Technologie: Eifel und Mosel als Zukunftsregion?

Künstliche Intelligenz, digitaler Wandel und Automatisierung

Wittlich. Der Fortschritt im technischen Bereich verändert das Arbeits- und Zusammenleben – auch in der Eifel und an der Mosel. Was wird die Zukunft bringen und was ist heute bereits möglich?

Digitalisierung, Automatisierung und Künstliche Intelligenz (KI). Fast jeder hat diese Begriffe schon einmal gehört und weiß: Sie sind Teil einer Entwicklung, die unsere Arbeits- und Lebenswelt ändern wird. Nicht nur das Wissenschaftsjahr 2019 stand schon unter dem Thema »Künstliche Intelligenz«, auch die Volkshochschule in Bernkastel-Kues bietet seit vergangenem Jahr eine Vortragsreihe darüber an: »Digitalisierung und KI werden nicht nur die Zukunft prägen, sondern gestalten jetzt schon unser Leben und Arbeiten um«, sagt Matthias Vollet, Geschäftsführer der Kueser Akademie. Eine der größten Interessen der Teilnehmer gelte dem Effekt auf den Arbeitsmarkt. Geprägt von Medien stellen manche sich vielleicht die Frage, ob eine KI uns schaden kann, der eigene Job sicher ist oder welches Studium man wählen sollte. Für Ersteres gibt es Entwarnung: Eine KI, die die Erde übernimmt ist (bisher) reine Fiktion. Unter der heutigen KI versteht man – vereinfacht gesagt – ein maschinelles Lernen. Wenn wir uns beispielsweise Filme bei einem Streamingdienst ansehen, nutzt ein Algorithmus diese Daten und lernt, was wir mögen. Es schlägt uns dann entsprechende Filme vor. Doch für den Fortschritt braucht es keine so intelligenten Maschinen. In der Eifel lassen sich Beispiele finden, die beweisen, dass neueste Technik auch ohne KI schon ganz normal ist.

Das neue Silicon Valley in der Eifel?

»Wittlich macht High-Tech für die Welt. Wir sind eine Zukunftsregion«, sagt Rudolf Preuß, Geschäftsführer von der Wittlicher Firma Arendar IT-Security GmbH – eine Tochterfirma von Arend Prozessautomation. Das Unternehmen ist in verschiedenen Bereichen aufgestellt. So entwickelt Arendar ein gleichnamiges, regional hergestelltes Gerät, dass – vereinfacht ausgedrückt – Produktionsmaschinen vor Schadsoftware schützt. Ein weiteres Tätigkeitsfeld ist die Programmierung von Maschinen, die simple Arbeitsabläufe in der Industrie ausführen. Und Arendar ist nicht der einzige Vertreter in dieser Branche: Prüm besitzt mit Tesla Grohmann ein High-Tech Unternehmen, welches automatisierte Anlagen für die Fahrzeugproduktion baut.
Die Sorge darüber, dass Maschinen Jobs »stehlen«, kennt man bei Arendar: »Uns wird die Arbeit aber nicht ausgehen«, meint Preuß. Zum einen dienten die Maschinen eher als Unterstützung des Arbeitnehmers, andererseits würden sich neue Berufsfelder eröffnen – nicht nur für Programmierer und Ingenieure, sondern z. B. auch für Elektriker. Dass nicht jeder Arbeitsplatz erhalten bleiben kann, ist unumgänglich. Den Weg trotzdem zu gehen, ist laut Preuß aber nötig: »Die Digitalisierung muss von uns mitgestaltet werden, denn verhindern lässt sie sich nicht. Aber so können wir Arbeitsplätze in der Region dennoch erhalten.« Sara Hengel (Kommunikation, Arendar) macht auch darauf aufmerksam, dass Firmen und Bildungseinrichtungen ihren Nachwuchs auf die Zukunft vorbereiten müssen. Die Angst vor einer Entlassungsflut durch die Automatisierung sieht auch sie als unbegründet.

Bedroht die Technik den regionalen Arbeitsmarkt?

