»Kredite müssen rasch kommen«

Raiffeisenbank hat sich gerüstet, fordert mehr vom Staat

Simmerath. »Es wird viel Geld versprochen, das auch dringend benötigt wird. Und doch gibt es viele Hürden, ehe gezahlt wird.« - Olaf Jansen, Vorstand der Raiffeisenbank Simmerath.

Sie waren gut vorbereitet, wenn man das überhaupt für eine Pandemie behaupten kann. Und doch müssen Olaf Jansen und Oliver Lapp, Vorstand der Raiffeisenbank Simmerath eG, ihr Vorgehen mehrmals täglich anpassen - auf die Verordnungen der großen Politik, aber besonders auch auf die Bedürfnisse der Kunden.

»Einen Pandemie-Plan müssen wir in der Schublade haben«, erklärt Olaf Jansen. Daher habe man schon frühzeitig im Eifeler Kreditinstitut Schutzmaßnahmen ergriffen: So wurden Risikopatienten ins Home-Office geschickt, gemeinsames Mittagessen verboten und ein Notbetrieb aufgebaut. Mitarbeiter, die diesen im schlimmsten Fall aufrecht erhalten sollen, haben bereits einen Heim-Arbeitsplatz, um möglichst dem Risiko einer Erkrankung aus dem Weg zu gehen.

Mit der zunehmenden Ausbreitung des Corona-Virus wurde auch die Hauptstelle in Simmerath geschlossen, die Telefon- und Videoberatung ausgebaut und Mitarbeiter des gleichen Wirkungskreises so verteilt, dass sie sich möglichst nicht begegnen.

»Wir raten dazu, bargeldlos zu bezahlen«, so Vertriebsleiter Ruven Fux. Nicht, weil das Ansteckungsrisiko durch Münzen und Scheine besonders hoch wäre, sondern um dem Kassierer oder wem auch immer nicht zu nah zu kommen.

Banken tragen 20 Prozent Risiko

So weit, so gut: Was tut die Raiffeisenbank Simmerath für den Häuslebauer, der in Kurzarbeit geschickt wird oder den Mittelständler, der sein Geschäft schließen musste oder keine Aufträge mehr herein bekommt?
»Es wird viel Geld versprochen, das auch dringend benötigt wird. Nur da ist es noch nicht«, erklärt Olaf Jansen. »Die Förderprogramme sind teilweise noch nicht ausgestaltet, wir können unsere Kunden, mit den wir in engem Kontakt stehen, oft noch keine konkreten Vorschläge machen«, so Oliver Lapp. Zudem wisse niemand, wie lange die Krise anhalte.

Die bundeseigene Förderanstalt KfW stellt Kredite über 500 Milliarden Euro bereit. »80 Prozent des Risikos trägt der Bund, den Rest die Banken«, weiß Olaf Jansen. Aber die Banken verfügten über nicht über 100 Milliarden Euro, die sie verteilen können - wenn die Summe denn überhaupt ausreiche. »Da wir für 20 Prozent haften, müssen wir die Anträge prüfen, ehe sie zur KfW gehen. Dort dauert ein Antrag meist drei Wochen und Auszahlungen sollen erst nach Ostern erfolgen«, weiß Lapp und kritisiert: »Das dauert alles viel zu lange!«

Natürlich wolle man vermeiden, dass ein »schwarzes Schaf« die Krise nutze, um Fördergelder zu kassieren. »Wer schon vor Corona keine Zukunft hatte, muss selektiert werden«, so Lapp. Und doch sei es wichtig, Menschen ihre Tilgung zu stunden, wenn sie wegen Kurzarbeit den Hauskredit nicht bedienen können. »Denn diese Krise betrifft jeden«, versichert Olaf Jansen. Wenn der Geschäftstreibende nichts mehr einnimmt, kann er seine Miete nicht mehr zahlen. Der Vermieter gerät in Zahlungsschwierigkeiten - eine gefährliche Spirale.
Übrigens: In allen Szenarien ist die Bargeldversorgung sichergestellt - und das nicht nur bei der Raiffeisenbank Simmerath. Schließfachbegehungen sind nach telefonischer Terminvereinbarung und mit gebotenen Hygienemaßnahmen möglich.

Das Corona-Virus bedroht nicht nur die Gesundheit der Menschen, sondern macht auch vor der Wirtschaft nicht halt. Um Unternehmen, die von der Corona-Krise betroffen sind, zu unterstützen, bieten Bund und Länder viele Maßnahmen an. Alle aktuellen Infos gibt es auf https://www.staedteregion-aachen.de/de/navigation/aemter/wirtschaftsfoerderung-tourismus-und-europa-s-85/wirtschaftsfoerderung/aktuelle-informationen-fuer-unternehmen-in-der-corona-krise/

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