"Wichtigstes Ziel ist es, liquide zu bleiben"

Eifel. Der WochenSpiegel sprach mit Sascha Monschauer, Vorstandsvorsitzender der Volksbank RheinAhrEifel eG, über die Corona-Situation.

Die Corona-Krise sorgt für sorgenvolle Gesichter von zahlreichen Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region. Wie sehen Sie die aktuelle Lage?

Seit Mitte März stehen wir alle vor großen Herausforderungen. Die Coronakrise trifft Unternehmen im gesamten Geschäftsgebiet unserer Bank. Besonders betroffen sind aktuell noch die Gastronomie/Hotellerie, aber auch der Einzelhandel darf erst seit wenigen Tagen wieder öffnen. Die ersten Tage zeigen, dass das Kaufverhalten noch zurückhaltend ist. Trotz Öffnung ist der Einzelhandel also nach wie vor belastet. Wir stehen als Hausbank unseren Kunden zur Seite, ermitteln zielgenau den tatsächlichen Bedarf und entscheiden gemeinsam, welche individuellen Maßnahmen zur Bewältigung der Krise in Frage kommen. Wichtig ist aber anzumerken, dass es auch Betriebe gibt, die unverändert weiterarbeiten können, neue Produkte auf den Markt bringen oder sogar expandieren.

Sind die Betriebe, die nun in eine finanzielle Schieflage geraten sind, noch zu retten?

Wir sind Partner der regionalen Wirtschaft, stehen zu unserer Verantwortung für die Region und sind deshalb natürlich bestrebt, so vielen Unternehmen wie möglich zu helfen, die Krise zu meistern. Unsere Devise ist: Wenn das Unternehmen in der Vergangenheit ein Geschäftsmodell hat, was tragfähig war und wir der Überzeugung sind, dass dies auch in Zukunft der Fall ist, werden wir auf jeden Fall versuchen, bestmöglich zu helfen. Dennoch wird es wie immer im Wirtschaftsleben auch jetzt Betriebe geben, die in der bisherigen Form nicht weitermachen können.

Welche Hilfe bieten Sie Ihren Kunden an, die finanzielle Probleme im Zusammenhang mit der Corona-Krise haben?

Wichtigstes Ziel ist es, in der aktuellen Situation liquide zu bleiben. Dabei unterstützen wir unsere Kunden bestmöglich - zum Beispiel mit Tilgungsaussetzungen. Stand heute haben wir über 1.500 Tilgungsaussetzungen von Privatkunden und Unternehmen genehmigt. Darüber hinaus unterstützen wir mit eigenen Liquiditätskrediten und vermitteln Förderprogramme, etwa von der KfW-Bank und der Investitions- und Strukturbank (ISB).

Kommen die finanziellen Hilfen des Bundes- beziehungsweise des Landes noch rechtzeitig?

Die Bundesregierung hat in der Coronakrise aus unserer Sicht schnell reagiert. Allerdings gab bzw. gibt es bei der Ausgestaltung der Förder- und Kreditprogramme durch das Finanz- und Wirtschaftsministerium Verbesserungsbedarf. Bei den Programmen der KfW-Bank sind zunächst viele Unternehmen durchs Förderraster gefallen. Hier wurde daraufhin nachgebessert. Die Programme der ISB sind ein Stück weit zu eng gestrickt, sodass viele Unternehmen keine Förderung erhalten können und ihnen ohne Hilfe der Hausbank die Pleite droht. Zum anderen ist der Aufwand für die Banken sehr groß. Wir müssen - im Gegensatz zu den KfW-Programmen - alle Anträge im Detail prüfen. Das verzögert die Auszahlung. Aus unserer Sicht am wenigsten von den staatlichen Förderprogrammen profitieren die Kleinstunternehmen und Soloselbständigen, da sie beispielsweise keinen Gewinnausgleich erhalten, sondern lediglich einen Zuschuss, der nur die gewerblichen Fixkosten abdeckt. Um noch eine Zahl zu nennen: Bislang haben rund 1.500 unserer Firmenkunden zusammen ca. 11 Millionen Euro an Soforthilfen von Bund und Ländern erhalten. Dies zeigt die große Anzahl der betroffenen Unternehmen. Bei den Kreditanfragen helfen wir schnell, indem wir Gelder zur Verfügung stellen, um dann in Ruhe mit dem Kunden das richtige Förderprogramm finden zu können

Wie können Banken den Menschen helfen, die durch Kurzarbeit in finanzielle Not geraten sind?

Genauso wie bei den Unternehmen ist auch für unsere Privatkunden wichtig, liquide zu bleiben, um ihr tägliches Leben weiter finanzieren zu können. Deshalb unterstützen wir auch hier, indem wir Tilgungsaussetzungen anbieten oder helfen mit Überbrückungskrediten, die sich schnell und unbürokratisch beantragen lassen. Hinter jedem Fall stehen Menschen und ihre Familien, die ganz individuell betrachtet werden müssen. Hier ist es unserer Ansicht nach besonders wichtig, die gesamten finanziellen Verhältnisse anzuschauen und in einer Beratung gemeinsam die wichtigsten Schritte zu besprechen. So ist beispielsweise das Auflösen von Sparverträgen für die Altersvorsorge nur augenscheinlich und kurzfristig eine gute Lösung.

Wie ist die Lage der Volksbank? Einerseits sagt das Wirtschaftsministerium, es sollen großzügig Kredite vergeben werden, andererseits bekommen Sie als Kreditinstitut von der BaFin als Aufsichtsbehörde Warnungen, nicht weiter das Risiko der Bank auszuweiten. Wie passt das zusammen?

Die Coronakrise stellt alle Beteiligten vor eine sehr große Herausforderung. Es stehen Existenzen auf dem Spiel und wir versuchen so gut wie möglich mit Krediten, Tilgungsaussetzungen und der Vermittlung von Förderprogrammen zu helfen. Unsere Kunden können uns vertrauen, denn wir zeichnen uns seit jeher als verantwortungsvoller und vorausschauender Partner aus. Uns geht es als Bank immer dann gut, wenn es auch unseren Mitgliedern und Kunden gut geht, sie investieren können und liquide sind. Daher hoffen wir, dass alle Unternehmen möglichst schnell wieder tätig werden können und viele Arbeitnehmer wieder geregelt arbeiten gehen. Für uns können wir sagen: Wir verfügen über ausreichend Eigenmittel und Stabilität, um die Herausforderungen gemeinsam mit unseren Kunden zu meistern.

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