Massiver Widerstand gegen Fuchsjagd

Kall. Die Kreisjägerschaft Euskirchen ist ins Kreuzfeuer heftiger Kritik geraten. Grund dafür ist die Ankündigung durch den stellvertretenden Vorsitzenden Johann Jütten, am kommenden Wochenende, 7./8. Februar, in rund 330 Revieren an die 100 Füchse schießen zu wollen. Diese Ankündigung rief die Tierschützer auf den Plan. Der Tierschutzverein Kall und Umgebung etwa setzte unter dem Motto »Stoppt das geplante Fuchsmassaker im Kreis Euskirchen« eine Online-Petition ins Internet, die innerhalb von zwei Tagen von rund 4.000 Menschen unterschrieben wurde.

Abgesagt

Die Fuchsjagd der Kreisjägerschaft Euskirchen am kommenden Wochenende, 7./8. Februar, ist nach Mitteilung des Tierschutzvereins Kall und Umgebung nach den massiven Protesten abgesagt worden. Eine Online-Petition des Tierschutzvereins hatten mehr als 12.000 Menschen unterschrieben. Die geplante Demo gegen die Fuchsjagd findet trotzdem statt. Am Donnerstag, 5. Februar, soll um 18 Uhr ein Protestmarsch in Zülpich vom Marktplatz bis zum Sitz der Kreisjägerschaft erfolgen.

Begründet hatte Jütten die Jagd in einem Zeitungsartikel durch die hohe Bestandsdichte, die zur Bekämpfung der Tollwut und zur Eindämmung des Fuchsbandwurmes verringert werden müsse. »Diese Maßnahme würde nicht nur für die Füchse, sondern für alle Wildtiere einen enormen Stress bedeuten. Dabei ist die Tollwut nahezu ausgerottet und eine Infektion mit dem Fuchsbandwurm zählt zu den seltensten Parasitosen in Europa«, lautet die Kritik von Markus Schmitz- Bongard, Vorsitzender des Tierschutzvereins Kall.

Strafanzeige

Noch massiver will die Tierschutzorganisation PETA Deutschland gegen die Kreisjägerschaft vorgehen. In einem aktuellen Schreiben fordert sie die Untere Jagdbehörde Euskirchen auf, das Vorhaben umgehend zu stoppen. Da die Gefahr einer Krankheitsübertragung durch Füchse nahezu auszuschließen sei und auch aus wildbiologischer Sicht kein Grund für die Jagd bestehe, verstoße die Tötung der Tiere nach Auffassung von PETA gegen §17 des Tierschutzgesetzes. »Sollte das Vorhaben dennoch durchgeführt werden, wird die Tierrechtsorganisation die nötigen rechtlichen Schritte einleiten und Strafanzeige erstatten«, lautet die Androhung. Die Unabhängige Tierschutz?Union Deutschlands hat eine solche Strafanzeige bereits vor der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet.

Höhere Geburtenrate

Und auch der Vorsitzende des NRW-Landesverbandes des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Holger Sticht, fordert ein Ende der Jagd auf den Fuchs. Der gemäß Tierschutzgesetz erforderliche »vernünftige Grund« für die Tötung von Füchsen läge nicht vor, weil die Jagd keinen Beitrag zur Seuchenbekämpfung leiste und Füchse nicht verwertet würden. Laut BUND reagiere der Rotfuchs auf die Bejagung mit höheren Geburtenraten und kompensiere so die Verluste in kürzester Zeit. Die vielen verwaisten Reviere sorgten für eine verstärkte Wanderbewegung der Füchse und für eine rasche Verbreitung von Krankheitserregern und Parasiten. So habe die Jagd in der Vergangenheit zur schnellen Verbreitung der Tollwut in Europa beigetragen. »Eine Wiederholung dieses Fehlers ist nicht verantwortbar und könnte die bisher übersichtliche Situation verschlimmern«, so Biologe Dr. Geert Runhaar, Sprecher der BUND Kreisgruppe Euskirchen.

Keine natürlichen Feinde

Rudi Mießeler, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Euskirchen, nannte im Gespräch mit dem WochenSpiegel einige Gründe, die aus seiner Sicht für eine Bejagung des Fuchses sprechen. Zunächst einmal hielt er die Zahl von 100 Tieren für übertrieben. Die seien vielleicht das Ziel, »tatsächlich haben wir in den vergangenen Jahren meist um die 30 Tiere geschossen, das macht in jedem dritten Revier gerade einmal ein Exemplar«. Hauptgrund für die Bejagung sei die Bestandskontrolle. »Denn der Fuchs«, so Mießeler, »hat keine natürlichen Feinde mehr.« Um die Population nicht zu groß werden zu lassen, werde er bejagt.

Fuchsräude

Damit beuge man nicht nur der Tollwut vor und reduziere die Gefahr durch den Fuchsbandwurm, sondern bekämpfe auch die Fuchsräude, eine Krankheit, die auch auf Hunde übertragen werden könne. »Es geht« so Mießeler, »zudem um den Bestandsschutz für andere Wildarten wie etwa dem Hasen, dessen Nachwuchs auch auf dem Speiseplan des Fuchses steht.« Zudem verlange das Kreisveterinäramt für die medizinische Untersuchung pro Jahr zwischen 50 und 70 Exemplaren.

Protestmarsch

Übrigens: Am Donnerstag, 5. Februar, soll um 18 Uhr ein Protestmarsch in Zülpich vom Marktplatz bis zum Sitz der Kreisjägerschaft erfolgen. Hier gelangt man zur Online-Petition.

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