Papst der Kopten zu Besuch in Bitburg

Bitburg. Zum ersten Mal hat das Kirchenoberhaupt der koptisch-orthodoxen Christen Rheinland-Pfalz besucht. Geschützt durch massive Sicherheitsvorkehrungen weilte Patriarch Tawadros II. zwei Tage in Bitburg.

Schwer vorstellbar, dass Papst Franziskus irgendwohin reist und es weitgehend unbemerkt bleibt. Als der Papst der koptisch-orthodoxen Christen Ende der Woche nach Bitburg kam, war das allerdings beabsichtigt. Ein Grund liegt darin, dass die Kopten, in ihrem Heimatland Ägypten diskriminiert und verfolgt, auch in Deutschland bedroht werden.

Daher herrscht an beiden Tagen auf dem ehemaligen Flugplatzgelände eine hohe Sicherheitsstufe, während das Kirchenoberhaupt Tawadros II. dort weilt, um die Kirche der Kopten einzuweihen. Vor dem ehemaligen Kino in der Messerschmittstraße, das die St. Athanasius Gemeinde 2015 zum Gotteshaus umgebaut hat, riegeln an den beiden Tagen Polizeifahrzeuge die Zufahrtsstraßen ab. Personen werden kontrolliert, die Autos mit Spiegeln auch von unten gecheckt.

In der Kirche feiert Tawadros II. eine dreistündige Messe. In weihrauchgeschwängerter Luft stehen mit ihm die koptischen Bischöfe aus Süd- und Norddeutschland und einige Priester am Altar, alle sind in weiße Gewänder gekleidet und tragen Kopfbedeckungen. Tawadros II. unterscheidet sich äußerlich nicht merklich. Nur in seiner Größe sticht er heraus. Der Papst von Alexandrien und ganz Afrika und Patriarch des Stuhls des heiligen Markus, wie Tawadros‘ offizielle Bezeichnung lautet, drückt seine Freude darüber aus, dass die Kopten in Bitburg eine eigene Gemeinde aufgebaut haben. Es gibt nur wenige davon in Deutschland, in Rheinland-Pfalz gerade einmal zwei. Berufstätige und Schüler sind unter den rund 200 Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern, die sich frei genommen haben, um an diesem Morgen ihren Papst zu sehen. Veronika Ibrahim ist eine von ihnen. Die 17-jährige Schülerin der Theobald Simon Schule verließ Ägypten 2012 wegen der Unruhen und Angriffe gegen Christen, die seit dem Sturz von Husni Mubarak noch bedrohlicher wurden, und lebt seitdem mit ihrer Familie in Bitburg. »In dieser Phase kamen viele Kopten zu der kleinen Gemeinde nach Bitburg. Ihre Zahl hat sich seitdem verdreifacht«, berichtet Marco Ebied, der jeden Sonntag aus Rhaunen im Kreis Birkenfeld in die Bitburger St. Athanasius Kirche kommt. Sarah Nasif nimmt jedes Wochenende den Weg von Kaiserslautern auf sich. »Es ist schön, dass der Papst gesehen hat, wie weit wir beim Umbau des Kinos in eine Kirche gekommen sind«, freut sich die zwanzigjährige Studentin. Einmal den Papst zu sehen war eins ihrer Lebensziele.

Nach der Kommunion segnet Tawadros II. Kinder, steht geduldig für Fotos bereit und verteilt mit sanftem Blick und freundlichem Händedruck Geschenke. Anschließend ist die Gemeinde eingeladen, gemeinsam mit ihm zu essen. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre. Die Frauen haben selbst gekocht. In der "Halle 300" gibt es Hähnchen mit Reis.

Sarah Nasif und ihre Schwester Sandra, die mit ihren Eltern in Bitburg lebt, gesellen sich unter die Leute. Hier kennt jeder jeden. 2014 kam Familie Nasif aus Ägypten in die Eifel. »In unseren Kirchen geschahen Explosionen und auf der Straße wurden koptischen Frauen die Haare abgeschnitten«, erinnert sich Sandra an die Zeit nach der Revolution. »Es war schlimm.« Die 17-Jährige empfindet den Besuch ihres Papstes in Bitburg als ein besonderes Erlebnis und eine »große Ehre«. Der 30-jährige Marco Ebried findet es »fast surreal« dem Papst hier so nah zu sein: »Selbst wenn wir in Ägypten sind, ist es schwer an ihn heranzukommen.« Erst in Bitburg ist es ihm gelungen.

Noch am Freitag traf Tawadros II. dann in Trier mit Ortsbischof Stephan Ackermann und dem Domkapitel zusammen. Von Trier aus reiste er am Samstag weiter nach Dortmund. Vor seinem Abstecher in die Eifel hatte er in Düsseldorf und in Zürich ein koptisch-orthodoxes Gotteshaus eingeweiht.

 

Sybille Schönhofen

 

Hintergrund: Die koptisch-orthodoxe Kirche

Papst

  •      Seit 2012 steht Papst Tawadros II. der koptischen Kirche vor.  Sitz des koptischen Papstes ist die St. Markus Kathedrale, Kairo.

Gläubige

  •     Tawadros II. ist Oberhaupt von acht bis zwölf Millionen koptischen Christen. In Ägypten, dem Stammland der Kopten, gehören etwa 10 Prozent der Einwohner der altorientalischen Kirche an. In Deutschland leben ca. 12.000 Kopten.
  •     Die koptische Gemeinde in Bitburg hat rund 500 Mitglieder, die aus einem Umkreis von 300 Kilometern regelmäßig in der St. Athanasius Kirche auf dem Fluglatz zusammenkommen.

Verfolgung

  •     Seit der Revolution in Ägypten 2011 hat die Verfolgung der Christen  in dem Land erheblich zugenommen. Zuletzt hatten Attentäter der Terrorgruppe »Islamischer Staat« im November 2018 sieben koptische Pilger getötet und 18 verletzt.

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