FSV Salmrohr gegen VfL Bochum: Ein Dorf im DFB-Pokal-Fieber

Salmrohr.  Sein Wort hat Gewicht beim FSV Salmrohr: Matthias Hoffmann-Emden ist das dienstälteste Mitglied des Klubs, der am Sonntag, 9. August, 14.30 Uhr, nach 13-jähriger Abstinenz erstmals wieder im DFB-Pokal-Einsatz ist und dann im Salmtalstadion den Zweitligisten VfL Bochum empfängt. "Wenn wir 1:0 führen, können wir die Sensation packen", sagte Hoffmann-Emden, der am 9. September 85 Jahre alt wird, am Dienstag Abend am Rande des Salmrohrer Trainings. "Dazu müssen wir laufen, kämpfen, die Zuschauer mitnehmen, über uns hinauswachsen - und natürlich auch auf einen schlechten Tag der Bochumer hoffen", weiß FSV-Akteur Lars Schäfer. "Hinten sicher stehen und vorne auf unsere schnellen Leute hoffen", lautet die Devise seines Teamkollegen Timo Heinz. "Das wird ein Highlight-Spiel. Wir freuen uns riesig auf das Spiel gegen Bochum", betonen beide. Erst langsam will sich das Pokalfieber bei Salmrohrs Trainer Paul Linz breit machen.

"Das 1:3 in Jägersburg ist bei mir noch im Kopf. Da haben wir einiges vermissen lassen", ließ der 59-jährige Fußballlehrer in der eigens fürs Pokalspiel einberufenen Pressekonferenz im Rückblick auf die Oberliga-Auftaktpleite am Samstag zuvor durchblicken. "So, wie Jägersburg gespielt hat, müssen auch wir gegen Bochum spielen: Aggressiv, kompakt und mit viel Begeisterung." Bochum, so Linz, sei nun "genau der richtige Gegner, um sich zu beweisen und es deutlich besser zu machen". Seinen "Plan, wie wir den VfL ärgern können", habe er schon. Nur das Personal dazu steht noch nicht: Seine Schützlinge haben noch in den Trainingseinheiten am Donnerstag, Freitag und Samstag Gelegenheit, sich für die Startelf zu empfehlen. "Jeder hat Angst, nicht zu spielen. Deshalb geben alle Gas", merkt Linz durchaus zufrieden an. Ein Fragezeichen steht noch hinter Ricardo Couto-Pinto (Bänderanriss im Knöchel).

Linz: Respekt, aber keine Angst vor dem VfL

Das Team seines Kollegen Gertjan Verbeek beobachtete Linz beim Auftakt-1:0 in Paderborn persönlich und ist natürlich auch bestens über das jüngste 3:0 des Ex-Bundesligisten über den MSV Duisburg informiert. Vor dem Traumstart hat Linz Respekt, sagt aber auch: "In Paderborn war es ein offenes Spiel und gegen Duisburg haben sie sich bis zum 1:0 schwer getan." Unbestritten sind für den FSV-Coach aber auch die Qualitäten: "Wenn man sie spielen lässt und sie Platz haben, wird es sehr schwer..." Trotz drei Klassen Unterschied ist der erfahrene Coach ein gutes Stück weit davon entfernt, nur auf eine möglichst knappe Niederlage zu hoffen: "Eine Chance hat man immer." So, wie in der Saison 1992/93, als mit dem Bochumer Lokalrivalen SG Wattenscheid 09 ein Bundesligist sein Pokal-Gastspiel im Salmtalstadion gegeben hatte - und mit 0:2 unterlag.

Pokalerinnerungen werden wach

"Insgesamt ist es schon unser 17. Spiel im DFB-Pokal", berichtet Ehrenpräsident Peter Rauen mit Stolz. 1977 ging es mit einem Auswärtsspiel beim damaligen Zweitligisten Bayer 04 Leverkusen los, der FSV unterlag mit 0:5 am Rhein, das automatische Heimrecht für Amateurvertreter wurde erst später eingeführt. Auch Werder Bremen (gewann 3:0 zu Beginn der Saison 1981/82 in Salmrohr) und Borussia Dortmund (knapper 1:0-Sieg in der 1987/88er Runde) trugen schon Pflichtspieleinsätze im Salmtalstadion aus. Zuletzt war der VfL Wolfsburg mit dem seinerzeit gerade erst verpflichteten Topstar Stefan Effenberg im DFB-Pokal der FSV-Gegner. 3500 Zuschauer sahen am 1. September 2002 ein 2:0 der Niedersachsen. Diesmal hoffen sie in Salmrohr auf eine ähnliche Kulisse, zumal im Vorverkauf alleine 1100 Tickets im Bochumer Umfeld abgesetzt wurden.

 

"Es gibt noch genügend Karten und wir haben es organisiert, dass die Zuschauer in direkter Nähe zum Stadion parken können", so Peter Rauen. Landwirte präparieren eigens dafür ihre Wiesen und Felder, die Freiwillige Feuerwehr regelt den Verkehr. Insgesamt 32 Ordner sind im Einsatz. "Unsere Leute im Dorf ziehen alle an einem Strang. Es ist schön zu wissen, dass wir auf so viele Ehrenamtler zählen können, wenn es drauf ankommt", lobt Rauen.

Hohe Einnahmen, aber auch viele Vorgaben

Rund ums DFB-Pokalmatch, das von Sky live übertragen wird und dem FSV mit 130.000 Euro Antrittsprämie einen warmen Geldregen beschert, sind allerhand Sicherheits- und Organisationsvorgaben des Deutschen Fußball-Bundes, der eigens dafür einen Matchdelegierten abstellt, zu befolgen. Ein hoher vierstelliger Euro-Betrag entsteht durch diverse Vorgaben, wie etwa die Anschaffung von Stromaggregaten. Mindern kann das aber die Vorfreude auf den ersten Einsatz im DFB-Pokal nach knapp 13 Jahren und die Rückkehr auf die nationale Fußball-Bühne aber (natürlich) nicht. Nicht nur Ehrenmitglied Hoffmann-Emden sehnt "einen richtig tollen Fußballtag, wie wir ihn früher so oft in Pokal oder Meisterschaft erlebt haben" herbei.... AA

 

Bilderstrecke aus dem Salmtalstadion im Vorfeld des DFB-Pokalspiels. Edelfan Matthias Hoffmann-Emden im Fachgespräch mit Trainer Paul Linz, ein Kamerateam von SAT1 im Einsatz, das Team nach dem Training und die Pressekonferenz mit den FSV-Verantwortlichen. Fotos: Andreas Arens Sehen Sie ein Videostatement von Trainer Paul Linz unter www.facebook.com/wochenspiegel.trier

 

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