»Fort mit dem Ding«

Benedikt und Konrad Schöllers Erinnerungskultur-Projekt

Schmidt. Angelehnt an die Kölner Plakataktion »Fort mit dem Ding« benennen die Schöllers im Raum des Friedens (Pfarrkirche Schmidt) markante Beispiele aus der Region. Das Fazit von Schöller Senior fällt eher ernüchternd aus: »Es ist befremdlich festzustellen, dass die Geschichtsschreibung in der Nordeifel voll des selektiven Erinnerns ist: Mahnen für den Frieden ja, aber nur in ‚wertfreier‘ Version.«

 In Westdeutschland haben sich nach den 1950er- und 1960er-Jahren allmählich jene intellektuellen und emotionalen Hemmnisse aufgelöst, mit denen es die Täter- und Mitläufergeneration vermocht hatte, belastende Wahrheiten über das Gelingen der NS-Herrschaft von sich fernzuhalten. Die Aussage des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker anlässlich des 40. Jahrestages der Kapitulation, der 8. Mai 1945 sei ein ‚Tag der Befreiung‘ gewesen, dokumentierte eine Neubewertung der NS-Zeit.

Seitdem bildeten sich viele lokale Initiativen zur Aufarbeitung der NS-Herrschaft heraus. Kinder und Enkel der Täter- und Mitläufergeneration begaben sich auf Spurensuche, bisweilen gegen Widerstände lokaler Entscheidungsträger in Parteien und Amtsstuben und gegen populistische Stimmungen vor Ort. Sie trafen auf eine lange Zeit nicht wahrgenommene Verdichtung von Stätten rassistischer Gewalt, auf Abertausende von im öffentlichen Gedächtnis verschütteten Lagern und Mordstätten in Deutschland. Zugleich setzte in der geschichtswissenschaftlichen Forschung ein umfassenderer Blick auf die Verfolgten und Ermordeten ein, wie im Übrigen auf Täter und Mitläufer, wobei manche Legenden und Mythen zerstört wurden.

Vollzog sich eine ähnliche Entwicklung auch in der Nordeifel? Wie steht es um die Aufarbeitung der NS-Zeit im Umfeld des Hürtgenwaldes? Konrad Schöller aus Schmidt meint, erst äußerst bescheidene Ansätze erkennen zu können. Das Erinnern an die Schlacht im Hürtgenwald überlagere alles andere, lasse aber jegliche zeitkritische Einordnung in den NS-Kontext vermissen. Die Präsentation von Waffen und Schlachtenstrategien erscheine offenbar wichtiger als die Auseinandersetzung mit der Rassenideologie des NS-Staats und Denkmalsetzungen für Wehrmachtsdivisionen vordringlicher als die Erforschung von Todesursachen verschleppter Zwangsarbeiter. »Regionale Anknüpfungspunkte für eine multiperspektivische Sichtweise gibt es zu Hauf«, ergänzt Benedikt Schöller und verweist beispielhaft auf die rassenideologische Indoktrination im SS-Reichsausbildungslager Germeter. »Für das Junge Theater Bonn bildet dieses Lager eine authentische Kulisse, um auf aktuelle Gefahren durch Fremdenfeindlichkeit und Rassismus hinzuweisen. Die örtliche Erinnerungskultur schweigt dazu beharrlich.«

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