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Wird nachts auf der Mosel gerast?

Flusskreuzfahrten sind in: Davon profitiert auch der Cochemer Hafen - einer der größten Hotelschiffhäfen an der Mosel. Rund 750 Kreuzfahrtschiffe machen oder haben hier in diesem Jahr bereits festgemacht. Nicht nur für den Hafenmeister, Markus Breitscheidel, eine erfreuliche Bilanz. Doch Breitscheidel hat auch Schatten in der positiven Entwicklung ausgemacht, denn für ihn ist die Zeit zwischen 18 und 8 Uhr in punkto Sicherheit nicht unproblematisch - 14 Stunden in denen die Wasserschutzpolizei-Station in Cochem nicht besetzt ist.
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Wenn Markus Breitscheidel an einen Septemberabend in diesem Jahr zurückdenkt, dann sagt er, dass damals das Glück auf der Seite von rund 180 Gästen auf zwei im Hafen ankernden Hotelschiffen war. Offenbar hatte ein Tankschiff den Hotelschiffhafen mit höherer Geschwindigkeit passiert. "Durch den Wellengang sind dabei die Taue und die Stahlseile an den Pollern komplett abgerissen. Beide Schiffe trieben anschließend auf der Mosel und die Gäste sind förmlich aus den Betten gefallen. Der Sachschaden dürfte sich auf rund 30.000 Euro belaufen", erzählt der Hafenmeister, der die Wasserschutzpolizei in Koblenz zwar telefonisch erreichte, die aber einen Einsatz auf dem Rhein hatte. Der Hafenmeister sieht deshalb ein grundlegendes Problem: "Seit die Schifffahrt weiß, dass die Station der Wasserschutzpolizei von 18 bis 8 Uhr nicht mehr besetzt ist, wird von einigen gerast. Das gilt auch für den Yachthafen." Für das Wasserschutzpolizeiamt Rheinland-Pfalz gestaltet sich die Situation weniger problematisch: "Aufgrund unserer jahrelangen Erfahrung mit der aktuellen Regelung können wir feststellen, dass eine Rund-um-die-Uhr Besetzung der Dienststelle in Cochem nicht erforderlich ist. Die Betreuung des Dienstbezirks außerhalb der Besetzungszeiten durch die benachbarte Wasserschutzpolizeistation in Koblenz verläuft bislang problemlos und ohne Reibungsverluste. Zu der (…) Problematik der Schiffsunfälle im Bereich des Hafens Cochem hat unsere Prüfung ergeben, dass es in den ersten drei Quartalen des Jahres 2016 zu acht Unfällen - davon sechs in der Ortslage Cochem - zwischen 18 und 8 Uhr in diesem Bereich kam. In allen Fällen konnte der Verursacher ermittelt werden. Größere Defizite im Zusammenhang mit der Unfallbearbeitung können wir nicht feststellen", erklärt Jörg Hitzelberger, Leiter Stabsbereich 1 des Wasserschutzpolizeiamts. Markus Breitscheidel sieht die Situation kritischer. Wenn durch den Neubau von Schleusen die Frachtschifffahrt auf der Mosel weiter zunehmen wird, dürfe die Sicherheit nicht abnehmen. "Im kommenden Jahr rechnen wir mit rund 800 Hotelschiffen. Unser Hafen, der von vielen Experten als vorbildlich eingeordnet wird und der Polleranlagen wie in Seehäfen besitzt, kann diesen Zuwachs verkraften", so der Hafenmeister, der das in punkto Sicherheit anders einschätzt. Dass derzeit sogar darüber spekuliert wird, dass die Wasserschutzpolizei in Bernkastel geschlossen werden könnte, trägt auch nicht zur Beruhigung bei, denn der Bestand der Cochemer Station wird laut Koalitionsvertrag der Landesregierung auch überprüft. "Hinsichtlich einer zukünftigen Organisationsstruktur der Wasserschutzpolizei Cochem ist noch keine Entscheidung gefallen (…). Dabei sollen zentrale Dienstleistungen für die Polizei landesweit gebündelt werden. (…) Durch diese Schaffung von Synergien soll die Struktur der Polizei nachhaltig optimiert und die größtmögliche Verfügbarkeit von Polizeibeamten gewährleistet werden. Vor diesem Hintergrund erfolgt im Rahmen des Projektes unter anderem eine ganzheitliche Betrachtung der aktuellen Dienststellenstruktur der gesamten Wasserschutzpolizei an Rhein und Mosel. Dazu gehört auch die Prüfung einer effizienten und effektiven Aufgabenwahrnehmung der Wasserschutzpolizeistationen in Cochem. Ein eigens hierfür eingerichtetes Teilprojekt befindet sich derzeit in der Planungsphase und wird entsprechende Umstrukturierungsvorschläge erarbeiten. Eine anschließende Prüfphase soll bis Februar abgeschlossen werden. Mit verbindlichen Ergebnissen ist somit frühestens zu diesem Zeitpunkt zu rechnen", heißt es aus dem Wasserschutzpolizeiamt. Fotos: Pauly