Unsere Serie: Mit dem Motorrad rund um die Welt - ein halbes Jahr on the Road

Herforst. Abenteurer Alexander Conrad (29) aus Herforst berichtet exklusiv für den WochenSpiegel von seiner Motorradreise rund um die Welt.

Eine knappe Woche verbringen meine Begleiterin Mila und ich in der türkischen Hauptstadt und Mega-Metropole Istanbul, die 18 Millionen Einwohner zählt. Mit Alparslan, kurz genannt Alp, lernen wir einen Banker und Motorrad-Fahrer mittleren Alters kennen, der uns prompt für mehrere Tage bei sich zu Hause einquartiert. Da er gerade aus dem Büro kommt, Feierabend hat und keine Lust sich an die einheimischen Verkehrsregeln zu halten, legen wir die verbleibenden 300 Meter bis zu seiner Wohnung auf allerkürzestem Weg zurück. Gut 100 Meter entgegen der Fahrtrichtung auf einer dreispurigen Hauptverkehrsstraße zwischen hupenden Autos hindurch, über die Fußgängerampel zur anderen Seite und zu seiner Garage. Er mit seinem Roller hat noch halbwegs gute Karten. Ich dagegen habe mit meiner Maschine und meiner Sozia einen guten Meter Breite und 450 Kilogramm Gewicht, die es gilt sicher durch den Feierabendverkehr zu bringen. Mila ist ängstlich.

 

 

Eine Tatsache die mich sehr erstaunt, ist, dass in der Innenstadt viele dreispurige Straßen je nach Verkehr 2:1 geschaltet werden und in der übrigen Zeit, sich beide Seiten die Mittelspur teilen können (siehe Bild). Es verwundert mich sehr, dass dieses Chaos dem Anschein nach unfallfrei abläuft.

Alp erzählt uns eine Menge über die Stadt, Land und Leute. So erfahre ich zum Beispiel, woher die in Deutschland so sehr verbreitete Bezeichnung "Döner" überhaupt kommt. Denn wenn man in der Türkei nur einen Döner bestellt, schauen einen alle sehr seltsam an, da niemand weiß, was man denn nun genau möchte. Dies kommt daher, da dies lediglich das türkische Wort für "Drehen", also den Spieß ist. Wenn man also etwas Essbares bekommen möchte, muss man einen "Döner Kepab", "Pide", "Lahmacun" oder eine der anderen Varianten bestellen. Alp ist sehr über unsere Anwesenheit erfreut und es sei für ihn eine willkommene Abwechslung. Es ist für mich ein weiteres Mal auf dieser Reise eine sehr tolle Erfahrung, die ich mit Männern mache, die vom Alter her meine Väter sein könnten. Es scheint so, dass ich mit meinen 29 Jahren genau das tue, wovon diese bereits seit langem oder gar Jahrzehnten träumen und dass diese Tatsache es eben ist, was sie so inspiriert. Und genau dies bestätigt mir Alp, während er mir erzählt, dass er im kommenden Jahr ebenfalls auf eine längere Motorrad-Reise aufbrechen möchte und mich von daher nach jeder Menge Tipps ausquetscht, da ich ja für ihn der "erfahrene Biker" sei ?

Wir überqueren den Bosporus per Boot, was für mich ein sehr erhabenes Gefühl ist. Das liegt vielleicht auch an der Tatsache, dass ich an diesem Tag genau ein halbes Jahr "on the Road" bin. Auch wenn man mit der Stadt, die niemals schläft, gewöhnlich New York bezeichnet, trifft dies auch auf Istanbul genauso gut zu: Die ganze Nacht über herrscht reger Verkehr, die Straßen sind niemals menschenleer und sehr viele Märkte haben rund um die Uhr geöffnet. Insgesamt beeindruckt mich Istanbul sehr mit einer Mischung aus "Hingezogen sein" zum westlichen Lebensstill und trotzdem den orientalischen und osmanischen Wurzeln treu geblieben. Es herrscht eine angenehme Stimmung in der gesamten Stadt und alle Menschen sind uns gegenüber sehr freundlich gestimmt und wohl gesonnen.

So fand ich es schade, nach nur einer Woche wieder weiterzureisen. Da wir allerdings auch durch den Osten des Landes wollen und es dort in den Herbstmonaten mit jedem Tag schnell kälter wird, verlassen wir nun Istanbul ...

Fortsetzung folgt!

 

 

 

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