Mario Zender

Millionen-Bluff mit Immobilienprojekt

Cochem. Moselaner soll sich hohen Betrag bei Kreditvermittlung ergaunert haben

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Für ein Hotelprojekt am Lago Maggiore (Foto) von mehreren hundert Millionen Euro wollte ein Cochem-Zeller die Finanzierung besorgen. Doch aus der Dienstleistung wurde ein Betrug. Er ergaunerte sich 120.000 Euro und wurde dafür jetzt verurteilt.

Für ein Hotelprojekt am Lago Maggiore (Foto) von mehreren hundert Millionen Euro wollte ein Cochem-Zeller die Finanzierung besorgen. Doch aus der Dienstleistung wurde ein Betrug. Er ergaunerte sich 120.000 Euro und wurde dafür jetzt verurteilt.

Foto: Archiv

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Von Mario Zender

Um solch hohe Beträge geht es selten am kleinen Amtsgericht in Cochem. Als Mitte September Amtsrichter Sven Kaboth das Verfahren mit dem Aktenzeichen 3 Ls 2060JS 44533/21 aufrief, war dies vermutlich auch für den erfahrenen Strafrichter kein alltägliches Verfahren. Hintergrund des Strafprozesses sind geplante touristische Immobilienprojekte in Höhe von 362 Millionen Euro in der mondänen Urlaubsregion Maccagno, Luino, Porto Valravaglia und Brezzo di Bedero am Lago Maggiore in Italien. Dafür wurden internationale Investoren gesucht. Dabei kam es auch zu einem Kontakt mit dem Angeklagten, welcher als Geschäftsführer einer englischen Limited auftrat. Dieses Finanzierungsunternehmen mit Sitz in einem Moselort in der Verbandsgemeinde Cochem und in Varna (Bulgarien) vermittelt Beteiligungsfinanzierungen. Am 10. Juli 2018 wurde ein Darlehensvertrag zwischen dem Unternehmen des Angeklagten als Darlehensgeber und einem Unternehmen abgeschlossen. Der Angeklagte wollte für die Investitionssumme eine Bankgarantie in einer sogenannten Akkreditivform (Standby Letter of Credit) der "HSBC Bank" erhalten. Er informierte seinen Kunden, dass die Bedingungen an einen Kapitalnachweis von 120.000 Euro geknüpft sei. Diesen könne er aber nicht aufbringen und bat den Kunden um Zahlung. Im Vertrauen auf die Ausführungen, zahlte der Kunde 120.000 Euro auf das Konto des Angeklagten bei der Sparkasse Mittelmosel ein. Die avisierte 362 Millionen Euro-Finanzierung des Hotelprojekts am Lago Maggiore kam mangels Zahlungsnachweisen letztlich nicht zustande. Als der Moselaner die geflossenen 120.000 Euro an Sicherheit nicht zurückzahlte, wurde er angezeigt und das Verfahren landete nun vor dem Amtsgericht. "Wie von Anfang an beabsichtigt, behielt der Angeklagte die Zahlungen auf seinem Konto und nutzte sie zu eigenen Zwecken", so die Urteilsbegründung. Er stopfte offenbar zahlreiche finanzielle Löscher aus eigenen Vorhaben. Im Verfahren räumte 58-Jährige die Taten ein. Glück für ihn, denn das Gericht verurteilte ihn deshalb "nur" zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Allerdings werden die 120.000 Euro ergaunertes Geld eingezogen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, der Angeklagte hat Berufung eingelegt.


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