Der Vegan-Boom: Leben ohne Käse, Wurst und Schokolade

VG Saarburg. Vegan ist derzeit in aller Munde: Egal ob man in Kochzeitschriften blättert, in Buchhandlungen unterwegs ist oder sich Kochshows im Fernsehen anschaut - der Verzicht auf tierische Produkte scheint sich zu einem neuen Trend zu entwickeln, der immer mehr Anhänger findet. Aber was genau bedeutet es eigentlich, sich vegan zu ernähren und ist die rein pflanzliche Lebensweise wirklich so gesund? Der WochenSpiegel ist den Fragen nachgegangen und wagt den Selbstversuch.

Kein Käse, keine Milch, keine Eier: Im Gegensatz zu Vegetariern, die kein Fleisch und keinen Fisch essen, verzichten Veganer auf alle tierischen Produkte. Sie ernähren sich rein pflanzlich. Anstelle von Kuhmilch kommt bei ihnen beispielsweise Soja- oder Reismilch auf den Tisch. Anstatt Steak gibt es Tofu oder Sojaschnitzel. Die Gründe warum Menschen sich für eine vegane Lebensweise entscheiden, sind unterschiedlich. Einige machen es aus gesundheitlichen Gründen, wieder andere machen es aus moralisch-ethischer Überzeugung.

Bei Nina Eltges waren es beide Aspekte. Die 34-Jährige aus der Eifel ist seit 1,5 Jahren Veganerin. "Ausschlaggebend war für mich in erster Linie meine Gesundheit. Meiner Entscheidung ging ein langer Leidensweg voraus. Mit der 'normalen' Ernährung ging es mir viele Jahre nicht gut. Irgendwann fing ich an, mich intensiv mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen", erzählt Eltges, die vorher unter anderem starke Gelenkschmerzen hatte. "Ich begann sämtliche Bücher und Berichte über Ernährung ? insbesondere über tierfreie Kost -  zu lesen. Schnell kam dann auch für mich der Aspekt Tierschutz dazu. Wenn man weiß, wie die Tiere ausgebeutet werden und die Umwelt und die Gesundheit unter dem Verzehr von tierischen Produkten leidet, entscheidet man sich automatisch für den Veganismus", sagt sie.

Hauptproblem ist ausreichende Eiweißversorgung

Laut Vegetarier-Bund (VEBU) leben momentan rund 800.000 Veganer in Deutschland (Stand: Dezember 2013). Die Tendenz ist steigend und das ist interessant, denn noch vor ein paar Jahren galten Veganer als "exotisch". Veganismus wurde mit einer verzichtreichen Mangelernährung gleichgesetzt ? was so nicht stimmt. "Nach Ansicht der meisten Ernährungswissenschaftler ist die vegane Ernährung durchaus gesund und bedarfsgerecht. Ein wissenschaftlicher Beweis dafür fehlt allerdings noch. Vergleichende Studien zur Gesundheit von Veganern und Fleischessern gibt es wenige. Bei fehlerhafter Auswahl der Nahrungsmittel kann es aber zu Mangelzuständen im Bereich von Kalorien, Vitaminen, Mineralstoffen oder Eiweiß kommen", erklärt Marie-Louise Conen, Referentin für Gesundheitsförderung der IKK Südwest. "Das Hauptproblem eines Veganers ist eine ausreichende Eiweißversorgung, das gilt besonders für Kinder. Tierisches Eiweiß ist biologisch vollwertiger als pflanzliches Eiweiß. Durch Kombinationen der verschiedenen pflanzlichen Eiweiße wie Hülsenfrüchte, Getreide, Soja und vor allem Nüsse kann der Bedarf jedoch gedeckt werden." Problematisch kann bei Veganern auch die Vitamin-B-12-Versorung werden, da dieses nur in tierischen Produkten vorkommt. B-12 ist aber wichtig für die Bildung der roten Blutkörperchen und die Funktion des Nervengewebes. Ein Nahrungsergänzungsmittel kann hier sinnvoll sein.

