Leben mit dem Klimawandel

Kreis erstellt Konzept zur Klimafolgeanpassung

Kreis Euskirchen. Die Auswirkungen des Klimawandels haben den Kreis Euskirchen längst erreicht. Um diesen Auswirkungen zukünftig besser begegnen zu können, soll jetzt gemeinsam mit den Kommunen ein kreisweites Konzept erstellt werden.

Starkregen, Überschwemmungen, Dürreperioden und das Baumsterben sind nur einige der Auswirkungen des Klimawandels. In den vergangenen beiden Jahren hat auch der Kreis Euskirchen diese Veränderungen zu spüren bekommen. Mit einem Konzept zur sogenannten Klimafolgenanpassung will sich der Kreis zukünftig besser gegen den spürbaren Klimawandel aufstellen und auch den Kommunen Handlungsweisen an die Hand geben. Bis September 2020 soll das Konzept stehen. Zur Auftaktveranstaltung trafen sich jetzt die Beteiligten im Zülpicher Seepark. Das Anpassungskonzept sei die logische Fortsetzung der laufenden Klimaschutz-Aktivitäten des Kreises Euskirchen, betonte Manfred Poth, der allgemeine Vertreter des Landrats in Zülpich. »Die Anpassung an den Klimawandel spielt jedoch im bisherigen Konzept nur eine untergeordnete Rolle. Zukünftig müssen Klimaschutz und Klimafolgeanpassung in einem Atemzug genannt werden«, so Poth weiter. Mit der Erstellung des Klimaanpassungskonzeptes ist ein Konsortium rund um die drei externen Büros B.A.U.M. Consult, das ÖkoZentrum NRW sowie die Gesellschaft für Klimaanpassung GreenAdapt beauftragt.
Aktuell befinde man sich noch in einer Art Bestandsaufnahme, sagte Maximilian Metzemacher, der Klimaschutzmanager des Kreises Euskirchen. So seien die Kommunen bereits durch Experten befragt worden. »Weitere Gespräche beispielsweise mit Wasserverbänden oder Forstverantwortlichen sind ebenfalls denkbar«, so Metzemacher.

Hitzerekorde und Überschwemmungen

Einige konkrete Beispiele für die Auswirkungen des Klimawandels im Kreis Euskirchen nannte der Diplom-Geograph Adrian Pfalzgraf, Wissenschaftlicher Projektleiter bei GreenAdapt. So sei der Wasserverbrauch im Kreis Euskirchen aufgrund der langanhaltenden hohen Temperaturen im Juli 2018 rund ein Drittel höher gewesen, als im Juli 2017. Im Weilerswister Ortsteil Lommersum sei ein Temperaturrekord von 40,9 Grad gemessen worden. Die Zahl der Schnee- und Eistage habe in den letzten Jahren abgenommen. »Über das Jahr verteilt werden die Niederschläge weniger, auch wenn sie in den Wintermonaten noch konstant sind«, erklärte Pfalzgraf. Durch die höheren Temperaturen im Sommer könne die Luft jedoch wesentlich mehr Wasser aufnehmen, was wiederum zu Starkregenereignissen führe, so der Experte. Als Beispiel führte er ein Starkregenereignis im Mechernicher Stadtteil Glehn an, bei dem in 1,5 Stunden 92,3 Liter Regen auf den Quadratmeter fielen.

»Mit dem Konzept möchten wir Maßnahmen finden, die einen positiven Effekt auf den Klimaschutz haben und gleichzeitig die Lebensqualität der Menschen in Kreis verbessern«, betonte Pfalzgraf.
In mehreren Kleingruppen diskutierte das Fachpublikum weitere Auswirkungen des Klimawandels. Diese reichen von gesundheitlichen Gefahren, durch die Ausbreitung invasiver Insekten (Mücken, Zecken), gesundheitliche Belastung durch Hitze eine Verschlechterung der Wasserqualität. Als mögliche Lösungsansätze wurden unter anderem Aufklärung über gesundheitliche Risiken und mehr Begrünungsmaßnahmen zur Hitzeentlastung vorgeschlagen. Wirtschaftliche Einbußen habe es bereits in der Land- und Forstwirtschaft gegeben, unter anderem durch den Befall von Fichten durch Borkenkäfer. Hier wurde eine vielfältigere Artenzusammensetzung als Alternative zur Monokultur diskutiert. Auch dass sich die Trockenheit langfristig auf die Grundwasserstände auswirken könne, wurde thematisiert. Eine erste Arbeitssitzung zur Klimawandelanpassung ist Ende November geplant.


Weitere Institutionen und Verbände, die sich mit Sachverstand bei der Erstellung des Konzeptes einbringen möchten, können sich beim  Klimamanager des Kreises, Maximilian Metzemacher unter Tel.: 02251/15977 melden.

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