Recht geben ihr die Zahlen der Arbeitsagentur der Region Trier. Hier erkennt man keinen Negativtrend für die Kreise Bernkastel-Wittlich und Bitburg-Prüm: »Der Arbeitsmarkt in der Region ist strukturell stark durch kleine und mittelständische Unternehmen geprägt. Für diese Betriebe sind Digitalisierung und Künstliche Intelligenz noch kein großes Thema, nicht zuletzt, weil zur Umrüstung erhebliche Investitionen nötig wären (Anschaffung neuer Maschinen)«, sagt Pressesprecherin Anke Emmerling. Kleine Unternehmen würden Zeit für Entwicklung brauchen. »Besonders im Handwerk, der Pflege und kleinen Lagerlogistikbetrieben wird noch wenig unternommen«, so Emmerling weiter.  Stefanie Adam, operative Geschäftsführerin der Arbeitsagentur, stellt jedoch fest, dass in Berufen, wie dem Fertigungsbereich, aber auch in der Organisation und Logistik »potenziell mehr als 50 Prozent der Tätigkeit durch Computer ersetzt werden könnten«. Auch hier gilt: Bildung muss in den Fokus rücken. 2019 wurde dazu das Qualifizierungschancengesetz eingeführt. Das soll u. a. Weiterbildungen im Umgang mit IT-Technologien ermöglichen.
Zu glauben, dass der digitale Ausbau nur Geringqualifizierte treffen wird, ist jedoch ein Trugschluss. Automatisierung und neue Software bilden nur einen Teil der Modernisierung. Die bereits erwähnte KI ist durchaus in der Lage, Krankheiten zu diagnostizieren oder Sprachen zu übersetzen. Wer weiß, vielleicht wird uns zukünftig kein menschlicher Arzt, sondern ein Computer sagen: »Freimachen, bitte!«

Das Leben im Jahr 2050?

Mit Gedankenspielen rund um die Zukunft beschäftigten sich auch die Autoren des Gutachtens »Stellungnahme zu den Auswirkungen künstlicher Systeme im Speziellen und der Digitalisierung im Allgemeinen auf das kommunale Leben in Rheinland-Pfalz 2050«, das im Auftrag der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz  verfasst wurde.
Technologischer Fortschritt soll sich den Wissenschaftlern zufolge künftig vor allem in der landwirtschaftlich geprägten Region ausbreiten. Künstliche Intelligenz kann dabei helfen, neue Flächen zu erschließen und effizienter zu nutzen. Gleichzeitig sollen autonom fahrende Maschinen die Arbeit in den Weinbergen und auf dem Feld erleichtern. Auch der bereits stark ausgeprägte Tourismussektor soll sich in der Region verändern: Testbesuche mittels virtueller Realität, autonome Fahrzeuge  und Roboter als Dienstleister sind nur einige der Zukunftsideen.

Viele Möglichkeiten für die Zukunft

Beim Mosel-Gäste-Zentrum Bernkastel-Kues gibt es schon erste Versuche: »Wir bieten unseren Besuchern seit einigen Jahren einen Stadtrundgang mit dem Audio Guide an – hier wird der Gast über eine digitale Stimme mittels Kopfhörer zu den Sehenswürdigkeiten geführt und über sie informiert. Diese individuelle Stadtführung kommt bei den Urlaubern gut an«, sagt Claus Conrad vom Presse- und Marketingbereich.
Die Studie zeichnet allerdings auch ein gegenteiliges Bild: Flucht vor Technik. So könnte es durchaus möglich sein, dass die zunehmende Digitalisierung den Wunsch nach technikfreiem Urlaub zur Entspannung immer mehr verstärkt. Statt selbstfahrenden Pkw und Roboter-Kellnern könnten sich Touristen in 30 Jahren also genau das wünschen, was für uns heute noch Normalität ist: Menschliche Interaktion und persönliche Bedienung.

Für alle Interessierten gibt es in der Kueser Akademie folgende Veranstaltung:

  • 16. April, 19 Uhr, Kueser Akademie Bernkastel-Kues: Podiumsdiskussion – »Angst, Erwartung, Euphorie: Wie informieren wir über Künstliche Intelligenz?« Eintritt frei.

(ju)

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