Tierschutz mit Hindernissen

Altrich. Anke Zimmer ist unter anderem Vorsitzende des Fördervereins Eifeltierheim und setzt sich für das Wohl der Katzen ein. Im WochenSpiegel-Interview erzählt sie, wie die Zusammenarbeit mit den Verbandsgemeinden funktioniert und warum die Region unbedingt eine Kastrationspflicht braucht ...

WochenSpiegel: Wie sind Sie zum Tierschutz gekommen und wie lange setzen Sie sich bereits dafür ein?

Anke Zimmer: «Eine meiner Katzen wurde im Oktober 2000 von Tierfängern eingefangen. Es kam der Verdacht auf, weil an diesem Sonntag in den umliegenden Gemeinden unzählige Katzen verschwunden sind. Daraufhin habe ich mit einer Tierschützerin aus Daun, Swetlana Gabricevic, Kontakt aufgenommen. Es ergab sich dann, dass ich ihr bei einer Fangaktion  [Anm. d. Red.: zum Schutz der Tiere] in Salmtal geholfen habe. Und dann kam ein Auftrag nach dem anderern – seitdem bin ich für den Tierschutz ehrenamtlich tätig.«

Welche Position besetzen Sie und was gehört zu Ihren Aufgaben?

«Seit der Vereinsgründung des Fördervereins Eifeltierheim e.V. in 2005 habe ich den Vorsitz. Ansonsten mache ich alles mit den Behörden, Buchhaltung, Büroarbeiten, Fangaktionen Pflegestelle, Betreuung von Futterstellen u.v.m.«
Hat sich die Arbeit der Tierschützer gewandelt?  »Unser Verein ist seitdem immer gewachsen, das Tierheim kam dazu. Und somit auch mehr Arbeit. Seit diesem Jahr habe ich auch noch den Vorsitz vom Eifeltierheim-Altrich e.V. übernommen.«

Mit welchen Schwierigkeiten werden Sie bei der Tierschutzarbeit regelmäßig konfrontiert?

 »Leider sind die Leute oft nicht einsichtig, wenn man den Katzen helfen will. Es gibt immer noch genug Menschen, die sich der Tragweite einfach nicht bewusst sind und die Katzen und Kater einfach nicht kastrieren lassen.«

Wer unterstützt den Tierschutz besonders und von wem würden Sie sich mehr Unterstützung bzw. Hilfe wünschen? 

»Wir würden uns über die Einsicht vieler Verbandsgemeinden freuen, denen die Lage in den Ortschaften einfach nicht bewusst ist. Sie schauen darüber hinweg und wollen einfach nichts davon wissen. Es gibt schon einige Ortsbürgermeister, die sich bei uns melden, wenn es mal wieder eine Katzenplage gibt. Jedoch ist das leider die Ausnahme. Mit den Verbandsgemeinden Daun, Kelberg, Gerolstein-Hillesheim und Arzfeld haben wir inzwischen Verträge für die Aufnahme und Versorgung der Fundkatzen. Nur die VG Wittlich-Land zahlt an das Eifeltierheim eine jährliche Pauschale sowie die Stadt Wittlich einen ganz kleinen Zuschuss. Von den anderen Verbandsgemeinden sind bis jetzt nur Absagen eingegangen.«

In den letzten Jahren ist die Region von einer regelrechten »Katzenschwemme«  überrollt worden. Wie war das in diesem Jahr? Kann man vielleicht schon eine Prognose für die Folgejahre stellen?

  »Jedes Jahr ist anders. Im Frühjahr hatten wir ganz viele Anfrage für Katzenkinder, wegen Corona waren viele Leute daheim. Als die Katzenkinder dann da waren, (trotz den vielen Kastrationen, die wir jedes Jahr machen) war der Markt schon voll [Anm. d. Red.: viele Katzenkinder anderorts]. Wir hoffen immer, dass es im nächsten Jahr besser wird. Ich denke jedoch nicht, da sich unser Radius immer erweitert. Die Leute rufen uns aus weit entfernten Ortschaften an und bitten um Hilfe.«
Könnte eine Kastrationspflicht die Situation in der Region verbessern?
«Unbedingt. Nur eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht kann dem ganz Einhalt gebieten. Unsere Kollegin Sandra Wolf wohnt im Westerwald und hat mit ihrem Mann eine Internetseite erstellt. Unter www.Katzenschutzverordnung-rlp.de findet man wichtige Informationen.
Die Katzenschutzverordnung gibt es inzwischen in der Stadt Neuwied, in der VG Bad Hönningen und in der VG Puderbach.«

Welches war Ihr schönstes Erlebnis als Tierschützerin? Und was das schlimmste?

»Ich freue mich, wenn wir gerade älteren Menschen bei ihrem Katzenproblem helfen können. Oft wird nur gefüttert, ohne an die Folgen zu denken. Nur die Kastration kann helfen.
Schlimm ist, wenn die Leute einfach zu lange wegsehen, wenn eine Katze krank ist – ein offener Bruch, blutige Füße, Ohrenkrebs usw. Wir hatten vor kurzem eine Katze, da war das halbe Gesicht weggefault. Das arme Tier konnte man nur noch erlösen. Es ist immer die Angst da, dass es was kostet. Ich sage dann immer, bitte sofort melden. Dann kann man eventuell noch was machen.«

Fälle, in denen Tiere einfach ausgesetzt werden, kommen leider immer wieder vor, sicher auch in diesem Jahr. Warum glauben Sie, setzen Menschen ihre Tiere aus?

«Klar, auch dieses Jahr wurden wieder einige Katzen ausgesetzt, nur Flaschenkinder waren bis jetzt noch nicht dabei.
 Unwissenheit und Gleichgültigkeit sind wohl die Eigenschaften, die diese Leute an den Tag legen. Bestimmt sind auch einige verzweifelt oder haben finanzielle Probleme.«

Welche Botschaft geben Sie Tierhaltern mit auf den Weg?

»Sie sollen sich bitte vor der Anschaffung bewusst sein, dass hier auch Kosten auf sie zukommen können. Und bitte alle Katzen und Kater kastrieren und kennzeichnen lassen.«      

Hintergrund

  • Anke Zimmer ist 53 Jahre alt und wohnt in Gladbach.
  • Sie ist Vorsitzende des Fördervereins Eifeltierhein e. V. und des Eifeltierheim-Altrich e.V. 

(sas)/Interview: Sarah Stieren

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