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»Vorwürfe sind für mich nicht nachvollziehbar«

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Der »Lebenshilfe« Kreisverband Cochem-Zell hat auf einer Sondersitzung des Vorstandes den langjährigen Vorsitzenden Klaus Nehren von seinen Aufgaben als 1- Vorsitzenden des Vereins entbunden. Dies bestätigt auf Anfrage der Vize-Vorsitzende des Vereins, Walter Jahnen.
 Nehren war in die Kritik geraten weil er in Personalunion 1. Vorsitzende des Vereins und gleichzeitig Heimleiter des Wohnheims der Lebenshilfe in Faid und der Außenwohngruppe in Brauheck war. Die Heimaufsicht hatte den 80-Jährigen vor zwei Wochen wegen gravierenden Mängeln im Betrieb des Wohnheims abgesetzt und eine kommissarische Heimleitung eingesetzt (wir berichteten).  Gegen Nehren gibt es Vorwürfe wonach durch umfangreiche Immobilienkäufe das Vermögen des gemeinnützigen Vereins »Lebenshilfe« Kreisverband Cochem-Zell geschädigt worden sei. Denn Teile der, für einen siebenstelligen Betrag erworbenen  Immobilien stehen, so WochenSpiegel-Recherchen, seit Jahren leer.   Jahnen betonte im Gespräch mit dem WochenSpiegel, dass nun umfangreiche Prüfungen der Transaktionen der letzten Jahre erfolgen soll. »Dabei werden wir auch vom Lebenshilfe Landesverband unterstützt«.   Dabei dürfte sicher auch die Tatsache hinterfragt werden, warum bereits seit drei Jahren, keine Kassenprüfung bei dem Verein stattgefunden hat. Der 2. Vorsitzende des Vereins, Walter Jahnen, antwortet auf die Frage, warum die Kasse seit Jahren nicht geprüft wurde: »Das kann ich Ihnen auch nicht sagen«.
Wir haben vergangene Woche ein Interview mit Klaus Nehren geführt und ihn mit den Vorwürfen konfrontiert.  Auch hat er uns Rede und Antwort dazu gestanden, was in seiner Tätigkeit als Heimleiter im Wohnheim in Faid möglicherweise falsch gelaufen ist. Ausführliches Interview im Innenteil! INTERVIEW »Vorwürfe sind für mich nicht nachvollziehbar« Die Heimaufsicht setzte mit sofortiger Wirkung den Heimleiter der »Lebenshilfe« in Faid ab. Was sagt der dazu? Wir haben mit Klaus Nehren gesprochen. WochenSpiegel: Das Landesamt hat Sie mit sofortiger Wirkung als Einrichtungsleiter abgesetzt und dies  mit gravierenden Mängeln im Betrieb der Einrichtung begründet. Was sagen Sie zu den Vorwürfen und Ihrem Beschäftigungsverbot?

Klaus Nehren: In dem Bescheid des Landesamtes wird zur Begründung der mir gegenüber erfolgten Maßnahmen im Wesentlichen auf den Umgang mit Corona-Infektionen in der Einrichtung abgestellt. Tatsächlich gab es Infektionen, ähnlich der Situation in anderen Einrichtungen. Hierauf haben wir sachgerecht reagiert, namentlich Meldungen vorgenommen und Testungen veranlasst. An anderer Stelle hat das Landesamt ausdrücklich bestätigt, dass es keinen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen angeblichen Mängeln und Erkrankungen gibt. Zwischenzeitlich ist die Einrichtung coronafrei.

WochenSpiegel: Sehen Sie bei sich selbst Fehler?

Klaus Nehren:
Es ist wohl selbstverständlich, dass in 50 Jahren Behindertenarbeit nicht alles optimal verlaufen ist. So gibt es unterschiedliche Auffassungen zur Erfüllung der Dokumentationspflichten. Diese wurden bislang nicht vollständig digital geführt. Während dies in der Vergangenheit akzeptiert wurde, sei dies nunmehr ein Problem.

WochenSpiegel:     Warum haben Sie nicht schon vor Jahren einen Heimleiter, mit Qualifikationen, eingesetzt? Damit hätten Sie diese ganze Problematik verhindern können.

