Unsere Serie: Mit dem Motorrad rund um die Welt - Flagge, Portrait oder Geldschein

Herforst. Atatürk ist allgegenwärtig: Alexander Conrad aus Herforst erfährt in der Türkei den Kult über den "Vater aller Türken" und Gründer der Republik.

Die Reise von Alexander Conrad (29) geht weiter. Aus der Türkei berichtet er für den WochenSpiegel über Patriotismus und den Nationalhelden Atatürk.

Den sehr stark ausgeprägten Nationalstolz der Menschen in der Türkei erkenne ich daran, dass überall im Land Nationalflaggen in allen möglichen Größen wehen. Ob an Obstständen, als über Motorhauben von Autos gespannte Leinentücher, in größerer Dimension an Bürogebäuden oder aber gar in der 20 Quadratmeter-Ausführung an überdimensionalen Fahnenmasten, die schon Kilometer weit entfernt vor den Städten zu sehen sind. Auch in den Fels gehauene Motive der Mondsichel und des Sterns entdecke ich. Und als ich mit dem Schiff die Meerenge zwischen Eceabat nach Canakkale, welche die Ägäis mit dem Mamara Meer verbindet, überquere, sichte ich eine in den Berg gemalte Flagge, bereits vom knapp 20 Kilometer entfernten gegenüberliegenden Ufer.

Immer wieder stoße ich im gesamten Land auf Bilder und Denkmäler von Atatürk, dem "Vater aller Türken" und Nationalhelden des Landes. In nahezu jedem Geschäft, Gebäude- und Hoteleingang hängt mindestens ein Portrait von "Mustafa Kemal", so sein ursprünglicher Name. Er sei es gewesen, der nach dem Ersten Weltkrieg und Zerfall des Osmanischen Reiches "die Türkei befreit und wieder vereint habe", erzählen mir seine heutigen Landsleute. Sie alle verehren ihn wie eine Kultfigur. Gegen die verschiedenen Besatzungsmächte, aber vor allem die nach Anatolien vordringenden Griechen, die den Westen der heutigen Türkei Anfang der 1920er Jahre für sich in Besitz nehmen wollten, habe er die Armee mit seinem grandiosen militärischen Geschick zum Sieg geführt. Der Sieg, den alle Türken erwähnen, wenn ich sie auf ihren Nationalhelden anspreche und der für sie das unanfechtbare Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit der heutigen Türkei darstellt.

Aufgrund dessen und seines Wirkens als erster Präsident und Reformer der neu geschaffenen Republik der Türkei, die im Anschluss nach dem Ersten Weltkrieg aus dem Osmanischen Reich hervorging, sei ihm später ganz offiziell vom türkischen Parlament der Namenszusatz "Atatürk" verliehen worden. Übersetzt bedeutet das, "der Vater aller Türken". Dies geschah in den 1930er Jahren, allerdings hält seine personenkultartige Verehrung bis heute ununterbrochen an. So entdecke ich in den Straßen Istanbuls eine große Bronzestatue im asiatischen Hafenteil des Bosporus. Auch der größte Flughafen des Landes ist nach ihm benannt. Zudem befindet sich sein Gesicht auf der Rückseite jedes einzelnen Geldscheines.

Die Türken sind ein Volk mit einer sehr interessanten Geschichte, wie mir scheint. Und zu Recht stolz auf ihr Land, was ich bisher noch in keiner Weise negativ erfahren habe, etwa in Form von übertriebenem Patriotismus. Im Gegenteil, die offene Art und eine für mich bisher ungekannte Gastfreundschaft, die ihres Gleichen sucht, überrascht mit jeden Tag aufs Neue.

... Fortsetzung folgt!

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Flaggentag der Bürgermeister für den Frieden

Mayen. Am 8. Juli  ist die Flagge des weltweiten Bündnisses "Mayors for Peace" von Oberbürgermeister Wolfgang Treis vor dem Rathaus gehisst. Sie symbolisiert den Einsatz des Netzwerkes für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. Die Organisation wurde 1982 vom Bürgermeister von Hiroshima gegründet.  Aus der grundsätzlichen Überlegung heraus, dass BürgermeisterInnen für die Sicherheit und das Leben ihrer BürgerInnen verantwortlich sind, versuchen die "Mayors for Peace" Einfluss auf die weltweite Verbreitung von Atomwaffen zu nehmen und diese zu verhindern. Die "Mayors of Peace" fordern die Atommächte eindringlich dazu auf, ernsthafte Verhandlungen zur Abschaffung der Nuklearwaffen zu führen und dem 2017 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Atomwaffenverbotsvertrag endlich beizutreten.“ Mehr als 7.900 Städte gehören dem Netzwerk an, darunter mehr als 680 Städte in Deutschland. Mit der Aktion setzen sich die Bürgermeister für den Frieden – in diesem Jahr insbesondere für die Verlängerung des New-Start-Vertrages – ein. Das von den USA und Russland unterzeichnete Abkommen trat 2011 in Kraft. Es ist die letzte noch gültige Vereinbarung zur Begrenzung von Atomwaffen. Der Vertrag läuft im Februar 2021 aus. Neben der Forderung nach einer Verlängerung des New-Start-Vertrages appellieren die Mayors for Peace am Flaggentag an die Atommächte, den Atomwaffenverbotsvertrag von 2017 zu unterzeichnen. Mehr Informationen unter www.mayorsforpeace.deAm 8. Juli  ist die Flagge des weltweiten Bündnisses "Mayors for Peace" von Oberbürgermeister Wolfgang Treis vor dem Rathaus gehisst. Sie symbolisiert den Einsatz des Netzwerkes für eine friedliche Welt ohne Atomwaffen. Die Organisation wurde 1982…

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