Haus sucht Käufer: Abriss oder Kulturstätte?

Bitburg. Neue Ideen für das Dreiser-Haus: Archiv und Bibliothek für die Bitburger Mundart, Dependance des Heimatmuseums, Zuhause für den Bitburger Geschichtskreis... Wichtigste Voraussetzung für den Erhalt ist allerdings, einen Käufer für das marode Haus zu finden.

Das Gesicht ihrer Stadt ist den Menschen nicht gleichgültig. Das zeigen die Reaktionen auf unseren Bericht »Bange Blicke auf das Dreiser-Haus« in Bitburg vom 1. Februar. Darin ging es um die Frage nach der Zukunft  des Hauses, in dem die Heimatdichterin Gerda Dreiser (1906 – 1991) lebte und nach der die Stadt sogar eine Straße benannt hat.  Zahlreiche Menschen haben sich gegen den Abriss ausgesprochen und wünschen sich stattdessen eine Sanierung.

Großneffe meldet sich zu Wort

Einer, dem das am Herzen liegt, ist Sven Dreiser, der einen familiären Bezug zu dem so genannten »Dreiser-Haus« hat: »Als Großneffe von Gerda Dreiser kann ich nur zustimmen, dass eine Stadt auch von der Erinnerung lebt. Nicht nur die Erinnerung an eine Heimatschriftstellerin, die weit mehr als das war. Sondern auch die Erinnerung an eine Bitburger Steinmetzfamilie, die zum Beispiel das Bild des Alten Friedhofes durch die Verwendung von rotem Sandstein maßgeblich geprägt hat.«
Der Investor, der das Haus vor ca. zwei Jahren gekauft hat, wäre bereit, es für 150.000 Euro zu verkaufen. Gerda Dreisers in Bitburg geborener Großneffe, der nun als Pfarrer im Ruhestand in Rieden lebt, bedauert, dass er selbst nicht die Mittel hat, um das Haus zu erwerben. Aber er wolle sich für den Erhalt des Hauses stark machen. Er schlägt eine kulturelle Nutzung vor: »Als Archiv und Bibliothek für die Bitburger Mundart, als zweites Ausstellungshaus für das Heimatmuseum, als Zuhause für den Bitburger Geschichtskreis. Es gibt bestimmt noch mehr Ideen für eine gute, kulturelle Nutzung des Hauses.«
Der WochenSpiegel hat bei der Stadt nachgefragt, was sie von der Idee hält, das Haus zu diesem Zweck zu kaufen. »Das ist sicher ein charmanter Vorschlag, über den man durchaus diskutieren könnte«, lautet die Antwort des Pressesprechers.
Aus Sicht der Kreisverwaltung ist das Haus »absolut erhaltenswert«, das sagt auch die Landesdenkmalpflege. Beide Denkmalbehörden haben das Haus gemeinsam unter die Lupe genommen, sind aber zu dem Schluss gekommen, »dass das Gebäude nicht die notwendige Qualität besitzt, um als Kulturdenkmal eingestuft zu werden«. Als Begründung heißt es, dass der bauliche Zierrat wie Sockelzone und Gurtgesimse nur an der Straßenfront vorhanden sei, Eingangstreppe und -tür seien stark verändert worden, die Dachgaube sei zu groß und jüngere Anbauten fügten sich nicht ins Gesamtbild ein.

Erheblicher Sanierungsbedarf

Aus der Kreisverwaltung dringt dennoch die Hoffnung, dass das Haus erhalten wird: »Besonders wenn man den großen Verlust an historischer Bausubstanz durch den Krieg und die jüngeren Abbrüche historischer Gebäude durch aktuelle Bauvorhaben betrachtet, sollte der Erhalt des Gebäudes bei der Entwicklung dieses Straßenabschnittes berücksichtigt werden«, gibt der Pressesprecher weiter.    
Eine Leserin bemerkt dazu kritisch, dass sich »keiner der jetzt plötzlich entsetzten Kulturfreunde« für das Haus interessiert habe, so lange es auf dem Markt war. Sie habe selbst darin gewohnt und bestätigt die Aussage des aktuellen Eigentümers:  »Es besteht ein sehr sehr erheblicher Sanierungsbedarf.«

 

Was das Haus besonders macht

  •  Das Wohnhaus »Dauner Straße 16« in Bitburg wurde 1907 erbaut.
  •  Bauherr war der Steinbildhauer Wilhelm Dreiser.
  • Die Straßenfassade des Wohnhauses weist einen Natursteinsockel und aufwendige Sandsteinhauwerke auf.
  • Drei Reliefplatten zeigen das Erbauungsjahr, den Namen des Bauherrn und eine Darstellung des hl. Josef.
  • Das Dach der seitlich gelegenen Eingangstreppe wird durch eine Sandsteinsäule gestützt.
  • Das Dachgebälk des schiefergedeckten Krüppelwalmdaches zeigt die typischen verzierten Überstände des beginnenden 20. Jhd.

 

 

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.