Vegane Ernährung bringt viele Vorteile

Die vegane Lebensweise bietet aber auch zahlreiche Vorteile. "Generell ist diese Ernährungsform fett- und cholesterinarm, was zu besseren Blutfettwerten führt. Die reichlichen Ballaststoffe in Pflanzenfasern beugen Magen-Darm-Erkrankungen vor und stärken außerdem das Immunsystem, indem die Darmflora gefördert wird", erklärt Marie-Luise Conen. "Sehr häufig berichten Veganer nach der Ernährungsumstellung von einer allgemeinen Verbesserung allergischer Erkrankungen oder erzählen von positiven Effekten bei Hauterkrankungen, wie beispielsweise  Neurodermitis."

"Ich fühle mich fitter, vitaler und gesünder."

Ähnlich war es auch bei Nina Eltges. "Alle Beschwerden die ich ernährungsbedingt über Jahre hatte, sind verschwunden. Ich fühle mich fitter, vitaler und gesünder. Auch Menschen, die mich längere Zeit nicht gesehen haben, sprechen mich auf meine wohl veränderte Ausstrahlung an. Im Zuge meiner Ernährungsumstellung habe ich auch aufgehört zu rauchen und treibe regelmäßig Sport. Das alles fühlt sich sehr gut an", sagt die 34-jährige Restauratorin. Sie schätzt an der veganen Ernährung besonders die Vielseitigkeit und die große Auswahl an veganen Produkten. Das Gefühl auf irgendwas verzichten zu müssen, hat Nina Eltges nicht.

Viele vegane Alternativen

Mittlerweile gibt es für sämtliche tierischen Produkte auch eine vegane Alternative: Veganer Käse, vegane Wurst, veganer Brotaufstrich, vegane Schokolade. Die Nachfrage nach rein pflanzlichen Lebensmitteln wächst. Verschiedene Branchen haben den Trend erkannt und bieten eine immer größere Auswahl an Produkte an. Neben Bioläden und Reformhäusern haben mittlerweile auch zahlreiche Supermärkte ein breites Spektrum an veganen Produkten in ihrem Sortiment. Positiver Nebeneffekt: Durch den frischen Einkauf ohne Fleisch, Wurst und Milchprodukte lässt sich Geld sparen.

Auch Kleidung und Kosmetik sind nicht tierfrei

Vegan leben hört beim Thema Ernährung nicht auf. Viele Veganer achten auch bei Kosmetik und Kleidung darauf, dass die Produkte keine tierischen Bestandteile enthalten oder an Tieren getestet worden. Gerade bei der Kosmetik ist das nicht immer unbedingt einfach, denn viele Produkte enthalten tierische Bestandteile. Vegane Siegel können hier bei der Orientierung helfen. Ähnlich wie die Kosmetikprodukte enthalten auch viele Lebensmittel, bei denen man es auf den ersten Blick nicht unbedingt vermuten würde, tierische Bestandteile ? wie Chips- und Bier (nähres dazu lesen Sie demnächst im Rahmen unseres Selbstversuches). Wer sich entschließt vegan zu leben, sollte sich im Vorfeld intensiv mit dieser Ernährungsform auseinander setzen und sich von einem Arzt oder Ernährungsexperten beraten lassen. Auch verschiedene Seiten im Internet sind hilfreich und geben Auskunft über unerwünschte Bestandteile im Essen.

Eine Woche lang Veganer sein

Für viele "Fleischesser" ist die Vorstellung auf ihr Steak und ihren morgendlichen Milchkaffee verzichten zu müssen unvorstellbar. Aber muss man wirklich auf etwas verzichten, wenn man sich entschließt vegan zu leben? Unsere Mediaberaterin Ingrid Porten und unsere Volontärin Svenja Pees machen den Selbstversuch und leben eine Woche lang vegan. In einem Online-Tagebuch berichten die beiden von ihrem Experiment. Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Thema! Nutzen Sie die Kommentarfunktion im Internet oder kontaktieren Sie uns bei Facebook.

 

Nützliche Links

Unterschiedliche Seiten im Internet geben einen Überblick über die vegane Lebensweise oder informieren, worauf man als Veganer achten sollte. Basisinformationen zum veganen Leben vermitteln unter anderem der Deutsche VEBU oder die Vegane Gesellschaft. Wer sich vor Ort über die vegane Ernährung informieren möchte und/oder Unterstützung braucht, kann bei der VEBU-Regionalgruppe Trier-Saarburg nachschauen.

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