Eifel Kurz Krimi 2: Der Titelhändler

Kreis Euskirchen. »Ja, bitte?« Zimt-Zeilon meldete sich gewohnheitsmäßig nie mit seinem Namen am Telefon. »Guten Tag, mein Name ist Metzger, Friedhelm Metzger. Spreche ich mit dem Titelhändler?« »Nein!« »Ja, ist das nicht der Apparat von Herrn Zimt-Zeilon?« »Prof. Dr. Dr. Zimt-Zeilon bitte. Aber ich bin kein Titelhändler. Ich bin Promotionsberater.«

»Aber Sie können mir zu einem Doktortitel verhelfen?«

»Das schon. Unter Umständen.«

»Kann ich Sie einmal in Köln besuchen?«

»Wir können uns gerne treffen. Aber ich wohne nicht mehr in Köln. Ich habe mich auf das ruhigere Land zurückgezogen und wohne jetzt im Kreis Euskirchen. Sie können das vielleicht auch an meiner neuen Telefonnummer ablesen.«

»Soll ich zu Ihnen an Ihren neuen Wohnort kommen?«

»Nein, ich verabrede das erste Treffen lieber auf neutralem Boden.«

Sie einigten sich auf einen Treffpunkt in Euskirchen, dann tauschten sie noch die jeweiligen Mobilfunknummern aus und beendeten das Gespräch.

Der junge Mann, der sich neben Zimt-Zeilon im Zimmer befand, machte keinen Hehl daraus, dass er das Telefonat mit Interesse verfolgt hatte. Man konnte dem Wohnzimmer, in dem die beiden Männer saßen, noch anmerken, dass es erst vor wenigen Tagen eingerichtet worden war.

»Der Anrufer eben hat unerwartet Karriere in einem Handelsverband gemacht. Jetzt fühlt er sich minderwertig, weil die meisten seiner Verhandlungspartner ihrem Namen einen akademischen Titel voranstellen können.«

»Und da sollst Du jetzt Abhilfe schaffen«, grinste der andere.

»Was ich gerne tue, wenn der Preis stimmt«, gab Zimt-Zeilon zurück.

»Wie belaufen sich denn die Marktpreise zur Zeit?«

»Für 45.000 € aufwärts besorge ich einen Titel mit dem Zusatz (EC).«

»Also wie z.B. Dr. (EC). Und das (EC) steht dann für Euro-Cheque, weil der Titel gekauft ist.«

»Witzbold. Du weißt so gut wie ich, dass er für Ecuador steht und dass er nur mit diesem Zusatz in deutsche Dokumente aufgenommen werden darf. Die meisten meiner Kunden ?vergessen' dann aber den Zusatz auf ihrer Visitenkarte.«

»Was strafbar ist.«

»Ja, wenn es auffällt. Aber wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter.«

»Eigentlich unfair, dass Deine Arbeit so gut bezahlt wird. Wenn ich für einen anderen eine Doktorarbeit schreibe, fallen für mich 25.000 bis maximal 30.000 € ab. Dafür muss ich dann aber auch die komplette Arbeit leisten, inklusive Literaturrecherche und so weiter.«

»Ich weiß«, sagte Zimt-Zeilon, »dafür ist aber mein Risiko ungleich höher ? und das fließt eben in meine Kalkulation mit ein. Eine Doktorarbeit ist übrigens der Grund, weshalb ich Dich heute sehen wollte. Hast Du schon einmal in Jura promoviert?«

»Drei Mal bislang, vier Mal in Geschichte, zwei Mal in Kunstgeschichte und einmal sogar in Medizin.«

»Fein. Es geht um eine Dissertation in Jura.«

»Warum kauft Dein Kunde nicht einfach einen Titel von Dir?«

»Das geht in dem Fall nicht. Der Klient ist ein Adliger, der in der Politik Karriere machen will. Da kann er mit einem ?Titel von der Stange', wie er es nennt, nichts anfangen. Es muss ein Titel von einer deutschen Universität sein und das geht eben nur über eine schriftliche Dissertation. Und der beste Schreiber, den ich kenne, ist ein gewisser Gerd Geist, also Du.«

»Wie viel springt dabei heraus?«

»35.000 für Dich, 15.000 für mich. Als Provision, sozusagen.«

Gerd Geist pfiff anerkennend.

Harry Verhufen

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.