Wer schlug mit der Flasche zu?

Streit im Karnevalszelt landet vor dem Amtsgericht

Monschau. »Vielleicht nehmen Sie für sich mit, dass sich solche Auseinandersetzungen nie lohnen. Denn egal, wer Schuld trägt, hier vor Gericht zu sitzen, ist für keinen der Beteiligten angenehm.« Auch wenn er nicht verurteilt wurde, so wollte die Staatsanwältin dem jungen Angeklagten abschließend zumindest ein wenig ins Gewissen reden. Mit einem zustimmenden Nicken nahm er die Worte zur Kenntnis.

Strafrichterin Britta Güldenberg entschied über einen Streit, der an Karneval und unter Alokoholeinfluss wohl immer wieder vorkommt. Es gibt ein Wortgefecht, Gerangel, Handgreiflichkeiten und schließlich wird auch kräftig ausgeteilt. Jonas B. trägt eine Platzwunde am Kopf davon, die in der Eifelklinik mit sechs Stichen genäht werden muss. Er, gegen den selbst bereits einmal wegen körperlicher Auseinandersetzungen Anzeige erstattet wurde, will den Vorfall vor Gericht geklärt wissen.

Doch es kommt zu vielen Ungereimtheiten. Wer als erstes zugeschlagen hat kann ebenso nicht geklärt werden wie die Frage, wer eine Bierflasche als Tatwaffe missbrauchte.

 

Erinnerung fällt schwer

Zu dem Streit kam es auf der Altweiberfete 2020 im Lammersdorfer Karnevalszelt. Mitglieder der gastgebenden »Karnevalsfreunde« gingen sofort dazwischen und brachten die Streithähne auseinander. Jedoch nur für kurze Zeit: Das spätere Opfer will den Zwist klären und sieht sich wenig später blutüberströmt im Rettungswagen wieder. Der Angeklagte Tim S. hingegen gibt die ersten Handgreiflichkeiten beider Seiten zu, will aber bei der Attacke mit der Bierflasche gar nicht vor Ort gewesen sein.

Auch Zeugen können kein Licht ins Dunkel bringen. Es sei eine aggressive Stimmung gewesen, sagt Thomas H. von den Lammersdorfer Karnevalisten. Es habe immer wieder Streit zwischen Freunden von Angeklagtem und vermeintlichem Opfer gegeben, sagt ein anderer Beteiligter aus.

So stellt Britta Güldenberg das Verfahren vor dem Monschauer Amtsgericht ein, Verteidigung und Staatsanwaltschaft stimmen zu, die Kosten trägt die Staatskasse. »Solche Fälle wird es in dieser Karnevalssession wohl nicht geben«, stellt Güldenberg  fest. Schuld daran trägt die Corona-Pandemie.

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