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Schutz für die letzten Feldvögel

Nur noch wenige Grauammern, Feldlerchen und Co.

Kreis Euskirchen. Bei Spaziergängen durch die Felder in der Zülpicher Börde fallen einem immer wieder nicht abgeerntete Flächen auf. Nein, der Landwirt hat hier nicht vergessen zu mähen. Sie sollen vom Aussterben bedrohte Vogelarten schützen.

»Innerhalb der letzten zehn bis zwanzig Jahren wurde ein Rückgang von 80 Prozent bei Feldvogelarten, wie der Grauammer, der Feldlerche und dem Rebhuhn, verzeichnet«, erklärt die Biologin Julia Zehlius von der Biologischen Station im Kreis Euskirchen. Deshalb freut sie sich sehr, wenn sie Feldstreifen mit beispielsweise vertrockneten Sonnenblumen wie in Zülpich-Merzenich sieht. »Klar, sehen sie nicht schön aus, aber wir müssen diese Tiere mit aller Kraft unterstützen. Diese Flächen bedeuten für sie Nahrung und Schutz, um auch nach der Ernte über den Winter bestehen zu können«, erklärt die Biologin.

Bauern erhalten Unterstützung

Landwirte wie Klemens Berg aus Merzenich wissen, dass die Feldvogelarten dramatisch zurückgegangen sind und säen Teile ihrer Felder zum Beispiel mit Blühmischungen ein oder lassen Getreide als sogenannte »Ernteverzichtsstreifen« bis Ende Februar stehen. »Gäbe es diese Landwirte nicht, würde der Bestand der Vögel weiter dramatisch zurückgehen. In ganz Nordrhein-Westfalen leben nur noch rund 150 Grauammer-Paare und die fliegen hier in der Zülpicher Börde«, warnt auch Georg Milz von der Landwirtschaftskammer NRW. Deshalb berät die Kammer auch die Bauern für gezielten Artenschutz. Finanziell werden die Maßnahmen vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz unterstützt. »Kleine Parzellen sind aufwendiger zu bewirtschaften und ich muss extra Saatgut kaufen. Es ist ein Plus-Minus-Null Geschäft«, sagt Klemens Berg. Doch aus Liebe zur Natur engagiert er sich, genau wie rund 100 weitere landwirtschaftliche Betriebe aus insgesamt drei Kreisen. Denn für die Maßnahmen wirbt die Landwirtschaftskammer auch in den Nachbarkreisen Düren und Rhein-Erft.

»Die Zusammenarbeit zeigt Erfolg«, so Julia Zehlius. Denn sieht man sich diese Flächen vom Feldweg aus genau an, erkennt man, wie viele Vögel diese aufsuchen und sich den Bauch vollfuttern. Eine 2018 durchgeführte Kartierung bestätigt den Eindruck. »Ziel ist es, den Bestand zu halten«, ergänzt die Biologin. Doch wer weiß: Wenn sich noch mehr Bauern bereit erklären mitzumachen, ist vielleicht sogar bald ein Zuwachs zu verzeichnen.

Info:

  • Im August 2016 ist mit Fördermitteln der Deutschen Bundesstiftung Umwelt das Projekt zur "Stabilisierung der Population wertgebender Arten in der Zülpicher Börde" für vier Jahre gestartet.
  • Ziel ist es, durch eine gezielte Beratung den Bestand von Grauammer, Rebhuhn und Co. zu stabilisieren.
  • Weitere Informationen erteilt Georg Milz von der Landwirtschaftskammer NRW unter der Tel. 02421-592361, Mail: georg.milz@lwk.nrw.de.

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