Pflegefamilien: Alltagshelden gesucht

Kreis Bitburg / Prüm. Wenn es in Familien kriselt oder andere schwerwiegende Schicksale über sie hereinbrechen, sind es oft die Kinder, die unter dieser Situation besonders leiden. Genau an diesem Punkt setzt der Pflegekinderdienst im Landkreis Bitburg-Prüm an, um betroffene Kinder aufzufangen.

 Manchmal können Eltern ihre Kinder nicht mehr ausreichend betreuen, versorgen und erziehen. Krisen, schwerwiegende Erkrankungen oder Unvermögen können die Ursache sein. Leider haben die Kinder oft keine Möglichkeit, in ihrem familiären oder sozialen Umfeld aufgefangen zu werden. In solchen Fällen wird der Pflegekinderdienst des Jugendamtes tätig. Gesucht werden fortwährend interessierte und aufgeschlossene Pflegeelternbewerber, die bereit sind, in einer Krisensituation oder auch dauerhaft die Versorgung von Kindern zu übernehmen.

Unterschiedliche Pflegemodelle

Dabei wird zwischen Bereitschafts- und Dauerpflege unterschieden. »Bei der Bereitschaft wird ein Kind nur für eine kurze Verweildauer in den Haushalt aufgenommen – diese ist der Idealfall – bis es eventuell wieder zurück nach Hause kann. Das ist beispielsweise der Fall, wenn Elternteile erkrankt sind oder sich aus den unterschiedlichsten Gründen auch vorübergehend nicht um das Kinder kümmern können«, erklärt Pflegekinderdienst-Mitarbeiterin Stefanie Weyandt.
»Bei der Dauerpflege bleibt das Kind in der Pflegefamilie bis es 18 Jahre ist, das ist die sogenannte Vollzeitpflege mit der Perspektive »Dauer«. Pflegeeltern sollten viel Zeit, Geduld und Einfühlungsvermögen für die Bedürfnisse eines Kindes mitbringen. Toleranz und Offenheit gegenüber der ganz individuellen Lebensgeschichte des Kindes und seiner Beziehung zu seinen leiblichen Eltern, Gelassenheit im Umgang mit möglicherweise ungewohnten Verhaltensweisen des Kindes sowie die Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Herkunftseltern und Jugendamt stellen wichtige Eigenschaften für das Gelingen eines Pflegeverhältnisses dar. Neben genügend Wohnraum sollten Pflegeeltern außerdem über gesicherte wirtschaftliche Verhältnisse verfügen sowie seelisch und körperlich belastbar sein. Auf diese Aufgabe werden Interessierte durch Gespräche und eine abschließende Schulung vom Pflegekinderdienst des Jugendamtes gut vorbereitet.

Corona hat die Situation verschärft

Nach der Vermittlung eines Kindes haben die Pflegeeltern weiterhin Anspruch auf Beratung und fachliche Unterstützung sowie Erfahrungsaustausch mit anderen Pflegeeltern im Rahmen von unterschiedlichen Veranstaltungen sowie regelmäßige Fortbildungen zu spezifischen Fachthemen. Eine intensive Schulung ist auch deswegen notwendig, weil sich die Nachfragefrequenz erhöht hat. »Der Bedarf an Pflegefamilien ist in den letzten Jahren schon angestiegen, da es auch vermehrt psychische Erkrankungen, unstabile und für Kinder ungünstige Aufwachsbedingungen gibt. Auch Corona hat den Bedarf an Pflegefamilien und hier auch insbesondere an Bereitschaftspflegefamilien steigen lassen, da viele Familiensystene in `Schieflage` geraten sind und es vermehrt (Klein-) Kinder gibt, deren Unversehrtheit und Wohl gefährdet ist«, berichtet Weyandt.

(jk/red)

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