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Flugplatz Bitburg: Zuversicht liegt in der Luft

Bitburg-Flugplatz. Die Umwandlung des Flugplatzes Bitburg vom Militärflugplatz der Amerikaner hin zu einem Gewerbestandort bietet Perspektiven für Unternehmen, birgt aber auch Herausforderungen.

Die Planer der Konversion in Bitburg haben es nicht leicht. Zuletzt hatte der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier ART wegen der kontaminierten Erde zunächst darauf verzichtet sein Grundstück als Müllumschlagplatz zu nutzen. Der WochenSpiegel hat mit Helmut Berscheid gesprochen, dem Verwaltungsleiter beim Zweckverband Flugplatz Bitburg, der mir der Konversion beauftragt ist.

Herr Berscheid, wegen der belasteten Böden gestaltet sich die Vermarktung der Grundstücke auf dem Bitburger Flugplatz schwierig. Wann sind Neuansiedlungen wieder möglich?

Wir gehen davon aus, dass die Vermarktung bald weitergehen kann. Damit schaffen wir Arbeitsplätze, stärken unsere Wirtschaftsstruktur und vermindern durch die Versiegelung von Flächen auch die Versickerung von Oberflächenwasser.

Der Boden des Flugplatzes ist mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC/PFT) belastet. Wie wird das Umweltproblem behoben?

Derzeit wird im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben ein Sanierungskonzept erarbeitet. Die Idee ist, ein abgedichtetes Landschaftsbauwerk zu errichten, in dem kontaminierte Böden so zwischengelagert werden können, dass kein Schadstoffaustrag mehr erfolgt. Weiteres Ziel ist dann, Sanierungs- und Reinigungsverfahren für belastete Böden zu entwickeln und zu testen.

Wann wird der belastete Boden abgetragen und wo wird er gelagert?

Das geplante Landschaftsbauwerk soll an einem Hot-Spot der Belastung eingerichtet werden. Wo und in welchem Umfang Boden abgetragen wird, richtet sich nach dem Sanierungskonzept und nach der geplanten Nutzung der Flächen.

Die Amerikaner wollen sich 26 Jahre nach ihrem Abzug aus Bitburg wieder auf dem Flugplatz niederlassen. Was ist hier geplant?

Es handelt sich um ein Lager, in dem Maschinen und Einrichtungen für den Bau eines Not-Flugplatzes für den Einsatzfall vorgehalten werden.

Auf dem Gelände will das US-Militär Gefahrstoffe lagern. Schafft man sich damit nicht ein neues Umweltproblem?

Die Amerikaner planen eine Lagernutzung. Dazu gehören auch Betriebs- und sonstige Stoffe für Fahrzeuge und Einrichtungen. Die deutschen Bestimmungen und Standards für die Lagerung von wassergefährdenden Stoffen oder Gefahrstoffen sind von den US Streitkräften einzuhalten.

Wie steht der Zweckverband dazu, dass ein Teil des Flugplatzes dann wieder militärisches Sperrgebiet wird?

Die Entscheidung zur Flächenbereitstellung wird von den zuständigen Landes- und Bundesbehörden getroffen. Militärische Flächen unterliegen nicht mehr der kommunalen Planungshoheit. Dem Zweckverband steht also hinsichtlich dieser Flächen keine planerische Entscheidungskompetenz zu. Die von den Amerikanern geplante Art der Nutzung als Lager sehen wir als unkritisch an.

Wie viele Hektar Gelände stehen im Gewerbe-, Dienstleistungs- und Freizeitzentrum noch zum Verkauf?

Auf dem Flugplatz sind aktuell 175 Firmen oder Einrichtungen angesiedelt. Mit der geplanten Erweiterung des Gewerbegebietes auf das ehemalige Flugbetriebsareal stehen noch rund 150 Hektar Industrie- und Gewerbeflächen zur Verfügung.

Interview: Sybille Schönhofen

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Kommentar von WWR
Irgendwie bräuchte die Luftwaffe ja auch mal eine EIGENE Flugschule. In den USA wird man in Zukunft vielleicht gar nicht mehr schulen (lassen) wollen. Jedenfalls: Bei der Flottenstärke Typhoon plus Tornado-Nachfolger sollte man auch eine eigene Flugschule haben. Gruß, WWR
Kommentar von Dr. Agnes Tillmann-Steinbuß
Vielen Dank für den sachlichen Bericht.

Sehr problematisch ist die geplante Zwischenlagerung von stark kontaminierten Böden. Frankfurt Fraport plante ähnliches, der Landrat erstattete Strafanzeige.
Sehr problematisch sind Aussagen von Helmut Berscheid wie
„…Die von den Amerikanern geplante Art der Nutzung als Lager sehen wir als unkritisch an…“

Auch in Germersheim wurde und wird versucht, mit ähnlichen Beschwichtigungen ein immer größer werdendes Gefahrstoff-Lager der USA einzurichten.
Die aktuelle Landbeschaffung durch die US-Airforce in Bitburg (aktuell 23 Hektar) konterkariert die langjährigen Bemühungen um Schadstoff-Erfassung und Sanierung auf der ehemaligen Base. Ein sehr wertvolles großes Trinkwasserreservoir ist zunehmend in Gefahr.