Für ein Erdbeben gut abgesichert

Katastrophenschutz, Versicherung oder Hobbyforscher

Altkreis Monschau. Teils spürbar, teils lediglich hörbar, aber nie besonders stark hat die Erde gebebt. Trotzdem fragen sich derzeit viele Menschen, welche Auswirkungen ein Erdbeben konkret haben kann.

»Etwa 80 Prozent meiner Kunden sind gegen Schäden durch Erdbeben versichert«, weiß Andreas Döhler, der in Simmerath eine Niederlassung der DEVK betreibt. Oft sei der Erdbeben-Schutz Teil des Naturpaketes in Wohngebäudeversicherungen, wo dann auch Schneedruck, Erdrutsch oder Überschwemmungen zu zählen. Die Eifel liege in einer guten ZÜRS-Zone (Zonierungssystem für Überschwemmung, Rückstau und Starkregen ist ein Geoinformationssystem zur Einschätzung von Naturgefahren; Anm.d.Red.), sodass die Kosten überschaubar seien. »In Aachen oder Stolberg liegen die Versicherungsbeiträge und Selbstbeteiligung deutlich höher«, weiß Döhler. Diese gehören zur dritten und damit höchsten Erdbebenzone, die Nordeifel größtenteils zur Zone zwei, Teile Monschaus sogar nur zur Zone eins.

Persönlich haben ihn die Erdbeben der letzten Wochen nicht besorgt, aber das Thema ist bei vielen Kunden wieder auf der Tagesordnung. »Es gibt erhöhten Beratungsbedarf, aber die meisten Menschen sind gut abgesichert«, so Döhler.

Wenn es dann tatsächlich zu einem stärkeren Erdbeben kommt, ist der Katastrophenschutz der Städteregion Aachen gewappnet. »Erdbeben sind Teil unseres Katastrophenschutzplans, Rettungskräfte entsprechend geschult«, weiß Amtsleiterin Marlis Cremer. Bei einem Erdbeben rechne man mit ähnlichen Schäden wie beim starken Sturm. Es gebe zwar ein Erdbebenalarmsystem des Landes Nordrhein-Westfalen, doch seien erste konkrete Anzeichen nur Minuten vor dem Ereignis erkennbar. Der Aufbau der Sirenen, der derzeit in allen Kommunen der Städteregion Aachen erfolgt, sei auch für diese Gefahrenlage wichtig, unterstreicht Cremer. Parallel dazu arbeitet man aktuell an einem Informationspaket für die Bevölkerung, wie und wofür mit Sirenen und anderen Alarmsignalen gewarnt wird.

Welche Auswirkungen haben Erdbeben auf bestimmte Bauwerke wie etwa Staumauern? Walter Dautzenberg, Leiter des Bereichs Wassergewinnung/Wasseraufbereitung, bei enwor, kann mit einigen spannenden Fakten beruhigen: Erst ein Beben ab einer Stärke von 7,5 auf der Richterskala würde Schäden an der Staumauer der Dreilägerbachtalsperre verursachen.  Schäden bedeutet allerdings nicht, dass die Mauer bricht. Ein Beben solcher Stärke könnte für Risse in der Mauer sorgen. Der hierdurch entstehende Wasseraustritt sei unbedenklich für Tal und Menschen.

Der Geologische Dienst des Landes NRW erstellt zum Bau von Anlagen wie Talsperren, Gutachten. Die hierin vorkommenden »Bemessungserdbeben« stellen Beben maximaler Stärke dar, die einmal in 10.000 Jahren vorkommen könnten. Entsprechend dieser Bemessungserdbeben werden unter anderem Staumauer konzipiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Staumauer bricht und das Wasser der Talsperre Mulartshütte überschwemmen würde, liege also bei nahezu 0.

Auch die Seismik-AG des Monschauer St. Michael-Gymnasiums beschäftigt sich regelmäßig mit dem Erdbeben-Phänomen. Vier Seismographen und eine moderne Technik erfassen vielfältige Daten. Coronabedingt konnten diese leider noch nicht ausgewertet werden, erklärt der zuständige Fachlehrer, Dr. Marc Henning Zoeller.

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