Sind unsere Wälder noch zu retten?

Kreis Bitburg / Prüm. Nach dem dritten heißen Sommer in Folge leiden die Wälder mehr denn je unter Klima-Stress. Drastisches Bäume-Sterben und die Borkenkäferkatastrophe zeigen: Unser Wald ist extrem bedroht.

Als "Dürre-Jahr" wird das Jahr 2018 bezeichnet. 2019 sah es kaum besser aus. Und die Folgen der langanhaltenden Trockenheit sind auch 2020 überall im Wald sichtbar. Die Forstleute sind daher in großer Sorge. Bäume vertrocknen und fallen Schädlingen zum Opfer.

Klimaforscher Dr. Ulrich Matthes, Leiter des Klimawandelfolgenkompetenzzentrums Rheinland-Pfalz, stellt fest: "Auch dieses Jahr ist es viel zu trocken. Dazu kommt, dass die Wachstumsphase der Pflanzen, immer länger dauert, da die Winter im Schnitt um zwei Wochen kürzer geworden sind. Gleichzeitig steht ihnen aber immer weniger Wasser zum Wachsen zur Verfügung. Denn durch die steigenden Temperaturen verdunstet immer mehr Wasser. Das verursacht Trockenstress bei den Bäumen, sie werden anfälliger für Schädlingsbefall und Krankheiten oder verdursten schlichtweg. Seit Oktober 2018 fehlen im landesweiten Schnitt über 200 Liter Wasser pro Quadratmeter.

Auch der Eifelkreis ist betroffen

Die Lage hat sich in den letzten Wochen verschärft: auf rund 270 Liter pro Quadratmeter."Die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald sind dramatisch: Je länger die Dürre andauert, desto größer werden die Schäden. "Die klimawandelbedingte Waldkrise verursachte seit 2018 7,4 Millionen Festmeter Schadholz - allein dieses Jahr waren es bisher schon 2,3 Millionen notgeerntete Bäume", erklärt Forst- und Umweltministerin Ulrike Höfken angesichts der Situation in den Wäldern. Ende August fand dazu eine Landeskabinettsitzung statt. Das Land will Waldbesitzer weiter dabei unterstützen, den Wald zu erhalten. Im Nachtragshaushalt seien im März 46,2 Millionen Euro für den Landesbetrieb Landesforsten zur Verfügung gestellt worden. Die Landesregierung will auch das "Soforthilfeprogramm Borkenkäferschäden" erweitern.

Auch die Wälder im Eifelkreis sind von Schäden betroffen. "Die Auswirkungen der Trockenheit sind recht unterschiedlich. Bei den Fichten sind die Schäden etwas geringer als in den letzten beiden Jahren. Dafür sind die Probleme bei den Laubbäumen deutlicher als 2018 oder 2019. Derzeit verlieren schon zahlreiche Bäume ihre Blätter, z.B. Buchen oder Birken", so Martin Lotze vom Forstamt Bitburg. "Das Hauptproblem ist die Trockenheit. Daneben kommt es zum Befall durch Schädlinge und Krankheiten. Die Eschen leiden z.B. unter dem Eschentriebsterben, verursacht durch einen Pilz. Die Fichten werden vom Borkenkäfer befallen. Die geschwächten Bäume können sich dagegen nicht mehr ausreichend wehren."

Mischwälder schaffen Struktur und Schatten

Seit dem Dürresommer 2018 entstanden landesweit 15.000 Hektar, die wiederbewaldet werden müssen. Das kostet allein rund 75 Millionen Euro, davon sind bis Mitte dieses Jahres 25 Millionen Euro angefallen. Im Jahr 2018 wurden 460.000 junge Bäume gepflanzt, 2019 waren es 709.000. Gegen Verdunstung und Schädlingsdruck können die Forstleute zum Teil gegensteuern: Mit Mischwäldern aus verschiedenen Baumarten und mit unterschiedlich alten, also unterschiedlich großen Bäumen. In einem derart strukturreichen Wald herrschen kühlere Temperaturen, die Bäume spenden sich gegenseitig Schatten, haben aber dennoch Licht zum Wachsen. Zusätzlich pflanzen die Forstleute vor allem heimische Baumarten. Anders als flachwurzelnde Fichten kommen tiefwurzelnde Weißtannen besser mit Trockenheit zurecht. Sie haben lange Wurzeln und kommen so besser an tiefere Wasserschichten heran. Auch bei Stürmen geben ihnen die Wurzeln mehr Halt.

Beim Thema Mischwald geht es zusätzlich um eine möglichst große genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Baumarten. Geeignetes Saatgut kann man allerdings nicht jedes Jahr ernten - während die Bäume im ersten Dürrejahr 2018 noch enorm geblüht und fruktifiziert haben, sind sie im dritten Dürrejahr in Folge mancherorts recht geschwächt. Ein weiterer Vorteil von Mischwäldern: Unterschiedliche Baum­arten helfen gegen die starke Vermehrung von Schädlingen. Denn diese sind in der Regel auf eine Baumart spezialisiert. In einem Wald mit unterschiedlichen Arten geht ihnen dann schlichtweg der Brutraum und das Futter aus. Trotz aller Gegenmaßnahmen ist aber klar: Klimaschutz ist der beste Waldschutz. Hierzu kann jeder Bürger selbst seinen Beitrag leisten.

Extra

Vom 18. bis 20. September veranstaltet das Bundeslandwirtschaftsministerium unterstützt vom Deutschen Forstwirtschaftsrat die dritten Deutschen Waldtage. Ein Thema ist der "Wald im Klimastress". Dazu finden bundesweit Veranstaltungen in den Wäldern statt (www.Deutsche-Waldtage.de). So lädt im Eifelkreis zum Beispiel das Forstamt Bitburg am 19. September, 14 Uhr, zu einer Informationswanderung über die aktuelle Lage der Wälder im Wald in Badem ein. Eine weitere Wanderung zum Thema bietet das Forstamt Neuerburg am 20. September, 14 Uhr, im Holsthumer Wald an. Anmeldung und Infos zu den Wanderungen bei: martin.lotze@wald-rlp.de

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.