Unsere Serie - Mit dem Motorrad rund um die Welt - Ost-Anatolien

Von Bursa aus machen meine Begleitung Mila und ich uns auf den Weg in Richtung Osten. Nachdem wir die Großstädte hinter uns lassen, wird es zunehmend ländlicher und auch ärmlicher. Ich schätze, dass mindestens die Hälfte aller Menschen hier auf dem Land von der Landwirtschaft leben. Überall am Straßenrand passieren wir nun Bauern, die ihr Obst  und Gemüse zum Verkauf dar bieten. So erstehen wir an einem Abend eine Tüte voll mit Zwiebeln, Gurken, Paprika und Tomaten und dazu noch ein herrlich frisches Brot für gerade einmal zwei Lira, was etwas weniger als einem Euro entspricht.

 Wir fahren die Fernstraße 100, welche die gesamte Türkei von der bulgarischen bis zur iranischen Grenze durchzieht, entlang Richtung Osten. Die gesamte Strecke ist in einem sehr guten Zustand. Dort, wo kleine Mängel aufkommen, wird auch schon gebaut. Die derzeitige Regierung lege aufgrund des Transit-Verkehrs aus und von Europa, dem Iran, Georgien und hinunter zum Persischen Golf viel Wert auf den Ausbau und Qualität der Straßen, erzählen uns Einheimische. An dem Ausbau der Straßen partizipiert die deutsche Wirtschaft, weil die Bauarbeiter mit deutschen Maschinen arbeiten. Knapp 1000 Kilometer fahren wir durch das Land bis zur Küstenstadt Samsun und nochmal knapp 400 weitere entlang am Schwarzen Meer bis nach Trabzon. 

 

 

Der Grund für unseren Besuch in der größten Küstenstadt ist das iranische Konsulat, wo wir unsere Visa beantragen. Entgegen unserer Erwartungen erhalten wir noch am gleichen Nachmittag unsere Reisepässe mit Einreisegenehmigung für die "Islamische Republik Iran". Bis zur Grenze ist es allerdings noch ein weiter und vor allem hoher Weg, da uns von nun an für den Rest des Landes das Ayder-Hochplateau und bis 4000 Meter hohe Berge bevorstehen, deren Pässe bis zu 2600 Meter hoch sind. Da es auch in der Türkei herbstlicher wird und die Temperaturen mit jedem Tag spürbar sinken. Nachts liegen sie bereits um den Gefrierpunkt. Daher sputen wir uns.

Eine leere Reisekasse und eine Nacht im Gartenhaus

Unsere Reisekasse ist fast leer, daher wollen wir unser Geld für Essen und Benzin ausgeben. Ein Hotel können wir uns nicht leisten. Wir fragen in einem kleinen Ort, unweit der Stadt Ispir, in einer Bar nach einem geeigneten Unterschlupf, wo wir für die Nacht unser Zelt etwas Wind- und Witterungsgeschütz aufstellen dürfen. Da niemand englisch spricht, fällt die Kommunikation schwer, bis ein Mann bemerkt, dass Mila ja Russin ist und er ebenfalls fließend ihre Muttersprache Sprache beherrscht. Ismael heißt er und meint, es sei viel zu kalt zum Zelten und bietet uns an, in seinem Gartenhaus zu nächtigen, was wir gerne annehmen.  Ein altes Haus, erbaut aus Lehm und Stroh, was er lediglich zum Trocknen und Lagern seines Obst' nutzt und uns in diesem Falle eine recht angenehme und laue Nacht beschert. Zuvor nimmt er uns aber noch mit zu einem Freund, der für uns kocht und beide erzählen uns bis in den späten Abend von ihnen und ihrer Heimat.

So erfahren wir, dass die Menschen auf dem Land hier es sehr schwer haben, da ihr Verdienst karg, die Kosten für Sprit und andere essentielle Dinge im Leben, jedoch sehr hoch sind. Aber sie schlagen sich tapfer und es ist kein Unmut zu spüren. Im Gegenteil, alle Menschen, denen wir begegnen, sind sehr freundlich und ich bin überrascht über die Hilfsbereitschaft, mit denen die Menschen, die doch selbst so wenig besitzen, uns gegenüber treten ...

Fortsetzung folgt! 

 

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