Die Welt abseits der Krise

Kreis Bernkastel-Wittlich. Corona beherrscht die Schlagzeilen. Doch welche Themen sind zur Zeit eigentlich noch wichtig?

Die Pandemie ist das Dauerthema der Gesellschaft – zurecht. Doch täglich gibt es andere, wichtige Nachrichten, die im Moment weniger im Fokus stehen als gewohnt.
So ist die Debatte um das Wittlicher Vitelliusbad zum Erliegen gekommen. Noch im März veröffentlichte die Stadt Wittlich eine Liste der Reparaturkosten für die Fliesenarbeiten der letzten zehn Jahre. Vor der Krise gab es etliche Versuche, das Freibad zu erhalten und die Informationen boten immer wieder Diskussionsstoff. Jetzt, in der Krise, bleibt es still. Für Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadt Wittlich, ist das keine Überraschung: Gremiensitzungen dürften nur in Ausnahmefällen stattfinden und ohne diese lägen weitere Gespräche auf Eis. »Gerade beim Thema ‚Vitelliusbad‘ besteht ein gesteigertes öffentliches Interesse. Diesem Informationsbedürfnis möchte die Stadtverwaltung so umfassend wie irgend möglich nachkommen«, erklärt er. Die Versammlungsbeschränkungen ließen jedoch eine öffentliche Infoveranstaltung nicht zu.


Gesteigertes Interesse war vor der Krise auch bei der Aushebung eines kriminellen Netzwerkes in Traben-Trarbach bemerkbar. Im September 2019 wurde dort ein »Cyberbunker« von der Polizei hochgenommen – eine der wichtigsten Darknet-Schaltstellen in Deutschland für kriminelle Geschäfte mit illegalen Betäubungsmitteln, gefälschten Dokumenten, Waffen, Kinderpornografie etc. Nun gibt es neue Entwicklungen: die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz erhob am 7. April Anklage gegen acht Tatverdächtige. Ein Termin für die Hauptverhandlung steht noch nicht fest.

Nicht nur der Mensch leidet  an einem Virus

Eine Entscheidung hingegen gibt es bei der Frage nach der Erweiterung des Industrieparks Region Trier. Nach jahrelanger Beratung hat der Gemeinderat Hetzerath Anfang Mai mehrheitlich für die Erweiterung des Industrieparks gestimmt. Bedenken gab es seitens der Anwohner wegen des steigenden Verkehrs, sowie eventueller Lärmbelastung. Daher hat die Gemeinde der Erweiterung nur unter vereinbarten Bedingungen zugestimmt.
Ein Beschluss gefasst wurde auch im Bitburger Stadtrat: die Einrichtung eines Jugendparlaments. Geplant war dieses schon länger und seit Mitte März werden die Pläne nun immer konkreter. Während der Krise wird die Umsetzung des Projekts zwar erschwert, Kinder und Jugendliche werden allerdings zukünftig mehr Chancen haben, sich in politische Entscheidungen einzubringen und die Arbeit der Kommunalpolitik kennenzulernen.
Nicht alles in Bitburg läuft so glatt: kürzlich wurde bekannt, dass die geplante Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende auf dem Bitburger Flugplatz vorerst nicht am 1. Juli wiedereröffnen soll. Das Integrationsministerium Rheinland-Pfalz teilt aber mit, dass es die Pläne möglichst noch in diesem Jahr umsetzen wolle.


In der Zwischenzeit zeichnet sich auch im Vogelreich eine Krise ab: Blaumeisen und andere Singvögel leiden seit Wochen an einer mysteriösen Krankheit. »Erste Fälle wurden uns bereits Mitte März aus Rheinhessen in Rheinland-Pfalz gemeldet«, so Nabu-Vogelschutzexperte Marius Adrion. Tausende Vögel sind bereits daran gestorben – besonders häufig auch in der Eifel. Schuld an dem Massensterben ist nach ersten Untersuchungen das Bakterium »Suttonella ornithocola«. Der Naturschutzbund ruft zur Meldung kranker Vögel und gesteigerter Aufmerksamkeit an Futterstellen auf.
Nicht nur hier sollten die Bürger genauer hinschauen. Auch bei überregionalen Themen lohnt sich ein kritischer Blick. Denn: Einige Entwicklungen betreffen auch die Region.

Rundfunkgebühren sorgen für Ärger

So haben beispielsweise in der gleichen Woche, in der die ersten Corona-Maßnahmen durchgesetzt wurden, die Ministerpräsidenten der Bundesländer einer Erhöhung der Rundfunkgebühren um 86 Cent ab 2021 zugestimmt. Politiker verschiedener Fraktionen fordern aktuell, die Erhöhung zu verschieben. Begründet wird das mit der finanziellen Mehrbelastung der Bürger durch die Krise.
Politischen Zündstoff gibt es auch aufgrund der neuen, strengeren Straßenverkehrsordnung (StVO), die seit dem 28. April greift. Politiker fordern, dass die Beschlüsse rückgängig gemacht werden. Sie sehen die Strafen als unverhältnismäßig an.
Ein Blick über die Ländergrenzen hinaus zeigt auch, dass Themen wie beispielsweise die Verbreitung der Afrikanischen Schweinepest nicht unbeachtet bleiben sollten. Seit Monaten breitet sie sich weltweit aus und sorgt für ein Massentiersterben. Bis die Corona-Krise vollständig überstanden ist, wird es noch dauern. Die Welt bleibt unterdessen aber nicht stehen. Ein Blick auf andere regionale und überregionale Nachrichten lohnt sich daher.

(ju)

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