Beziehung zur Kirche wächst

Kreis Euskirchen. Obwohl Kirchen in den Augen vieler Menschen als verstaubt gelten, können sowohl katholische als auch evangelische Pfarrer von einem vermehrten Drang nach Spiritualität berichten. Die brennenden Kerzen in »ihren« Gotteshäusern geben ihnen Recht.

Diesem Drang nach Spiritualität möchte Pfarrer Ulrich Zumbusch von der evangelischen Christus-Kirchengemeinde Zülpich einen Raum geben. Deshalb ist seine Kirche - neben den evangelischen Kirchen in Euskirchen und Bad Münstereifel - nun auch Teil der Initiative »Offene Kirchen«.
»Während die Türen der katholischen Kirchen immer geöffnet waren, hatten evangelische Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten geschlossen. Das ändert sich nun«, erzählt Pfarrer Ulrich Zumbusch.  Dies sei wichtig, damit die Menschen in der heutigen, stressigen und von Terror geprägten Zeit ihren Glauben vertiefen können. »Um das Signet ‚Offene Kirche‘ zu erhalten, muss der Zugang zum Gotteshaus für mindestens vier Stunden am Tag möglich sein«, ergänzt Zumbusch.
Lohnen, da ist sich der evangelische Pfarrer sicher, werden sich die zusätzlichen Öffnungszeiten. Schließlich habe man ein Jahr lang eine Art Testphase durchgeführt.  »Es stehen immer mehr angezündete Kerzen auf unserem Kerzenteller. Die Beziehung zum Kirchenraum der eigenen Gemeinde wächst«, so Zumbusch. Die Besucherzahl des Gottesdienstes am Sonntag halte sich - entgegen so manchem Glauben - auf einem guten Niveau mit durchschnittlich 66 Menschen. Dass man als »Offene Kirche« auch ungebetene Gäste einladen könnte, sei ihm bewusst. »Wenn man aber vor Angst zurückschreckt, beraubt man sich der guten Gedanken«, so seine Meinung.

Und obwohl die Herz-Jesu-Kirche in Euskirchen im Sommer Opfer von massivem Vandalismus wurde, so kam auch für Max Offermann, den leitenden Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Martin, eine längere Schließung der Kirche nicht in Frage. »Damals wussten wir uns nicht anders weiterzuhelfen. Schließlich meinte sogar so manch einer seine Notdurft auf dem Altar zu verrichten«. Doch lohnt sich die Öffnung der Kirchen heute wirklich noch?
»Geschlossene Kirchen sind tote Kirchen«, ist Max Offermann gleicher Meinung wie Ulrich Zumbusch. Deshalb müsse grundsätzlich  jeder Mensch, an jedem Tag in der Woche, auch die Gelegenheit bekommen, seinem Glauben nachzugehen. »Natürlich gab es vor 30 Jahren noch mehr Gottesdienstbesucher. Ich möchte auch nichts schön reden: Die katholische Kirche steckt in einer schwierigen Situation. Aber unsere drei Gotteshäuser werden noch von enorm vielen Menschen aufgesucht - und wenn es nur für ein kurzes Gebet ist außerhalb der Gottesdienste ist«. Der Kerzenverbrauch sei auch für ihn der beste Beweis, dass grundsätzlich die Sehnsucht nach Spiritualität nicht abgenommen hat - im Gegenteil.

Offene Kirchen

  • In den Wintermonaten haben die kath. Kirchen der Stadtpfarrei St. Martin ab circa. 7.30 bis ungefähr 18 Uhr geöffnet.
  • Die ev. Kirche in Zülpich ist von Mo.-Fr. von 8.30 bis 13 Uhr und Mo. + Do. von 14 bis 17 Uhr offen.

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.