Klaus Nehren: Tatsächlich sucht der Vorstand der »Lebenshilfe« seit Jahren einen Nachfolger für meine Person als Leiter der Einrichtungen. Es wurden diverse Anzeigen geschaltet und Bewerbungsgespräche geführt. Bereits im Jahr 2018 schien es, als wäre eine geeignete Person gefunden, leider hat sich dies zerschlagen. Wir haben nachfolgend bundesweit gesucht auch unter Einschaltung professioneller »Head-Hunter«. Die Ergebnisse waren ernüchternd. Kein Bewerber erfüllte die erforderlichen Voraussetzungen. Der Vorstand beschloss sodann einstimmig die Berücksichtigung einer Bewerberin aus dem Kreis der Mitarbeiter. Nunmehr war es aber das Landesamt, das Bedenken anmeldete. Wir waren bis zuletzt überzeugt, diese ausräumen zu können. Die neue Heimleitung sollte zum 1.1.21 ihre Arbeit aufnehmen. Dazu haben wir uns bereits im August an die jetzt eingesetzte kommissarische Leitung gewandt und Verträge geschlossen.

WochenSpiegel: Seit vielen Jahren gab es offenbar Mängel in Ihrem Wohnheim. Warum hat nach Ihrer Meinung die Heimaufsicht nicht schon viel früher eingegriffen?

Klaus Nehren:
Nicht nachvollziehbar sind die gegenüber meiner Person erhobenen Vorwürfe jahrzehntelanger Missstände. In der gesamten Zeit stand meine Arbeit unter der Aufsicht des Landesamtes. Ich bin seit vielen Jahrzehnten in der Behindertenarbeit tätig. Seit 1988 betreibt die »Lebenshilfe« eine Wohneinrichtungen in Cochem-Brauheck, seit 1998 das Wohnheim in Faid. Nie war es ein Problem, dass ich kein sozialpädagogisches Studium absolviert habe. Selbstverständlich habe ich  diverse Fortbildungslehrgänge besucht. Stets waren die in der jahrzehntelangen Arbeit erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten völlig ausreichend. Der »Lebenshilfe« vom Landesamt empfohlene Hilfen von Dritten haben wir in Anspruch genommen und externe Stellen und Dienstleister beauftragt. Stets habe ich dem Vorstand der »Lebenshilfe« Rede und Antwort gestanden und Rechenschaft abgelegt. Nie gab es von dort Beanstandungen.

WochenSpiegel:
Es gibt Vorwürfe, wonach Sie sehr viele Immobilien für die »Lebenshilfe« erworben haben. Diese stehen zum Teil seit vielen Jahren leer. Würden Sie uns erklären, woher der »Lebenshilfe« Kreisverband e.V., dessen 1. Vorsitzender Sie ja sind, so viel Geld hat? Nach einer Wochenspiegel-Recherche haben Sie in den vergangenen zehn Jahren mehr als eine Million Euro für Immobilien ausgegeben.

Klaus Nehren:
Die »Lebenshilfe« Kreisvereinigung Cochem-Zell hat in den letzten Jahren rund 720.000 Euro für den Erwerb von Grundstücken und Immobilien aufgewendet. Damit wurden Gelegenheiten genutzt, sich für zukünftige Entwicklungen aufzustellen, insbesondere Erweiterungsmöglichkeiten zu sichern. Ein Teil der Gebäude wird als Lagerräume oder nach der anstehenden Renovierung für sportliche Betätigungen für unsere Bewohner genutzt. Ein Gebäude ist an eine andere Einrichtung als Außenwohngruppe vermietet. Hier sollten auf Dauer die seitens der »Lebenshilfe« auswärtig untergebrachten Bewohner »im Eigentum« wohnen können. Alle Käufe sind vom Vorstand beschlossen worden. Der Kaufpreis wurde stets aus Guthaben der »Lebenshilfe« Kreisvereinigung Cochem-Zell gezahlt. Diese verfügt über Guthaben in deutlich siebenstelliger Höhe. Das Geld stammt aus jahrzehntelanger sparsamer Haushaltsführung, insbesondere aber aus der Tatsache, dass ich für meine Tätigkeit lediglich eine Aufwandentschädigung erhalte, die nur einen Bruchteil der üblichen Vergütung eines Einrichtungsleiters/Geschäftsführers  ausmacht. Dadurch hat die »Lebenshilfe« jährlich etliche zehntausend Euro nicht ausgeben müssen. Diese Ersparnisse haben sich in den Jahren aufsummiert.

WochenSpiegel: Dadurch, dass die Immobilien Jahrelang leer standen, ist der »Lebenshilfe« vermutlich ein finanzieller Schaden entstanden. Wie hoch beziffern Sie diesen und wer kommt nun dafür auf?

Klaus Nehren: Ein finanzieller Schaden ist nicht entstanden. Wir ersparen durch den Eigentumserwerb bisher geleistete Mietzahlungen. Das vermietete Haus erbringt erhebliche Einnahmen. Geplante Maßnahmen lassen sich derzeit nicht umsetzen. Angesichts des Kassenbestandes müssen wir uns mit dem Problem Minuszinsen auseinandersetzen. Der sinnvolle Erwerb von Grundstücken ist in dieser Situation das Mittel der Wahl.

Interview: Mario Zender


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