Arzfeld entwickelt sich mit neuer Mitte

Arzfeld. Rund 1400 Einwohner zählt die Ortsgemeinde Arzfeld. Staatlich anerkannter Fremdenverkehrsort, in der Landesplanung ausgewiesenes Grundzentrum… Arzfeld steht für ein gutes Leben auf dem Land.

Auf den ersten Blick hat es Arzfeld nicht leicht: "Städtebauliche Probleme" attestierte im Jahr 2018 das Atelier für Architektur im Rahmen einer Machbarkeitsstudie für eine neue Ortsmitte. Im Einzelnen wurde das Fehlen von nennenswerten Einzelhandels- und Dienstleistungsbetrieben im Ortskern festgestellt, damit einher geht eine fehlende Verdichtung und fehlende Raumkanten sowie "verschwommene, kaum erkennbare städtebauliche Strukturen".

Im Gegenzug gibt es etliche Gebäude mit Sanierungsbedarf und Bedarf an zusätzlichem Wohnraum. Kurzum: Es gibt kein Gefühl von Stadt und Urbanität, wie auch der Zukunftscheck Dorf des ISU-Instituts (Immissionsschutz, Städtebau, Umweltplanung) zeigte. Doch das soll sich ein Stück weit ändern. Dem Gemeinderat wurde eine neue Bebauungsplanung vorgelegt, die den Titel "Arzfelder Mitte" trägt. Das Projekt ist nun auf dem Weg und wird in der Umsetzung gefördert aus dem vom rheinland-pfälzischen Innenministerium aufgelegten Landesprogramm "Ländliche Zentren". Das hat ehrgeizige Ziele, nämlich "städtebauliche Maßnahmen in Städten und Gemeinden in dünn besiedelten, ländlichen, von Abwanderung bedrohten oder vom demographischen Wandel betroffenen Räumen, die als Ankerpunkte der Daseinsvorsorge beziehungsweise in ihrer zentralörtlichen Funktion für die Zukunft handlungsfähig gemacht werden sollen". Arzfelds neue Mitte ist also ein handfester Beitrag, um dem Ausbluten des ländlichen Raums entgegenzuwirken.

Mitte 2020geht es los

Der Bebauungsplan wird im Frühjahr 2020 Rechtskraft erlangen, wie Ortsbürgermeister Walter Heinisch erläutert. Und im Sommer oder Herbst geht es dann an die Verwirklichung des Vorhabens. Die in der Studie genannten Gebäude mit erheblichem Sanierungsbedarf im Ortskern sind bereits in den Besitz der Gemeinde übergegangen und werden abgerissen. "Wir stellen den zukünftigen Investoren baureife Grundstücke zur Verfügung", verspricht Heinisch. Hierfür werden die öffentlichen Gelder verwendet. Drei Viertel kommen aus Fördertöpfen, ein Viertel trägt die Gemeinde selbst. "Die neue Mitte ist es uns wert."

Neues Haus für die Gemeinschaft

Nicht nur ein neues Dorfgemeinschaftshaus wird es geben, sondern im westlichen Bereich des entstehenden, räumlich fest definierten und eingefassten Platzes auch neuer Raum für Wohnen und Gewerbe. Gastronomie, die angesiedelt wird, ist dann das Bindeglied zwischen dem Platz und dem Dorfgemeinschaftshaus, welches zur Luxemburger Straße hin eine dichte Front bildet. Der Höhenunterschied zwischen Hauptstraße und Luxemburger Straße wird nivelliert, auch soll die Hauptstraße im Bereich der neuen Ortsmitte verkehrsberuhigt werden. Architektonische Sichtbezüge zu bestehenden ortsbildbestimmenden Gebäuden wie der Kirche und dem Kölner Hof werden geschaffen.

Die Arzfelder können sich also darauf einrichten, in ihrer Mitte künftig mehr Lebendigkeit zu haben. Investoren mit konkretem Interesse sind bereits da, wollen jedoch nicht genannt werden. "Wir wollen im Erdgeschoss gern Drogerie, Optiker oder Gastronomie ansiedeln", sagt Heinisch, "auch Büro- oder Kanzleiräume etwa für einen Rechtsanwalt oder andere Dienstleister sind eingeplant"

.Möglicherweise ziehen auch Bäcker und Metzger, die bislang nicht im Ortskern vertreten sind, in die Mitte um und machen sich so noch fitter für die Zukunft. "Eine Konkurrenz zu unserem bestehenden Gewerbe soll es nicht geben", versichert der Bürgermeister.

22 neue, barrierefreie Wohnungen

Zudem entstehen 22 Wohneinheiten von sechzig bis hundertzehn Quadratmeter, geeignet für Familien ebenso wie für Alleinstehende und Ältere. Barrierefrei wird es, wenngleich kein gemeinschaftliches oder betreutes Wohnen. "Das wird später noch an einem anderen Standort kommen", so Heinisch. Mit Bürgerbus, künftigem Zweistundentakt im ÖPNV nach Prüm und Gerolstein oder Neuerburg und Bitburg ist die Mobilität gewährleistet. LTE-Standard und Glasfaser existieren bereits an mehreren Punkten im Ort und werden weiter ausgebaut. Kostenlos gibt es die neue ländliche Lebensqualität natürlich nicht. Der Bau des neuen Dorfgemeinschaftshauses ist mit 3,2 Millionen Euro veranschlagt, Gewerbe und Wohnen sollen um die drei Millionen Euro kosten.

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