"Trotz meiner Behinderung bin ich gleichwertiger Kollege"

Steckenborn. Lange bevor Inklusion in Deutschland für heftigen Diskussionsstoff sorgte, war Günter Uhlworm aus Steckenborn bereits ein unermüdlicher Vorkämpfer für Anerkennung und Wertschätzung seiner vom Schicksal benachteiligten Leidensgenossen.

»Trotz meiner Behinderung war ich stets ein gleichwertiger Kollege«, blickt der 55-jährige, gebürtige Düsseldorfer selbstbewusst auf seine Vita.  Günter Uhlworm hat - ungeachtet sturer Paragrafenreiterei - mancher Behörde, Hemmnissen und bürokratischer Hürden, mit Fleiß, Optimismus, permanenter  Leistungsbereitschaft  und  schier unerschütterlichem Willen  eine bravouröse Justizkarriere eingeschlagen und es zum Justizamtsinspektor gebracht.

Rückschläge

Sein beruflicher Werdegang erwies sich zwar als steinig und dornig, doch häufig erlittene Rückschläge durch »Normale« ließen ihn nicht resignieren, im Gegenteil.  Absagen und Ignoranz auf Bewerbungen machten den Kandidaten aus der Radschlägerstadt nur stärker und hartnäckiger.   Zwar besuchte Günter Uhlworm einen Allgemein-Kindergarten in der Landeshauptstadt, doch eine übliche Grundschule nahm ihn nicht auf. Bereits mit zehn Jahren wurde der ehrgeizige Junge Mitglied der  Düsseldorfer Schützengesellschaft »Gemütlichkeit«, zwei Jahre später trug er die Kette des Schülerprinzen. Erfreut und stolz marschierte  er  im Festzug durch die berühmte Altstadt. Dann folgte »Ungemütlichkeit«. »Obwohl ich das Pensum eines Realschülers mit guten Noten absolvierte, wurde mein Abschluss nicht anerkannt, also wechselte ich an eine Privatschule.«Den Realschulabschluss erlangte er dort mit Bravour. »Nun wollte ich arbeiten. Berufswunsch: Bankkaufmann.« Obwohl der Azubi in spe glänzende Beurteilungen  in Praktika aufwies, bestand er  - ohne Angaben von Gründen - den Einstellungstest nicht.

Hoffnungsträger

Viele Bewerbungen bei Banken und Versicherungen blieben danach erfolglos: »Man gab mir zu verstehen, dass  der  Kundschaft  eines öffentlichen Geldinstituts der  Anblick eines Schwerbehinderten nicht zugemutet werden könne.«  Absurd geradezu dieses Argument, hatte er doch schon als 13-Jähriger im Geschäft seiner Mutter zu aller Zufriedenheit Büroartikel  verkauft. Hoffnung auf  baldigen Antritt einer Ausbildung keimte auf, als das Düsseldorfer Amtsgericht per Zeitungsannonce Justizangestellte suchte. Im Bewerbungsgespräch betonte der behördliche Personalchef, dass die ausgeschriebene Position Schreibmaschinen- und   Stenografie-Kenntnisse voraussetze, und beide Qualifikationen  traute man Uhlworm nicht zu. Man hielt den Bewerber hin, vertröstete ihn. Doch gottlob nahte das Ende der quälenden Ungewissheit und barmherzigen Lügen: Das Düsseldorfer Oberlandesgericht  gab dem oft zu Unrecht »Abgeblitzten« und Enttäuschten aufgrund zäher Beharrlichkeit eine echte  Chance. Er bestand alle Tests und Lehrgänge und begann seine Ausbildung. »Schon als Kind«, räumt Uhlworm ein, »träumte ich davon, Auto zu fahren.« Deshalb machte er den Führerschein an einer Fahrschule für Behinderte, sein Traum wurde wahr!. Nach erfolgreich bestandener Ausbildung wurde Uhlworm zunächst zum Dienst in der Gerichtskasse verpflichtet. 1980 baute der junge Familienvater in Steckenborn ein Haus und fuhr mit seinem Vater die folgenden acht Jahre  in die Landeshauptstadt zur Arbeit. Dann wechselte Günter Uhlworm den Arbeitsplatz  nach Aachen. Doch bald ging´s wieder zurück an den Rhein, der Karriere wegen. Der Beamte auf Lebenszeit ist heute »freigestellte Hauptvertrauensperson der nichtrichterlichen, schwerbehinderten Menschen beim Justizministerium des Landes NRW - Geschäftsbereich Justiz.«. Wer den Aktivisten Uhlworm kennt, ahnt, dass der seine Freizeit nicht  in der Sofaecke verbringt. Er war 15 Jahre Jungschützenmeister der Steckenborner »St.-Apollonia-Schützenbruderschaft« und avancierte sechs Mal zum Schützenkönig. Günter Uhlworm - ein Positivbeispiel für alle gleich ihm vom Schicksal Benachteiligten.

 

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