Sterben einen würdigen Platz einräumen

Ambulanter Hospizdienst Monschauer Land wird 25

Altkreis Monschau. »Schwerkranke und sterbende Menschen begleiten, das wollten viele Ehrenamtler schon 1996. Doch mittlerweile haben wir uns einen Platz in der Gesellschaft erkämpft und sind sogar von der Schulmedizin anerkannt.« Der Ambulante Hospizdienst Monschauer Land feiert 25-jähriges Bestehen.

»Das Sterben zu Hause in vertrauter Umgebung ist seltener geworden - das hat gesellschaftliche Gründe, aber auch mangelt es oftmals an Betreuungsmöglichkeiten. Da wollten engagierte Gemeindemitglieder schon vor 25 Jahren etwas gegen tun«, erinnert sich der evangelische Pfarrer Volker Böhm. Aus diesem Grund ist die evangelische Kirche Monschauer Land bis heute Träger des ambulanten Hospizdienstes, in dem sich 36 Ehrenamtler als Sterbebegleiter engagieren.

Damals herrschte noch in der Schulmedizin die Meinung: »Wir geben doch unsere Patienten nicht auf.« Heute ist Sterbegegleitung ein wichtiger Baustein der modernen Palliativmedizin.

»Unser Tun ist christlich motiviert, aber konfessionsübergreifend«, versichert Margarete Steger. Die Diplom-Sozialpädagogin ist gemeinsam mit Simone Werker-Schwartz Koordinatorin  des ambulanten Hospizdienstes »Wir bringen Betroffene und Ehrenamtler zusammen, schauen, dass es menschlich passt, dass sich aber auch die Angehörigen dabei wohl fühlen«, versichert Steger. »Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht der kranke und sterbende Mensch mit seinen Bedürfnissen nach einem selbstbestimmten Leben bis zum Tod.« Man wolle nicht missionieren, nicht alte Probleme ausgraben oder beseitigen, aber helfen, womit sich der Betroffene quält. »Wir kommen zu den Menschen nach Hause, besuchen sie im Pflegeheim oder Krankenhaus - dabei sind wir eine Ergänzung zur palliativ-medizinischen Versorgung.«

Bürgermeisterpreis und Krankenkasse

Todkranke und Sterbende sollen nicht abgeschoben werden, sondern ihnen solle Nähe und Liebe zuteil werden und eine Lebensqualität beschieden sein, die auch im letzten Stadium des Lebens erreichbar ist, hatte schon der ausgeschiedene Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns festgestellt, als er dem ambulanten Hospizdienst 2013 seinen Ehrenpreis verlieh. »Wir kommen zu einem sterbenden Menschen, nehmen aber einen Lebenden wahr und an«, versichert Pfarrer Böhm, der auch seelsorgerisch zur Seite steht, wo es gewünscht ist.

Die Ehrenamtler durchlaufen eine fast einjährige Ausbildung, an deren Beginn ein Kurs zur »Selbsterfahrung« steht. »Viele unserer Ehrenamtler wollen ihrem Leben einen neuen Sinn geben - daher kommen sie mit  den unterschiedlichsten Lebensgeschichten, erlernen Gesprächstechniken und den richtigen Umgang mit einem Menschen auf dem Sterbeweg«, erklärt Steger.

Etwa 90 Prozent der Kosten des Hospizdienstes tragen die Krankenkassen. Dafür müssen die Ehrenamtler fachlich begleitet werden und regelmäßige Fortbildung sowie Supervision erhalten. »Dass trotz hervorragender Schmerztherapie, professioneller Palliativmedizin und qualifizierter Hospizarbeit der Wunsch nach einem selbstbestimmten Tod besteht, bedeutet, dass ein gutes Gesundheitssystem und angemessene Pflegeangebote nicht hinreichen«, glaubt der evangelische Pfarrer i.R., Wolfgang Köhne. »Der Tod als Teil des Lebens muss noch einmal neu in die gesellschaftliche Debatte eingebracht werden!«

Doch nicht nur die Sterbenden stehen im Fokus der Arbeit des »Ambulanten Hospizdienstes Monschauer Land«, der in den drei Nordeifel-Kommunen sowie den Ortschaften Schmidt und Vossenack tätig ist. »Wir bieten an jeden zweiten Mittwoch im Monat ein Trauercafé an, für das acht unserer Mitstreiter zu Trauerbegleitern ausgebildet wurden«, weiß Steger. Denn: »Trauer wird ein wenig leichter, wenn man einen Ort hat, wo man sprechen kann.«

Übrigens: Die Hospizarbeit in der Region wird über zwei Partner organisiert: Die evangelische Kirchengemeinde Monschauer Land und der Caritasverband Eifel. Weitere Infos gibt es unter

Jubiläum

Ein feierlicher Gottesdienst findet am Sonntag, 19. september, um 10 Uhr zum 25-jährigen Jubiläum des Ambulanten Hospizdienstes Monschauer Land in der Evangelischen Kirche Roetgen statt. Anschließend werden die Ehrenamtler für ihre Arbeit gefeiert.

Am Donnerstag, 30. September, wird ein Kurs »Letzte Hilfe« im evangelischen Gemeindehaus Roetgen angeboten. Dort lernen Interessierte ab 18 Uhr, was man am Lebensende für einen sterbenden Menschen tun kann.

Eine Informationsveranstaltung für neue Trauer- und Sterbebegleiter findet am Donnerstag, 25. November, von 19 bis 21 Uhr statt.

Anmeldung jeweils unter Tel. 0162/8466805 oder E-Mail an margarete.steger@monschauer-land.de bzwe. simone.werker-schwartz@ekir.de

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