smartphones auf ein gesundes Maß reduziert wird? Fragen an Elternberaterin Michaele Schneider. Wochenspiegel: Wann sollten die Alarmsignale im Kopf angehen?Michaele Schneider: "Grundsätzlich sollte die gesamte Mediennutzungszeit, also auch Fernsehen und Computer, beachtet werden. Alarmierend wäre eine exzessive Nutzung über einen längeren Zeittraum. Es können gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten, Verlust der sozialen Kontakte oder depressives Verhalten bei Entzug der Medien. Eltern erhalten hier bei der Fachstelle Online- und Computersucht des Caritasverbandes Mosel-Eifel (Telefon 06571/ 915526) kostenfrei und anonym Hilfe." Viele Eltern gehen den Weg, dass sie Zeiten festlegen, in denen das Handy auszuschalten ist. Ist der Entzug des Gerätes ein Weg, der in der Praxis funktioniert? "Gemeinsam mit den Kindern Mediennutzungs- und Ruhezeiten festzulegen, ist einer der Tipps, die Eltern in unserer Elternberatung und den medienpädagogischen Seminaren erhalten. Es ist wichtig, dass Eltern ihre Kindern frühzeitig begleiten und sie zur kritischen Nutzung erziehen. Die Wegnahme des Gerätes oder das Abschalten des Wlan-Zuganges kann nur vorrübergehend eine Konsequenz sein. Für längere Zeiten würde man den Kindern den Zugang zu ihren sozialen Kontakten sehr einschränken." Welche anderen Möglichkeiten sind sinnvoll und auch umsetzbar, um den Handygebrauch bei Kindern und Jugendlichen einzuschränken? "Gute Erfahrungen machen wir, wenn feste Regeln gemeinsam mit den Kindern ausgehandelt werden. Hier kann eine Art `Mediennutzungsvertrag´ hilfreich sein, in dem über den Umgang mit den Medien gesprochen wird. Eltern sensibilisieren so für Fragen zum Datenschutz, Antivirenschutz, Kostenbeteiligung. Konsequenzen bei `Vertragsbruch´ können hier ausgehandelt werden. Auf der Internetseite www.schau-hin.info finden Eltern Muster. Ebenso erfolgreich sind bewegte Alternativangebote, gerne auch gemeinsam mit der Familie und soziale Kontakte im `realen Leben´ wie in Vereinen." Ab welchem Alter sollten Kinder ein Smartphone besitzen dürfen? "Das hat sehr mit dem Entwicklungsstand des Kindes zu tun. Grundsätzlich ist eine Handyanschaffung vor dem elften Lebensjahr nicht sinnvoll. Wenn Eltern das wirklich für erforderlich halten, sollte auf ein einfaches, kostengünstiges Modell mit günstigen Verträgen geachtet werden. Keine Anschaffung von `hippen´ Markenhandys. Sicherheitseinstellung und Jugendschutz-Apps müssen installiert und Ortungsdienste ausgeschaltet sein. Wenn Eltern gemeinsam mit den Kindern die Regeln festlegen, steht einer kreativen, spaßvollen Nutzung nichts entgegen. Eltern sollten sehen, was mit dem Gerät gemacht wird." Wann sollte das Handy unbedingt ausgeschaltet werden? "Ein Abschalten während der Schlafenszeit ist unerlässlich. Am besten das Handy am Abend an einen festen Platz außer Reichweite bringen. Ebenso zumindest die Stummschaltung während des Unterrichts und der Hausaufgaben. Hilfreich ist das Abstellen der Push-Nachrichten. Und Freunde, die neben einem sitzen, sollten immer Vorrang vor den sogenannten Freunde im virtuellen Netz haben." Interview: Sybille Schönhofen Infos zum Thema: Caritasverband, Fachstelle Online- und Computersucht, Tel. 0 65 71 / 91 55 26 www.schau-hin.info