»Radioaktivität hat offene Grenzen«

Kreis Euskirchen. Es soll ein denkwürdiger Sonntagsausflug werden, der am 25. Juni in die Nä-he des Ortes Seraing führt. Dort kann man nette Menschen treffen, die schöne Landschaft Belgiens bewundern und mit vielen Gleichgesinnten eine Men- schenkette bilden. Denn das Ausflugsziel - offiziell »Aufstellungsort KM19« genannt - liegt in der Nähe des maroden Atomkraftwerks Tihange.

Die Fahrt führt nicht zufällig in diese Gegend. Die Grünen Kreisverbände Aachen, Bonn, Düren, Euskirchen, Rhein-Erftkreis und Köln organisieren die Tour, um Teil der großen Menschenkette zu werden, die für die Stilllegung des Reaktors eintritt. Insgesamt 90 Kilometer lang soll die Kette werden, die sich von Huy, der Stadt, in der das Atomkraftwerk Tihange steht, nach Aachen zusammenfügen wird.

Weitere Risse

Wie kürzlich diverser Medien zu entnehmen war, wurden im belgischen Atomreaktor Tihange 2 von Experten bei jüngsten Kontrollen weitere Risse entdeckt. Man habe im Hochdruckkessel bei einer Ultraschalluntersuchung 70 Risse mehr als bei der vorherigen Inspektion im Jahr 2014 gefunden, teilte der belgische Innenminister Jan Jambon auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen mit. »Trotzdem oder besser obwohl es wöchentlich Pannenmeldungen gibt, versucht die belgische Regierung auf Zeit zu spielen. Das ist unhaltbar gegenüber der belgischen, niederländischen und deutschen Bevölkerung und deshalb werden wir gemeinsam am 25. Juni ein Zeichen setzen«, so Wilfried Gierden, Sprecher der Grünen im Kreis Euskirchen.

Offene Grenzen

Die regelmäßigen Meldungen und Notabschaltungen, undichte Reaktorbecken, tausende Risse im Reaktorbehälter aber auch das Kraftwerk Doel in Antwerpen, welches regelmäßig mit Pannen in den Schlagzeilen ist, sind für die Grünen im Kreis Euskirchen Grund, sich an der großangelegten Menschenkette am 25. Juni gegen die beiden Pannenreaktoren zu beteiligen und somit die Forderung nach einem Abschalten zu unterstreichen. Nathalie Konias, ebenfalls Sprecherin der Grünen im Kreis: »Dies alles direkt vor der Haustür des Rheinlands mit seiner viele Millionen zählenden Bevölkerung, die natürlich bei einem Unfall voll betroffen wäre, ist unverantwortlich. Da zählt einfach nicht, dass es ein anderes Land ist, radioaktive Strahlung hat immer offene Grenzen!«.

Aktivisten

Auch Gruppen, wie AntiAtom-Euskirchen, ART-Eifel e.V., Windenergie-Nordeifel e.V. oder ttac-Euskirchen rufen zur Teilnahme an der Protestaktion auf. Chris Weise von AntiAtom: »Wir fordern die Abschaltung, sofort! Und zwar von allen Atomanlagen. Auch Gronau, Lingen sowie die weiteren trotz Atomausstiegbeschluss noch immer laufenden acht Atomkraftwerken in Deutschland«. Gemeinsam werden sie nur einen Steinwurf von Tihange entfernt - in Flémalle und Seraing - Hand in Hand ein starkes Zeichen gegen die Atomanlagen in Europa setzen.

Kostenlose Busse

Um die Menschenkette gegen die beiden Schrottreaktoren zu unterstützen, stellt der Kreisverband Bündnis90 / Die Grünen kostenlose Busse zur Verfügung. Es werden Stopps am Mitfahrerparkplatz (A4) in Düren, sowie in Euskirchen, Schleiden, Simmerath und Eupen gemacht. Interessierte finden nähere Informationen, unter anderem zur Anmeldung, unter www.gruene-dueren.de sowie in der Kreisgeschäftsstelle der Grünen in Euskirchen (www.gruene-euskirchen.de oder unter Tel.: 02252-57152) sowie auf der Aktionsseite im Internet: www.chain-reaction-tihange.eu/de

Tihange AUS

Ein sichtbares Zeichen des Protests sind auch die interaktiven »Tihange AUS«-Säulen. Unter anderem steht eine am Medienhaus Weiss in Monschau-Imgenbroich. Insgesamt sind es acht Säulen. An ihnen wurde das Atomkraftwerk bereits über 1,15 Millionen Mal abgeschaltet. www.tihange-alarm.eu

 

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