Jan Kreller

"Florierendes Geschäft rund um den Erdball"

BERNKASTEL-KUES. Interview mit dem Vorstandsvorsitzenden der Moselland eG Henning Seibert.

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Seit 2014 ist Henning Seibert Vorstandsvorsitzender der Moselland eG. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften und BWL war der heute 64-Jährige unter anderem Referent beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd sowie Chefredakteur bei einer Weinfachzeitschrift.

Seit 2014 ist Henning Seibert Vorstandsvorsitzender der Moselland eG. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften und BWL war der heute 64-Jährige unter anderem Referent beim Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd sowie Chefredakteur bei einer Weinfachzeitschrift.

Foto: Privat

Mit mehr als 1700 Mitgliedern und einem Jahresumsatz von zirka 100 Millionen Euro ist die Moselland AG einer der wichtigsten Vermarkter deutscher Qualitätsweine.

 

WochenSpiegel: Die Moselland e.G. hat sich zu einer wirtschaftlich starken Genossenschaft, und weit über die Grenzen der Mosel entwickelt. Was ist die Erfolgsformel?

Die Moselland eG war die erste Winzergenossenschaft in Deutschland, die sich über die ursprünglichen Gebietsgrenzen hinaus entwickelt hat. Seit Beginn unseres Jahrtausends ist die Moselland eG neben der Mosel, auch in Rheinhessen, in der Pfalz und an der Nahe tätig. Das versetzt uns in die Lage den großen Lebensmittelketten Weine aus unterschiedlichen Herkünften anzubieten. Für die Lebensmittelketten ein großer Vorteil, weil diese alles aus einer Hand beziehen können.

 

WochenSpiegel: Wie hat sich die Winzergenossenschaft Moselland in den vergangenen Jahrzenten verändert?

War die Moselland zu Beginn Ihrer über 50 jährigen Geschichte hauptsächlich mit den Aufgabe der Erfassung von Trauben, der Weinbereitung und der Vermarktung als Fasswein beschäftigt, hat sich die Ausrichtung inzwischen komplett gedreht und alle von unseren Winzern angelieferten Trauben werden als Flaschenwein vermarktet. Hinzugekommen ist ein florierendes Exportgeschäft, quasi rund um den Erdball.

 

WochenSpiegel: Was sind die größten Aufgaben für die Winzergenossenschaft in der Zukunft?

Nichts ist so beständig wie der Wandel, das gilt auch für eine Winzergenossenschaft. So geht der Strukturwandel bei unseren Mitgliedsbetrieben immer weiter und wir haben inzwischen Mitglieder die von wenigen Quadratmetern bis zu 100 ha Weinbergsfläche bewirtschaften. Gerade an der Mosel ist es eine besondere Aufgabe den Steillagenweinbau zu erhalten. Dabei macht uns der erhöhte Bewirtschaftungsaufwand gegenüber Flachlagen wie etwa in Rheinhessen besonders zu schaffen, weil den Einkäufern der Lebensmittelketten, wie auch den Konsumenten nur schwer zu vermitteln ist, dass eine Flasche Steillagenwein einfach mehr kosten muss.

 

WochenSpiegel: Moselweine wurden früher fast ausschließlich vom Winzer direkt an die Kunden vermarktet. Heute spielen Supermärkte und Discounter eine wichtige Rolle. Wie hat sich die Vermarktung der Weine bei der Winzergenossenschaft Moselland verändert?

Die Moselland verfügt über eine Mitgliedsfläche, die sich nicht mehr über den Direktabsatz vermarkten lässt, wir liefern zu über 95 Prozent an den Lebensmittelhandel und sind bei allen namhaften Ketten vertreten, daneben betreiben wir 5 Vinotheken, in denen wir hauptsächlich unsere Sekte und spezielle Flaschenfüllungen, die nicht im Lebensmittelhandel stehen, verkaufen.

 

WochenSpiegel: Wo sitzen heute Ihre Hauptkunden?

Unsere Hauptkunden sind die bekannten Lebensmittelhändler aber auch eine Drogeriemarktkette, sowie Getränkehändler, Weinfachgeschäfte und Importeure für den Absatz im Ausland.

 

WochenSpiegel: Thema Steillagenweinbau: Die besondere Anbauform in der Steillage und die daraus hervorgehenden besonderen Rieslingweine sind das Aushängeschild der Mosel. Leider bleiben viele Steillagen-Weinberge entlang der Mosel brachliegen. Wie kann dieser Entwicklung entgegen gewirkt werden? Tut die Politik hier genug?

Das ist ein Problem, insbesondere die Terrassenlagen mit Trockenmauern, die schwer zu bewirtschaften sind und viel Handarbeit erfordern, fallen oft aus der Bewirtschaftung. Natürlich sind diese Weinberge landschaftsprägend und oft Rückzugsgebiet vieler seltener Tiere und Pflanzen. Wenn sich diese Arbeit aber nicht mehr lohnt, muss man die Winzer auch verstehen, wenn sie aufgeben. Die bestehende Steillagenförderung reicht einfach nicht aus, die Bewirtschaftung attraktiv zu gestalten. Die Politik müsste hier mehr tun, schließlich profitiert auch der Tourismus und viele damit verbundenen Wirtschaftszweige von dieser einzigartigen Kulturlandschaft.

 

WochenSpiegel: Immer mehr Winzerbetrieben an der Mosel fehlt der Nachwuchs und sie geben ihre Betrieb auf. Was hat das für Auswirkungen auf die Genossenschaft?

Bestehende Betriebe werden immer größer, aber der Steillagenanteil sinkt wegen der Bewirtschaftungserschwernisse. Die Moselland eG hat zwar den Flächenanteil an der Mosel bisher gehalten, gewachsen ist das Unternehmen aber hauptsächlich in den anderen rheinland-pfälzischen Weinanbaugebieten.

 

WochenSpiegel: Ganz persönlich: Sie stammen ja, wie man auch ihrem Dialekt hört, gebürtig nicht von der Mosel. Was bedeutet die Region Mosel für Sie?

Für einen Pfälzer wie mich war es eine große Herausforderung bei der Moselland eG in Bernkastel-Kues Verantwortung zu übernehmen, was ich aber nicht bereut habe. Ich wurde hier trotz meines deutlich erkennbaren pfälzer Dialektes sehr offen aufgenommen und akzeptiert. Dass die Weingläser hier etwas kleiner sind wie in der Pfalz daran habe ich mich inzwischen gewöhnt. In einer Region zu leben und zu arbeiten, in der Andere Urlaub machen, ist einfach schön. Was ich mir aber hier wünschen würde, wäre ein besserer öffentlicher Nahverkehr und dass die Winzer ein ähnliches Selbstbewusstsein entwickeln wie ihre pfälzischen Kollegen.

 

Interview: Mario Zender