Spontane Kultur von Anfang bis Ende

Kreis Euskirchen. »Hallo, ich brauche ein ?T'!« Waltraud Stening-Belz hatte keine Schwierigkeiten, die Passanten an der Werther Straße in Bad Münstereifel in das Projekt »KulturSpontan« einzubinden. Kinder und Erwachsene, Fußgänger und Radfahrer holte sie an die Staffelei, um das Banner für die Eröffnungsveranstaltung mit individuellen Buchstaben zu gestalten. Quer über die Werther Straße direkt vor der Burg spannte sich das Banner, das auf die Eröffnungsveranstaltung des Vereins »Lit.Eifel« aufmerksam machte. Neben dem Bücherschrank hatten die Organisatoren ein Wohnzimmer im öffentlichen Raum geschaffen. Mehrere Sofas, Tischchen und Stühle luden zum Verweilen ein, während unterschiedlichste Akteure spontane Kultur-Auftritte darboten.

Unter anderem begeisterte Mara Hochgürtel das Publikum mit Gitarre und Gesang auf dem roten Ledersofa. Cover-Songs und eigene Stücke kombinierte sie in ihrem Auftritt. Ganze Menschentrauben hatten sich rund um das ungewöhnliche Wohnzimmer versammelt, darunter auch eine Gruppe des Seniorenzentrums, die sich schnell für die Musik begeistern konnte.

Musikalisches bot auch die Ein-Mann-Band von Wolfgang Schonert mit einem Instrumenten-Mix aus Mundharmonika, Waschbrett und einem Banjo mit integrierter Trommel.

 

In Hinblick auf »Lit.Eifel« lag der Schwerpunkt der Veranstaltung auf literarischen Beiträgen. Viele Akteure nutzten die Gelegenheit und traten mit eigenen Gedichtrezitationen erstmalig in Erscheinung. Auch Inge Hoestermann aus Hilterscheid präsentierte erstmals ihr Buch »Zigeunertraum«, das sie im Alter von 13 Jahren geschrieben hatte. Kapitel für Kapitel hatte die inzwischen 60-Jährige ihr Werk damals für ihre Mutter geschrieben, etwa als Weihnachtsgeschenk. Während sie damals noch nicht in der Lage war, die Geschichte abzuschließen, griff sie den Faden vor rund zehn Jahren noch einmal auf und führte den »Zigeunertraum« zu einem Ende.

Das literarische Programm reichte von Werken bekannter Autoren wie Friedrich Schiller, Christian Morgenstern, Oscar Wilde und Ephraim Kishon über den »Radetzky-Marsch« von Joseph Roth bis zu mittelalterlichen Texten zu »Liebe heftig und direkt«, vorgetragen von Zwentibolds Erben. »Es gab viel Überraschendes«, resümiert Projektleiterin Waltraud Stening-Belz, die selbst gemeinsam mit ihrem Mann Uwe Belz als die Gruppe »Belzz« mehrmals gesanglich aufgetreten war.

Sollte »KulturSpontan« eigentlich aufgrund der Wettervorhersage in der Scheune des »Café T« stattfinden, hatte man sich bei anfänglichem Sonnenschein doch spontan dazu entschlossen, die Veranstaltung wie ursprünglich geplant an den Bücherschrank auf der Werther Straße zu verlegen. Dort profitierte die Kulturveranstaltung von zusätzlichem Publikum, das anlässlich des Flaggenfestes nach Bad Münstereifel gekommen war. »Wir hatten befürchtet, dass sich die beiden Veranstaltungen gegenseitig die Energie rauben, aber es war vielmehr bereichernd, denn so kamen auch andere Leute zu »KulturSpontan«, die wir sonst vielleicht nicht erreicht hätten«, so Waltraud Stening-Belz.

Obwohl sich der Himmel am Nachmittag wieder zuzog, hielt das die Kulturfreunde keineswegs von ihren Aktionen ab. Regenschirme wurden über Vorlesern und Sängern aufgespannt, die Sofas mit Folien abgedeckt. Gegen 16 Uhr war jedoch dem ständigen Regen nichts mehr entgegenzusetzen und »KulturSpontan« musste zwei Stunden früher als geplant abgebrochen werden. »Trotzdem passte irgendwie alles zusammen: Zuerst verlegen wir alles spontan wegen des guten Wetters nach draußen, dann kriegen wir so viele spontane Kulturaktionen geboten und schließlich kommen wir zu einem spontanen Abbruch«, fasst Stening-Belz zusammen.

Text: Tucholke, Fotos: Tucholke, Starke

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