Der »neue Geist« braucht Gefolgsleute

Blankenheim. Mit Geistern kennt man sich in Blankenheim bestens aus - spätestens zur Karnevalszeit, wenn sich bei Fackelschein der Geisterzug durchs ehrwürdige Städtchen in Bewegung setzt. Nun soll es einen »neuen Geist« in der Gemeinde geben, dem man ebenso viele Anhänger wünschen möchte wie dem karnevalistischen Obergeist. Die Realität sieht aber noch etwas anders aus.

»Ein neuer Geist für die Gemeinde« - unter diesem Slogan wird das neue Leitbild Blankenheim 2025, »Mit Tradition und Energie in die Zukunft«, heute, 12. September, um 19 Uhr im Bürgerhaus von Reetz den Bürgern präsentiert. Im Vorfeld dieser Informationsveranstaltung hatte bereits der Blankenheimer Bürgermeister Rolf Hartmann zum Gespräch geladen, um das neue Leitbild vorzustellen. Er hob hervor, dass die Gemeinde mit dem Leitbild nun über ein wirksames Instrumentarium der Bürgerbeteiligung verfüge. Das Potenzial sowie die Kreativität in der Kommune solle künftig noch stärker genutzt und in Entscheidungsprozesse mit eingebunden werden. Das habe der Rat auch mit seiner Selbstverpflichtung deutlich gemacht, jeden Vorschlag und jede Anregung gewissenhaft zu prüfen und im Falle einer Ablehnung auch zu begründen. Fraglich ist allerdings, ob die Bürger in den 17 Orten der Gemeinde überhaupt Lust verspüren, dem »neuen Geist« zu folgen. Denn das Interesse an dem Leitbildprozess war bislang eher mau, wie auch Rolf Hartmann zugestehen musste. »Rund drei bis vier Prozent der Blankenheimer Bürger haben sich beteiligt«, so der Bürgermeister, »das ist mir noch zu wenig«. Fakt ist, dass die Auftaktveranstaltung zum Leitbildprozess mit 170 Leuten noch recht gut besucht war. Allerdings liegt dieser Start auch gut zwei Jahre zurück. In der Zwischenzeit waren dann Prof. Rolf Westerheide zusammen mit Uli Wildschütz vom Büro RaumPlan Aachen damit beschäftigt, die »Software« für das neue Leitbild zu erstellen. Die »Hardware«, also die konkrete Umsetzung von Projekten, soll nun von den Bürgern geschaffen werden. Im Idealfall orientiert sich die Hardware dabei an der Software, die Kernsätze wie »Das Kapital der Eifelgemeinde Blankenheim ist die Unverwechselbarkeit ihrer Natur und ihrer Kulturlandschaft« oder »Mobilität ist Lebensqualität und Voraussetzung für die Teilhabe am sozialen Leben« formuliert. Diese Sofware-Erkenntnisse hätte man wohl auch den Blankenheimer Bürgern zugetraut. Dennoch war es nach Auskunft des Bürgermeister notwendig, