Raiffeisenbank will neue Geschäftsfelder erschließen

Arzfeld. Immobilien und regenerative Energien rücken in den Fokus - Digitalisierung bleibt Hauptthema.

Trotz schwächelnder Konjunktur blickt die Raiffeisenbank Westeifel eG Bank (Raiba) auf ein gutes Geschäftsjahr 2020 zurück. Bei der Bilanzpressekonferenz zieht Vorstand Klaus Peters ein sehr zufriedenes Fazit: "Die Bank ist deutlich gewachsen, das ist an der Bilanzsumme zu sehen, die ganz scharf an der 500 Millionen vorbeigeschrabbt ist." Genauer gesagt: Die Bilanzsumme wuchs von 459 auf 497 Millionen Euro, das ist eine Steigerung um rund 8,3 Prozent.

Das Volumen bei den Kundenkrediten stieg von 378,6 Millionen Euro (Jahr 2019) auf 404,4 Millionen Euro, die Kundeneinlagen wuchsen von 481 auf 521,8 Millionen Euro (9,6 Prozent). Das Wachstum des Kreditvolumens mit 9,1 Prozent habe ihre Erwartungen deutlich übertroffen, legt Peters dar. 2019 hat eben noch niemand mir der Corona-Pandemie gerechnet. Mehr als 5 Millionen Euro hat die Bank an Corona-Sonderkrediten herausgegeben.

Auch die Zahl der Mitglieder wuchs wieder: Die Raiffeisenbank Westeifel begrüßte im abgelaufenen Geschäftsjahr 291 neue Mitglieder, verlor allerdings auch 151 Mitglieder, macht unter dem Strich 140 Neuzugänge. Insgesamt hat die Genossenschaftsbank jetzt beinahe 11.000 Mitglieder. Bemerkenswert sei, dass fast die Hälfte der Kunden auch Mitglieder seien, stellt Peters heraus. Die 151 Austritte seien nicht als Reaktion auf die Filialschließungen in Waxweiler und Daleiden zu verstehen, erläutert der Vorstand auf Nachfrage. Der Gedanke liegt nah, da wütende Kunden im vergangenen Jahr bei Protesten damit gedroht hatten, der Bank den Rücken zu kehren. Dies sei in nur sehr geringer Zahl geschehen, sagt der Vorstand und erklärt den Verlust von Mitgliedern mit dem demografischen Wandel, genauer gesagt mit Todesfällen.

Die Entscheidung die beiden Filialen zu schließen, habe sich als richtig herausgestellt, betont Vorstand Mark Kaffenberger. Die Nachfrage nach digitaler Beratung und Erreichbarkeit steige. Der Ausbruch der Pandemie habe das Kundenverhalten noch stärker in Richtung kontaktloses Banking verändert. "Die Kunden nehmen das digitale Banking sehr gut an", berichtet Kaffenberger und fügt hinzu, dass sich auch ältere Menschen verstärkt damit auseinandersetzen. Geldautomaten würden zunehmend weniger genutzt, dafür die digitalen Zahlungsmethoden immer mehr. Und sein Kollege Peters ist sich sicher: "Das klassische Geschäftsmodell wird nicht mehr funktionieren."

Die Raiba habe nicht vor, weitere Filialen zu schließen, versichern die Vorstände, aber der Weg der Bank geht eindeutig in Richtung Ausbau der Digitalisierung. Im April soll es eine neue Banking-App geben und die Kommunikation über Soziale Medien wird weiterentwickelt, um nur zwei Maßnahmen zu nennen.

Auch die Tochtergesellschaft, die Raiffeisen Waren GmbH Westeifel, verzeichnete in 2020 Wachstum. "Wir blicken auf ein sehr gutes Ergebnis", so Peters. Der Gesamtumsatz stieg um 2,2 Millionen Euro auf 49 Millionen Euro. Schwerpunkte waren wieder Energie und Baustoffe.

Gründung einer weiteren Tochtergesellschaft

Für die Zukunft ist die Gründung einer weiteren Tochtergesellschaft geplant. Im Vordergrund stehen hier Aktivitäten auf dem Immobiliensektor und im Bereich regenerativer Energien. Was mögliche weitere Veränderungen angeht, stellte Peters klar, dass es derzeit keine Gespräche über Fusionen gebe. Für die Zukunft schloss er sie jedoch nicht aus: "Wir werden uns der Thematik regelmäßig mit Reflexionen stellen."

Als Herausforderungen sieht der Vorstand die steigende Regulatorik, sinkende Zinserträge und die Schwierigkeit, qualifiziertes Personal zu finden. Um ihnen zu begegnen, will die Bank in Zukunftswerkstätten Ideen erarbeiten. In diese Richtung zielt das Innovation Lab, das sie in Waxweiler einrichten will. Ausgestattet mit modernster Technik, werden hier fernab vom Joballtag Gedanken ausgearbeitet. Die Tür stehe auch externen Nutzern wie Schulen und Unternehmen offen, erläutert der Vorstand.

"Wir wollen die Nähe zu unseren Kunden", das sei das zentrale Thema der Raiba, betont Peters. Um sich noch stärker in der Region zu etablieren, arbeitet die Bank an einem "Regionalen Ökosystem", in dessen Namen sie sich als Netzwerker in die Gesellschaft einbringen und möglichst viel Service anbieten will. "Denkbar wäre die Gesundheitsversorgung als Geschäftsfeld zu entdecken", nennt Peters eine Idee.

Es gibt auch eine neue Personalie: Ab Oktober wird Manfred Heinisch neues Vorstandsmitglied. Er wird Nachfolger von Klaus Peters, der 2022 in den Ruhestand geht. Heinisch ist 40 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Seit 35 Jahren lebt er in Arzfeld und hat bei der Raiba gelernt. Zuletzt war der Bankkaufmann Prokurist und Leiter des Bereichs Firmenkunden. Derzeit ist er Assistent des Vorstands.

Sybille Schönhofen

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