Ruhe am Himmel: Traum und Albtraum

Spangdahlem. Während Politiker durchweg den teilweisen Truppenabzug aus Spangdahlem bedauern oder zornig bis schockiert auf die Ankündigung der Amerikaner reagiert haben, kommen aus der Bevölkerung auch ganz andere Stimmen.

Binsfeld grenzt unmittelbar an die Air Base Spangdahlem. In den vergangenen 70 Jahren sind hier viele deutsch-amerikanische Freundschaften und Geschäftsbeziehungen entstanden. Ein Binsfelder erzählt von Freunden und Nachbarn, die auf der Base beschäftigt sind oder deren Firmen hier immer einen sicheren Auftraggeber hatten. Jetzt bangen sie um ihre Jobs. Und er berichtet von Familienmitgliedern und Bekannten, denen die Finanzierung ihrer Immobilie wegbrechen würde, weil sie dabei auf die vergleichsweise hohen Einnahmen durch amerikanische Mieter gebaut haben. Er selbst pflegt Freundschaften mit amerikanischen Soldaten.
Und trotzdem: Für den Binsfelder war es eine gute Nachricht, als die USA vergangene Woche den Abzug von fast 12.000 Soldaten aus Deutschland angekündigt haben. Noch sind keine Details bekannt (bis Redaktionsschluss  am 5. August), aber die spärlichen Informationen lassen den Schluss zu, dass die F16-Kampfjet-Staffel mit gut 20 Flugzeugen aus Spangdahlem verlegt wird.
»Ich garantiere, der größte Teil der Binsfelder sagt Gott sei Dank«, versichert der Binsfelder Familienvater, der seit 1966 nahe der Air Base lebt. »Der Lärm der F16 ist unerträglich«, erklärt er die Reaktion. »Wenn die fliegen, kann man sich draußen nicht unterhalten. Kleine Kinder fangen an zu weinen. Den Krach braucht kein Mensch«, sagt er. Neben dem Lärm und der störenden nächtlichen Helligkeit von den Scheinwerfern auf dem Gelände weist er auf die Gefahr durch Flugzeugabstürze hin: »400 Meter von unserem Haus ist 1986 ein Flieger explodiert.« Das war nicht der einzige Fall. Erst kürzlich ist wieder eine F16 bei Zemmer abgestürzt.
Wie dieser Binsfelder denken viele in der Umgebung. Sie werden die F16-Staffel nicht vermissen. Zitat einer Bürgerin aus Plein: »Trump hat jetzt einen neuen Fan. Mich.« Zwar gehe sie ansonsten eher nicht mit der Politik des US-Präsidenten konform, freue sich aber, dass nun endlich Ruhe am Eifelhimmel einkehre. »Von dem Kerosin, das auf meinem Garten-Gemüse landet, mal ganz abgesehen.«

»Fatale Folgen« für die Region

Politiker sehen das anders. Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburger Land, erwartet »fatale Folgen« für die Region. Der Bundestagsabgeordnete Patrick Schnieder aus Arzfeld spricht von einem »schweren Schlag«, der »tiefe Wunden« in der Region hinterlassen werde.
Colonel David Epperson, Kommodore des 52. Jagdgeschwaders, hat inzwischen etwas Dramatik aus der Ankündigung des Pentagon herausgenommen. Es gebe derzeit keine Pläne, Spangdahlem zu schließen. Die Mehrheit der Luftwaffenangehörigen werde Spangdahlem nicht verlassen. Der Zeitplan bleibt diffus. »Manche Veränderungen werden bald geschehen, andere werden Jahre dauern«, so der Oberst.
Manfred Rodens, Bürgermeister der VG Speicher, befürchtet dennoch, falls die Pläne umgesetzt werden, negative Auswirkungen auf einen Teil der 670 zivilen deutschen Arbeitsplätze auf dem Stützpunkt. »Betroffen wären möglicherweise auch Unternehmen, Handwerk, Handel, Gewerbe, Freiberufler sowie die Gastronomie.« In der Folge sei mit niedrigeren Steuereinnahmen in den umliegenden Gemeinden zu rechnen. Landrat Joachim Streit sieht derzeit keine Gefahr des Arbeitsplatzverlustes für die deutschen Zivilbeschäftigten. »Ich glaube nicht an einen Totalabzug und auch nicht an einen schnellen Teilabzug«, so Streit. Er fordert vom Land eine Erhöhung der Dorferneuerungsmittel und Investitionszuschüsse für die umliegenden Gemeinden und Verbandsgemeinden, sollte es zu einem Abzug kommen, sowie ein Ausgleich für die dann geringeren Schlüsselzuweisungen. »Des Weiteren wäre jetzt ein Zuschlag für die Landesgartenschau 2026 angebracht«, so Streit. Die Bundesregierung sieht er in der Pflicht, Rüstungsdeals mit den USA einzufrieren.
Ministerpräsidentin Malu Dreyer hat der Region nach einem Gespräch mit Landräten und Bürgermeistern Unterstützung zugesichert. Wie schon Innenminister Roger Lewentz kündigte sie an, weiter um den Standort Spangdahlem zu kämpfen.
Als schweren Schlag empfindet auch Dennis Junk, Bürgermeister der VG Wittlich-Land, die Entscheidung über den Abzug. Sie sei »mit gesundem Menschenverstand überhaupt nicht nachvollziehbar«. Er habe Bekannte, die Freundschaften zu US-Amerikanern pflegen und enttäuscht reagierten. Da er aber den Fluglärm kenne, könne er verstehen, dass für viele Anwohner die Lebensqualität steige, wenn die Kampfjets nicht mehr über der Eifel fliegen würden.
Noch ist das letzte Wort nicht gesprochen. Möglicherweise bringen der Kongress oder die Präsidentschaftswahl im November eine Wende in der Militärpolitik der USA.

(bil)

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