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Nach einem Vierteljahrhundert ist Schluss

"In diesem Haus, gleich neben dem Branntweingäßchen, entstand bereits anno 1642, die alte Brennerei und lud ein ins moselfränkische ,Zom Stüffje‘", heißt es auf der Internetseite des Cochemer Restaurants, das ein Vierteljahrhundert von Karin und Andreas Franzen erfolgreich geführt wurde.
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Stabwechsel im "Zom Stüffje" (v. l.): Thomas Franken und Dominique Klein übernehmen das Restaurant von Karin und Andreas Franzen.

Stabwechsel im "Zom Stüffje" (v. l.): Thomas Franken und Dominique Klein übernehmen das Restaurant von Karin und Andreas Franzen.

Zum Jahreswechsel endete für Andreas und Karin Franzen ein 25 Jahre währendes Kapitel Cochemer Gastronomiegeschichte. Das Ehepaar betrieb - nicht nur im übertragenen Sinn - die "gute Stube" im ältesten Haus der Moselstadt. Das "Zom Stüffje" hatte das Ehepaar schon immer fasziniert und 1992 bot sich die Chance das Restaurant zu übernehmen. Traum von der Selbstständigkeit Der Eifeler aus Beuren und die Badenerin hatten sich in Kehl kennen und lieben gelernt. Gemeinsan erfüllten sie sich mit der "Pfeffermühle" in Bruttig-Fankel den Traum von der Selbstständigkeit. "In Baden war es schwierig ein Restaurant zu übernehmen. Da kamst du nicht ran", erzählt der Küchenchef, der seinen Beruf auch in der Schweiz ausübte. Mehr als 52 Jahre stand er am Herd, um mit seinen Speisen die Gaumen der Gäste zu verwöhnen - das vergangene Vierteljahrhundert im "Stüffje". Und das ist den Franzens vom Start weg gelungen. "Bereits an den ersten Tagen habe ich bis zu 300 Essen gemacht", erinnert sich der heute 68-Jährige an den Mai 1992. Bodenständige Speisen Es waren die Gerichte der bodenständigen und "gutbürgerlichen Küche", die den Franzens Fans sowohl in der Moselstadt - es gab bis zu sechs Stammtische - als auch weit darüber hinaus bescherten. "Für den Zander in Rieslingsauce kamen Gäste sogar aus Hamburg angereist. Ihre Begründung war ganz einfach: ,Was ihr kocht macht keiner‘ oder ,So ein Rumpsteak habe ich schon lange nicht mehr gegessen‘ waren die Reaktionen über die wir uns freuen konnten. Bei uns gab es halt aber auch Rinder-Rouladen, Saure Nieren, Sauerbraten und Eisbein. Da wir neben einer Standardkarte auch eine Tageskarte hatten, gab es immer viel vorzubereiten", berichtet der Küchenchef, der von morgens 8 Uhr bis abends um 21 Uhr in der Küche stand. Lange Zeit führte er sie alleine - nur mit der Unterstützung von zwei Küchenhilfen. Auch der Ministerpräsident war zu Gast Sein verlängerter Arm im Gastraum war seine Frau, die den Service organisierte und das Familienunternehmen mit großem Einsatz in Fahrt hielt. Dabei konnten sie und ihr Mann auf viele Stammkunden setzen. "Eine große holländische Familie während ihres Urlaubs jeden Tag. Und an unserem Ruhetag sind sie erst garnicht Essen gegangen", schmunzelt die Chefin, die auch gerne an eine Begegnung mit dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck zurückdenkt. "Das war in den 90er Jahren. Ich hab‘ ihn erst nicht erkannt", lacht Karin Franzen. Offensichtlich hatte ihn das Haus und das Ambiente bei einem seiner Cochem-Urlaube angelockt. Als Genussmensch war er auch sicher von den Kochkünsten Franzens angetan. "Alleine der Umstand, dass viele unserer Gäste von den Pensionswirten geschickt wurden, hat uns gezeigt, dass wir mit unserem Angebot richtig lagen. Wenn die Tische zwischen 17 und 21 Uhr dreimal besetzt waren, konnte man nur sehr zufrieden sein", ist Karin Franzen auch heute noch gedanklich mitten im Restaurantbetrieb. Jetzt kommt der "Ruhestand" Mit der Übernahme des Restaurants in der Cochemer Oberbachstraße zog die Familie für 13 Jahre in das historische Gebäude. "Dass war für unsere Kinder toll, denn zum Gymnasium waren es ja nur ein paar Meter", erzählt Karin Franzen, die neben ihrem Fulltime-Job im Restaurant so auch ihrer Mutterrolle gerecht werden konnte. "Mir fällt es im Moment noch schwer mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass wir jetzt im Ruhestand sind. Wir können unseren Nachfolgern jetzt nur noch ein gutes Händchen wünschen", sagt Karin Franzen, die sich jetzt auf gemeinsame Urlaube mit ihrem Mann freut, der sich auch etwas mehr seinem Hobby Motorradfahren widmen kann, was sonst nur am Ruhetag möglich war. Foto: Pauly