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Viertelmillion Euro vererbt

Verstorbene Frau bessert klamme Kirchenkasse auf. Und das Ganze für die Kirche noch steuerfrei.
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Haben gut lachen: Cochems Pfarrer Markus Arndt und der Vize-Vorsitzender des Verwaltungsrates, Wolfgang Noll, waren völlig überrascht vom großzügigen Erbe der Dame. Was genau mit dem Vermögen passiert, ist noch nicht beschlossen.          Foto: Zender

Haben gut lachen: Cochems Pfarrer Markus Arndt und der Vize-Vorsitzender des Verwaltungsrates, Wolfgang Noll, waren völlig überrascht vom großzügigen Erbe der Dame. Was genau mit dem Vermögen passiert, ist noch nicht beschlossen. Foto: Zender

Von Mario Zender Freude bei der Cochemer Kirchengemeinde: Mehr als eine viertel Million Euro hat, so Informationen des WochenSpiegel, eine gläubige Frau aus dem Kreis Cochem-Zell der Cochemer Pfarrgemeinde vererbt.  Die Frau, die lange in einem Moselort  gelebt hatte, war Mitte vergangenen Jahres verstorben. In ihren Unterlagen wurde, so Erkenntisse unserer Zeitung, ein Sparbuch der Sparkasse Mittelmosel gefunden. Darin lag ein »attraktives« Testament der älteren Dame.
Der »letzte Wille« der Cochem-Zellerin war, dass dieses Sparbuch an die Cochemer Kirchengemeinde, Pastor Müller, vererbt wird. Pastor Werner Müller ist bereits seit 2012  nicht mehr in Cochem tätig, sondern im Ruhestand.
Deshalb geht das Vermögen an die Kirchengemeinde Cochem.  »Wir waren erstmal absolut überrascht«, so Pfarrer Markus Arndt auf Anfrage unserer Zeitung. Zwar bekomme die Kirche immer mal wieder kleinere Spenden, aber keinesfalls in dieser Größenordnung.
 »Dass die Kirche einen solch hohen Betrag bekommt,  habe ich in meinen 25 Dienstjahren noch nie erlebt«, so Markus Arndt.
Die Kirche muss auch, so bestätigt es der Stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der Kirchengemeinde, Wolfgang Noll, keine Erbschaftssteuer zahlen.
Doch einige kleinere Kosten kommen schon im Zusammenhang mit dem Erbe auf die Kirchengemeinde zu. Pfarrer Markus Arndt: »Die Erlasserin hat zur Bedingung gemacht, dass wir uns um ihre Beerdigung und ihr Grab kümmern und über einen Zeitraum von 20 Jahren jedes Jahr eine Messe in ihrem Gedenken halten.« Mehr wollte die Frau nicht haben, sie wollte offenbar »im Stillen helfen«, so Arndt. Sie habe immer sehr bescheiden gelebt und habe so auch ihr Erbe geregelt, beschreibt der Pfarrer die Frau.  Eine Auflage, die in Anbetracht des hohen Vermögens, für die Krichengemeinde leicht zu erfüllen sein dürfte.
Aber was macht die Kirchengemeinde Cochem mit so viel Geld?  »Das ist noch nicht klar, wir werden das in aller Ruhe besprechen«, so Pfarrer Markus Arndt. Löcher, die gestopft werden müssten, seien viele da. Insbesondere sei dies durch die Immobilien der Kirchengemeinde verursacht, die jedes Jahr viel Geld verschlingen würden. So weist Arndt etwa auf die Kirche in Cond hin, die derzeit ein »Sorgenkind« sei. Hier müssen die Abwasserrohre unter dem Boden des Gotteshauses saniert werden. Diese sind abgesackt und nun dringt Feuchtigkeit in die Kirche ein.  Deshalb sei es im Gebäude bereits zu Schimmelbefall gekommen. »Alleine hier haben wir kalkulierte Kosten von rund 160.000 Euro. Und das Schlimmste ist, wenn die Arbeiten erledigt sind, sehen Sie in der Kirchen noch nicht einmal etwas davon«, so Arndt.
Konkret steht aber, wie gesagt, noch nicht fest, wofür die 265.000 Euro aus dem unverhofften Erbe eingesetzt werden. Für den Cochemer Pfarrer sorgt die Spende auf jeden Fall für »ein gutes Gefühl«. Pfarrer Markus Arndt: »Zum einen, weil es für uns eine schöne Überraschung war und weil sie uns etwas mehr Luft zum Gestalten verschafft.« Und eines schiebt Arndt noch nach: »Und es tut auch gut, wenn man merkt, dass Menschen im Stillen etwas Gutes tun wollen - insbesondere in für die Kirche ‘stürmischen Zeiten‘«.


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