Eifel Kurz Krimi 3: Ein überraschender Umzug

Kreis Euskirchen. Der riesige Möbelwagen näherte sich dem Dorf von Süden. Er bog in die Adele-Müller-Straße ein und hielt vor dem Einfamilienhaus, das seit wenigen Wochen von Prof. Dr. Dr. (EC) Peter Zimt-Zeilon bewohnt wurde. Vier Männer stiegen aus und gingen auf das Haus zu.

Hinter mehreren Fenstern in der Straße bewegten sich die Gardinen. Im Dorf war man nie unbeobachtet. Am heftigsten bewegten sich die Gardinen im Haus gegenüber. Lenchen Weber, eine Frau Ende 60, riss das Küchenfenster auf und rief über die Straße:

"Der Herr Professor ist verreist. Seit letzter Woche. Er kommt morgen erst wieder."

"Wissen wir", antwortete einer der Männer. "Leider ist der Herr Professor schwer verunglückt. Er liegt im Koma und es ist fraglich, ob er jemals wieder aufwacht. Keinesfalls wird er hierher zurückkommen können. Deshalb haben uns seine nächsten Verwandten beauftragt, seine Wohnung zu räumen."

Lenchen blieb der Mund offen stehen. Der Professor war immer so nett und charmant zu ihr gewesen. Sicher, er war ca. 5 Jahre jünger als sie, aber insgeheim hatte sie gehofft, ihn näher kennen zu lernen. Nachdem sie sich gefasst hatte, sagte sie: "Das ist aber schlimm. Er tut mir ja so leid. Kann ich Ihnen helfen?"

"Ja, das tut allen leid, dass ihm so etwas Schreckliches zustoßen musste. Vielleicht können sie uns wirklich helfen. Die Verwandten haben uns den Sicherheitscode für seine Tür aufgeschrieben. Aber wir können die Tür trotzdem nicht öffnen."

"Ich komme zu Ihnen", antwortete Lenchen.

"Sehen Sie, bevor er abreiste, hat der Professor den Code noch geändert", sagte sie, als sie das Haus Zimt-Zeilons erreicht hatte. Dann fuhr sie triumphierend fort: "Aber er hat mir den neuen Code aufgeschrieben, damit ich während seiner Abwesenheit die Blumen gießen kann. ?Jetzt haben wir beide unser kleines Geheimnis', hat er noch gesagt. Und jetzt ist er so gut wie tot."

Sie schluchzte.

Der größte der vier Männer nahm sie in den Arm und streichelte sanft ihre Wange.

"Wären Sie denn so nett, uns zu öffnen?" fragte er leise.

Lenchen nickte und tippte mit spitzen Fingern den neuen Code ein. Sie half den Männern sogar beim Verladen der Zimmerpflanzen.

Sormaz Nedjeljko, den alle im Dorf als Nedjo kannten, brachte den Wochenspiegel. Die Einbruchsserie im Kreis Euskirchen ging unvermindert weiter. Die CDU-Fraktion im Kreistag machte dafür den parteilosen Landrat verantwortlich. Lenchen fand das ungerecht. Sie hatte Günter Rosenke schon gewählt, als er noch der CDU angehörte.

Die Männer setzten ihre Arbeit unbeeindruckt fort. Als sie fertig waren, verabschiedeten sie sich von Lenchen und fuhren davon.

Lenchen stand in ihrem Garten, als der ihr wohl bekannte Mercedes vor dem Haus gegenüber hielt. Zimt-Zeilon stieg aus dem Wagen und winkte ihr fröhlich zu. Mechanisch wollte Lenchen zurückwinken, doch ihr Arm gehorchte ihr nicht. Sie begann kurz zu zittern, dann wurde ihr schwarz vor Augen und sie sackte zusammen.

Zimt-Zeilon lief zu ihr hin und stellte fest, dass sie bewusstlos war. "Wir brauchen den Rettungswagen", war sein erster Gedanke. Er lief zu seinem Haus und gab den Sicherheitscode ein. Als die Tür sich öffnete, betrat er den kahlen Flur. Durch die nächste Tür konnte er in das vollkommen leere Wohnzimmer sehen. Er fasste sich an die Brust. Dann sackte auch er zusammen.

 

Harry Verhufen

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