Mario Zender

Gefährliche Nähe?

Dr. Werner Langen (CDU) ist höchster "Aufklärer" der EU für die sogenannten "Panama-Papers" und hat sich bereits vor vielen Jahren für die Belange von Werner Mauss interessiert. Auch Mauss taucht in den "Panama-Papers" auf. Besteht hier ein Interessenskonflikt?
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Die Recherchen zu den sogenannten "Panama Papers" haben tausende Steuersünder in der ganzen Welt in die Bredouille gebracht. Mindestens einer davon kommt aus unserer Region: Werner Mauss. Der Ex-Geheimagent aus dem Hunsrück, jahrelang treuer Großspender der CDU, wurde bereits wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vom Landgericht Bochum verurteilt (wir berichteten). Soweit bekannt. Neu ist aber, dass offenbar Mauss nicht nur eine besondere Nähe zu den CDU-Größen Peter Bleser und Manfred Schnur haben soll, sondern vermutlich auch zu Dr. Werner Langen. Langen war von 1981 bis 1992 Vorsitzender der Cochem-Zeller CDU und von 1992-1993 sogar CDU-Landesvorsitzender. Der EU-Abgeordnete aus Oberfell hat in der Vergangenheit mehrfach betont, Mauss nicht zu kennen und in seiner Zeit habe die CDU auch keine Spenden von Mauss direkt oder indirekt erhalten.   Angesprochen auf den Ex-Agenten Werner Mauss, betont Langen gegenüber dem WochenSpiegel: "Ich habe ihn einmal bei einer Geburtstagsfeier getroffen. Mehr nicht." Auch habe er sich niemals für ihn in irgendeiner Form eingesetzt. Unterlagen, die dem WochenSpiegel vorliegen, könnten ein anderes Licht auf den Fall werfen. So hat sich Langen mit Schreiben vom 7. Dezember 1989 an die Kreisverwaltung Cochem-Zell (an Landrat Schwan persönlich) gewandt, um sich dort im Rahmen einer "Bauvoranfrage zur Errichtung eines Gestüts" zu erkundigen. Zuvor habe er (Langen d. Red.) bereits mit dem Landrat persönlich und dem Rechtsanwalt des Antragsstellers (Mauss d. Red.) gesprochen, wie aus dem Schreiben hervorgeht. Das Gestüt hat die Firma "Lolilane" errichtet. Hinter "Lolilane" steht der Hunsrücker Ex-Agent Mauss. Dr. Werner Langen schließt das Schreiben an den Cochem-Zeller Landrat mit den Worten: "Einer baldigen Antwort sehe ich mit Interesse entgegen." Wie es der Zufall will, ist genau der Anwalt mit Name "Hansen" auch der Anwalt über den die CDU-Spenden viele Jahre später (nach der Zeit, in der Dr. Langen CDU-Vorsitzender war) an die Cochem-Zeller und die rheinland-pfälzische CDU geflossen sind. Für den EU-Abgeordneten Dr. Langen könnte eine eventuelle "Nähe" zu Mauss und/oder Hansen zu Problemen in seiner Tätigkeit als Vorsitzender des "Panama Papers Untersuchungsausschusses" werden. Gerade deshalb, weil Mauss "Gegenstand" in den "Panama-Papers" ist, könnte hier schnell eine "Besorgnis der Befangenheit" unterstellt werden, wie Insider vermuten. Mit dem Untersuchungsausschuss will das Europäische Parlament dem in den "PanamaPapers" offengelegten Transfer von Geld in Briefkastenfirmen und möglichen Steuervergehen nachspüren. Nachdem Dr. Werner Langen von unseren Recherchen erfuhr, meldet er sich telefonisch bei uns: "Ich habe mich mit dem betreffenden Schriftwechsel an die Kreisverwaltung gewandt, um Informationen zu bekommen, weil ich danach gefragt worden bin. Das habe ich als Abgeordneter für viele Bürger getan. Nicht mehr und nicht weniger." Hintergrund: Die "Panama-Papers" Als "Panama Papers" werden vertrauliche Unterlagen des panamaischen Offshore-Dienstleisters Mossack Fonseca bezeichnet, die infolge eines 2,6 Terabyte großen Datenlecks am 3. April 2016 an die Öffentlichkeit gelangten. Nach Einschätzung der beteiligten Medien belegen die Unterlagen legale Strategien der Steuervermeidung, aber auch Steuer- und Geldwäschedelikte, den Bruch von UN-Sanktionen sowie andere Straftaten durch Kunden von Mossack Fonseca. Die Enthüllungen haben in zahlreichen Ländern zu Ermittlungen gegen Politiker und andere Prominente geführt und öffentliche Debatten über Steuerschlupflöcher, Briefkastenfirmen, Steueroasen, Steuerdelikte und Steuermoral ausgelöst.