Gemeinsam strampeln für Kinder in Ruanda

Kreis Euskirchen. Gut gelaunt schwangen sich am Donnerstagmorgen 30 Schüler und zwölf Betreuer vor der Euskirchener LVR-Förderschule "Irena Sendler" auf ihre Fahrräder, um für eine über 8000 Kilometer entfernte Grundschule in die Pedale zu treten: Mit der Sponsorfahrt "FairPlay Smart Tour" wird ein Projekt der Welthungerhilfe in Ruanda unterstützt. Das Besondere dabei: Die Jugendlichen kommen von Haupt- und Förderschulen, Kinder mit und ohne Behinderung strampeln sich gemeinsam für die gute Sache ab.

Rund 120 Kilometer bewältigt die Gruppe in vier Etappen und radelt dabei von Köln über Euskirchen, Kall und Nettersheim bis nach Jünkerath. "Zuvor haben alle noch ein Fahrrad-Sicherheitstraining absolviert", berichtet Peter Bodenheim, begleitender Lehrer. Überhaupt sei der Aufwand recht hoch, alle Mitfahrer werden mit Helm, T-Shirt und Pullover ausgestattet, zwei Begleitfahrzeuge für Gepäck oder Notfälle wie "temporärer Stromausfall" in den Waden sind im Einsatz. "Zudem sind viele Familien der Schüler finanziell nicht allzu gut gestellt, da kann man keine hohen Sponsorbeträge erwarten", so Bodenheim.

Umso dankbarer sei er deshalb für die Förderung der Kreissparkasse Euskirchen (KSK). Denn Rita Witt vom Vorstand der KSK-Bürgerstiftung schickte die Radler nicht nur mit den besten Wünschen auf die nächste Etappe nach Kall, sondern hatte auch einen Scheck über 2000 Euro im Gepäck. "Hier kommen Schüler aus fünf unterschiedlichen Schulen zusammen, um gemeinsam etwas Gutes zu tun, da helfen wir gern", so Witt.

Manfred Poth, Allgemeiner Vertreter des Landrats Kreis Euskirchen, ist ebenfalls begeistert von der "FairPlay Smart Tour": "Das ist ein gutes Beispiel von Inklusion. Wir werden oft gefragt, was Inklusion überhaupt ist, hier kann man es erleben: Gemeinsames Gestalten von Lebensbereichen von Menschen mit und ohne Behinderung." Wie Peter Bodenheim berichtet, seien die Jugendlichen stolz darauf, etwas Gutes für andere zu tun: "Einige der Familien empfangen selber Leistungen. Es ist toll, wenn sie sehen, dass sie selbst auch etwas bewirken und anderen helfen können."

Für jeden gefahrenen Kilometer zahlen nämlich Sponsoren einen gewissen Betrag, der dann zweckgebunden der Welthungerhilfe übergeben wird. Die fördert damit ein Schulprojekt in Ruanda: Die 1942 gegründete Grundschule Gashike im Distrikt Ruhango. Rund 600 Schüler werden dort von elf Lehrern unterrichtet. In der Region würden noch mehr Kinder gerne dort lernen, aber das Schulgebäude ist weder groß noch sicher genug, um sie alle gefahrlos dort unterzubringen: Wegen Baufälligkeit können nur acht der 14 Klassenzimmer genutzt werden.

Nicht nur das Gebäude ist marode, die Einrichtung ist heruntergekommen oder gar nicht vorhanden, dazu ist die Wasserversorgung problematisch: Die Regenwasserspeicher sind undicht, der nächste Trinkwasserbrunnen ist drei Kilometer entfernt. Für die 600 Schüler gibt es derzeit nur vier benutzbare Toiletten ? jeder Cent für Hilfe ist willkommen.

Aber auch für die Schüler der Hauptschule Kall, der Georgsschule und der Irena-Sendler-Schule aus Euskirchen sowie der Kölner Schulen Belve und Anna-Freud-Schule ist die Tour ein Gewinn. Bodenheim: "Es ist schön zu sehen, wie die Gruppen zusammenwachsen. Am ersten Abend saßen noch alle in ihren Schulgrüppchen zusammen, nach dem gemeinsamen Sport-Spiele-Abend mit kooperativen Spielen und Rollstuhl-Basketball gestern mischen sich die Gruppen bereits bunt durcheinander."

Text und Foto: epa

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