Handwerk ist nicht typisch deutsch

Konjunkturumfrage entgegen düsterer Prognosen

Altkreis Monschau. Ohne Winterdelle, mit hoher Auslastung, ordentlichen Auftragspolstern und mit positiven Zukunftserwartungen startet das Handwerk sehr stark in das Jahr 2019.

Das zumindest ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage der Aachener Handwerkskammer, an dem 335 Betriebe aus der Städteregion Aachen sowie den Kreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg teilgenommen haben.

»Unsere Handwerker trotzen den Konjunktur-Pessimisten und sind damit gar nicht typisch deutsch. Wo wir doch gerne mal etwas vorschnell schwarz malen«, erklärt Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen. Sehr zufrieden vermeldet er einen Rekordwert nach dem anderen: Seit 2014 befinde sich das Handwerk in der Region im Dauerhoch und dabei steche das Baugewerbe noch einmal heraus. So sind 92 Prozent der Handwerker mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden und nur sieben Prozent erwarten keine positive Entwicklung in den kommenden Monaten.

8,6 Wochen dauere es mittlerweile, ehe ein Handwerker seine vereinbarte Leistung erbringen können. Auf dem Bau muss gar mit einer Vorlaufzeit von vier Monaten gerechnet werden. »Die Auftragsbücher sind voll und Fachkräfte stehen nicht auf der Straße«, stellt Deckers klar. Daher betrübt ihn auch ein wenig der Blick auf den Lehrstellenmarkt. Mit 2200 Lehrverträgen stiegen zwei Prozent weniger junge Menschen in eine Berufsausbildung des Handwerks ein. »Die reinen Handwerksberufe liegen noch im Plus, der kaufmännische Bereich hat Probleme«, stellt Deckers heraus. Dennoch würden gerade Elektroinstallateure, Heizungsbauer und -installateure, Tischler, Kfz-Mechaniker und Friseure gesucht.

Höhere Preise - mehr Umsatz

Die gute Auftragslage hat den Gesamtumsatz und die Verkaufspreise im Handwerk steigen lassen. Dies wiederum befeuert die Investitionsbereitschaft der Unternehmer in neue Maschinen, Räumlichkeiten und digitale Ausstattung, aber auch in zusätzliches Personal, das jeder Fünfte erhöhen möchte.
Die Gesamtzahl der Handwerksbetriebe ist um 0,2 Prozent auf 16.612 im Kammergebiet gesunken. Dies hat zwei Gründe: »Die Zahl meisterfreien Betriebe sinkt kontinuierlich und einige Handwerker finden keinen Nachfolger für ihren Betrieb«, weiß Hauptgeschäftsführerin Nicole Tomys. 2200 Betriebe suchen in den nächsten fünf Jahren einen Nachfolger. Tomys: »Daher haben wir ein Übergabecenter eingerichtet, das alle Handwerker über 55 Jahren berät und unterstützt.«

Solide Städteregion - Düren hinterher

Bei der  Beurteilung  des Geschäftsverlaufs gibt  es in  diesem Frühjahr  eine  größere  Spreizung bei  den  Handwerksbetriebenin  den  einzelnen  Regionen:  Während das  Handwerk im Kreis  Heinsberg  mit 97 Prozent positiver Nennungen (Geschäftslage gut  oder  befriedigend)den  Spitzenplatz  belegt, rangiert die Einschätzung im Kreis Düren mit 88 Prozent deutlich darunter. Die  stärkste  Stimmungsaufhellung zum Frühjahr 2018 hat es mit sieben Pluspunkten beim Handwerk im Kreis Euskirchen gegeben. Möglicherweise konnte  es von  zusätzlichen  Aufträgen  aus  den  naheliegenden  Rheinmetropolen  profitieren. Der Positivsaldo aus guter und  schlechter Lagebeurteilung ist in  allen  Regionen außerordentlich  hoch:  An  der  Spitze liegen mit 54 Punkten das Euskirchenerund das Heinsberger Handwerk aber auch beim »Schlusslicht« Düren ist die positive Dynamik mit 40 Punkten sehr hoch. Den besten Umsatzschub verzeichneten  die Chefs in  der  Städteregion  Aachen  mit  einem  Saldo  von plus zwölf Punkten  aus  gestiegenen  und  rückläufigen  Erträgen.  Danach  folgen  mit  jeweils siebenPunkten  die  Kreise Heinsberg  und  Euskirchen. Im  Dürener  Handwerk  scheint  es mit minus  zwei  Prozentpunkten aktuell  eine leicht rückläufige Tendenz zu geben. Mit Werten von 93 Prozent und mehr gehen alle bis auf die Euskirchener Handwerker (85 Prozent) mit großer Hoffnung auf eine positive Geschäftsentwicklung in das Sommerhalbjahr.

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