Kunstvoll: Der Herr über die Kettensäge

Eifel. Wenn man seine filigranen Kunstwerke aus Holz betrachtet, käme man nicht auf die Idee, mit welch brachialer Gewalt sie geschaffen wurden.

Denn wenn den »Self-made-Künstler« das Kreativ-Virus packt, greift Dietmar Schier aus Landscheid seine Motorsäge, zieht an der Schnur, bis der Motor knattert, und bei ein paar Tausend Umdrehungen und rasend lautem Motor fliegen die Holzspäne davon. Immer wieder fährt die Kettensäge in das harte Holz und arbeitet geradezu feinste Details heraus.

Dietmar Schier tut das, was er am liebsten tut: mit der Kettensäge Douglasien, Eichen oder Pappeln in dekorative Kunstwerke verwandeln. Zuerst nur ganz grob, aber wenn die Proportionen in etwa stimmen, geht’s ins Detail. So sägt er sich Stück für Stück durch das Holz, hin zu der Figur, die er längst schon vor seinem geistigen Auge hat.

Sägen in allen Variationen
Die Arbeit mit der Motorsäge hat sich der 51-Jährige selbst beigebracht. So zum Beispiel, dass das Holz eine andere Struktur bekommt, je nachdem, ob er es mit der rechten oder der linken Zahnseite bearbeit. Und auch auf die Blattgröße kommt es an – je filigraner die Arbeit, desto kleiner das Sägeblatt.

»Einmal war ich auf einem Lehrgang im Schwarzwald«, erzählt der Herr der Kettensägensammlung, die sich inzwischen auf 14 Stück beläuft. »Ich habe sie jetzt in allen Größen und Variationen. Das ist ja auch Kapital, denn eine gute Säge kostet schon was«, verrät Dietmar Schier nicht ohne Stolz.

Schnitzen macht süchtig
Auf die Idee kam er vor einigen Jahren, weil das Palmengeschäft seiner Frau ein wenig Dekoration benötigte. Da er ohnehin schon immer sehr kreativ war und gut zeichnen konnte, versuchte er sich an seinem allerersten Adler. Es war der Anfang einer großen Leidenschaft. »Schnitzen macht süchtig«, sagt Dietmar Schier und lacht.

Hauptberuflich verdient der Familienvater sein Geld als Croupier in der Spielbank in Trier. »Es ist auch ein schöner Ausgleich zu meiner Arbeit«, betont Schier. »Wenn ich mal zwei Wochen nichts geschnitzt habe, dann werde ich ganz unruhig.«

Viel Liebe zum Detail
Und immer, wenn er eine seiner Sägen sprechen lässt, entstehen mit ganz viel Liebe zum Detail wahre Kunstwerke aus Holz. »Ich bin viel besser geworden«, freut sich der Perfektionist und zeigt stolz einen naturgetreu nachgeschnitzten Adler, der sein Freiluftatelier ziert.

Herr über die Kettensäge
Auf der anderen Seite des Tores thront eine Eule königlich und blickt über das Reich des Kettensägenmannes. Zu seinen sechs verschiedenen Adlern gesellen sich zahlreiche weitere hölzerne Wesen wie etwa Hunde, Affen, Drachen oder auch Eulen, die den von Hand hergestellten Bänken den letzten Schliff geben.

Alles ist möglich
Und weil seine Kreativität offenbar keine Grenzen kennt und er sehr geschickt mit der Säge umgehen kann, hat sich Dietmar Schier auch schon einen guten Namen in der Region gemacht. »Ich komme auch zu den Leuten nach Hause, wenn die dort einen Baum abgeschnitten haben und daraus etwas Schönes gemacht haben wollen«, sagt Dietmar Schier.  Dabei sei alles möglich. Ganz gleich ob Fabelwesen, Mensch, Ritter, Tannenbäume oder Tiere – Dietmar Schier versucht sich in allem.

FIS

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