Corona trifft Wirtschaft hart

Düstere Aussichten bei IHK-Umfrage

Altkreis Monschau. Die Corona-Pandemie hat tiefgreifende Folgen für die Wirtschaft in der Region Aachen. Nach einem Jahrzehnt des Aufschwungs folgt nun die rasante Talfahrt.

Das ist das Ergebnis der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Aachen, an der sich mehr als 420 Unternehmen mit insgesamt 33.800 Beschäftigten beteiligt haben. Die Lagebeurteilung der Unternehmer rutscht auf den tiefsten Wert seit Beginn der digitalen Auswertung vor mehr als 30 Jahren.
Drei von vier Befragten rechnen mit deutlichen Verlusten im Laufe des Jahres. »Die Betriebe erwarten im Durchschnitt einen Umsatzrückgang von rund 20 Prozent«, sagt Michael F. Bayer, Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. »Annähernd jedem fünften Unternehmen droht bei dieser Entwicklung die Insolvenz. Das sind alarmierende Werte.«

Besonders stark betroffen sind dabei das Gastgewerbe und die Industrie. »Annähernd jeder zweite Industriebetrieb bewertet die Lage als schlecht. Die Auslastung der Produktionskapazitäten sank auf den niedrigsten Wert seit elf Jahren«, fasst Bayer zusammen. »Eine positive Geschäftslage meldet allein das Baugewerbe, allerdings sind auch hier die Bewertungen niedriger als zuletzt«.

Wegen des massiven Konjunktureinbruchs hat sich die Ertragslage der Unternehmen drastisch verschlechtert. Sie befindet sich nun annähernd auf dem Niveau in Folge der globalen Finanzkrise 2008.

Die Unternehmer erwarten keine baldige Verbesserung der Situation. Jeder zweite Befragte rechnet mit einer Verschlechterung der Lage, nur jeder sechste ist zuversichtlich. Ähnlich negativ bewerten die Unternehmer die Entwicklung des Auslandsgeschäfts. Als größte Risiken für die Konjunktur sehen sie den Rückgang der Inlands- und der Auslandsnachfrage sowie die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen in Folge der Corona-Pandemie. Entsprechend zurückhaltend zeigen sich die Befragten bei den Investitions- und Beschäftigungsplanungen.

»Dank der erweiterten Möglichkeiten beim Kurzarbeitergeld und der zügig beschlossenen Sofortmaßnahmen sind die Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt derzeit noch moderat«, bewertet Bayer die Situation. 44 Prozent der befragten Unternehmen haben aktuell Kurzarbeit angemeldet, weitere 11 Prozent rechnen damit in den kommenden Monaten. Nach den aktuellen Zahlen der Arbeitsagenturen haben in der Region Aachen seit März rund 11.000 Unternehmen für bis zu 120.000 Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet. Die Arbeitslosenquote in der Region Aachen beträgt aktuell 7,1 Prozent. Sie liegt damit weiterhin unter der Quote des Landes NRW (7,7 Prozent), aber über dem bundesweiten Schnitt (6,1 Prozent).

Unter der schlechten Konjunktur leidet auch der Ausbildungsmarkt. Jeder sechste Unternehmer rechnet damit, dass die Zahl der Ausbildungsplätze im Betrieb zurückgehen wird. Nur 4 Prozent der Befragten will mehr ausbilden. »In der Krise bei der Ausbildung zu sparen, ist zu kurz gedacht«, resümiert Bayer. »Seit ein paar Jahren haben wir ein strukturelles Defizit bei den Auszubildenden – und das trotz bester Aussichten für junge Menschen mit dualem Berufsabschluss.«

Lage in der Städteregion Aachen

Unternehmer im ehemaligen Kreis Aachen bewerten die Lage deutlich schlechter als zum Jahresbeginn. 16 Prozent der Befragten schätzen die Geschäfte als gut ein, 43 Prozent als schlecht. Nur im Baugewerbe (Saldo: +33) ist die Lage für die Mehrheit der Unternehmen positiv. Die Geschäfte werden sich in den kommenden Monaten nicht verbessern: 17 Prozent erwarten eine positive Entwicklung, 54 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Am besten sind die Aussichten noch im Einzelhandel (Saldo: -5).
Den gesamten Konjunkturbericht mit Daten und Fakten der einzelnen Branchen gibt es auf www.aachen.ihk.de/konjunkturbericht

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