Bedürftige leiden besonders unter Corona

Simmerath. »Handel, Gastronomie, Klein- und Mittelständer: Viele Betriebe, die arg vom Lockdown betroffen sind.« Und deshalb hat Corona den positiven Trend des Eifeler Jobcenters kräftig umgekehrt.

»Ich konnte immer die beste Integrationsquote und einen ständigen Anstieg von sozialversicherungspflichtig Beschäftigten vermelden - bis dieses kleine Virus so viel verändert hat«, gesteht Jürgen Crombach, der die Geschäftsstelle des Jobcenters in Simmerath leitet.

»Nur« 158 Menschen und damit 20,6 Prozent der Durchschnittszahl an Leistungsbeziehern im Jobcenter konnten jeodoch 2020 in Arbeit gebracht werden - ein Minus von etwa 25 Prozent.  8876 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen gab es Mitte letzten Jahres in den drei Nordeifel-Kommunen - ein Rückgang um 0,65 Prozent zu 2019. »Das ist kein Drama, aber es kehrt den positiven Trend der letzten Jahre um«, weiß Crombach. Und diese Rückgang hat in den letzten Monaten zugenommen, schließlich ist ein Ende der Pandemie nicht absehbar.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen ist um knapp 50 Prozent von 125 auf 189 Menschen gestiegen. »Diese sind auch sehr schwer zu integrieren - besonders gesundheitliche Probleme machen das Arbeiten schier unmöglich«, so Crombach. Und aktuell habe auch niemand Bedarf an niedrigschwelliger Hilfsarbeit. »Selbst im Handwerk nicht«, weiß Stefan Graaf, der Geschäftsführer des Jobcenters. »Da spielt viel Psychologie mit und das Streben nach Sicherheit«, ergänzt Crombach. Viele der Kunden, die 2018 und 2019 auf dem Arbeitsmarkt vermittelt werden können, sind jetzt wieder beim Jobcenter gelandet, weil sie gekündigt wurden oder ihr Kurzarbeitergeld für den Lebensunterhalt nicht ausreicht.

Drei Viertel der Mitarbeiter im Eifeler Jobcenter agieren aus dem Homeoffice heraus. Auf Distanz, aber schnell und recht unbürokratisch, haben Crombach und sein Team in der Krise helfen können. Anträge wurde vereinfacht, verwertbares Vermögen bis zu 150.000 Euro bei einer vierköpfigen Familie nicht angerechnet. »Wir sind ein sehr empathisches Team, das vielen Kunden die Scham nimmt und sie gezielt zu fördern versucht«, versichert Crombach. Online (www.jobcenter-staedteregion-aachen.de) können Telefontermine vereinbart werden, damit sich der zuständige Sachbearbeiter gezielt auf das Gespräch vorbereiten kann. »Und trotzdem ist das persönliche Gespräch der Grundpfeiler unserer Arbeit«, unterstreichen Graaf und Crombach. »Auch wenn der Gesundheitsschutz von Kunden und Mitarbeitern das Wichtigste ist.«

Viele geflüchtete Menschen gehören zu den Leistungsbeziehern in der Region. »Weil hier der Zuzug gegenüber anderen Kommunen auch in der Pandemie weiter gegangen ist«, weiß Crombach. Die Eifel besitze Wohnraum, normalerwese einen robusten Arbeitsmarkt und ein gutes Netzwerk, das Integration vereinfache. »Diese Menschen bieten ein großes Potenzial«, weiß der Geschäftsstellen-Leiter und sieht großen Handlungsbedarf in der »Nach-Corona-Zeit«.

1220 Menschen brauchen Hartz IV

1220 Personen sind auf Leistungen des Jobcenters in der Eifel angewiesen - ein Plus von über 11 Prozent. Die Bedarfsgemeinschaften stiegen um 14 Prozent, in der Städteregion hingegen sanken sie um 20 Prozent.
Das sind 4 % Hilfsquote - also der Anteil Bedürftiger an allen Eifelern zwischen 0 und 66 Jahren. In der Städteregion liegt dieser Wert deutlich höher: 12 Prozent.
182 Arbeitslosengeld-II-Empfänger verdienen zu wenig, um damit über die Runden zu kommen - sind also sogenannte »Aufstocker«.
5,67 Millionen Euro hat das Jobcenter in der Eifel 2020 in Leistungen für Unterkunft, Heizung und Lebensunterhalt investiert - 8 Prozent mehr als 2019

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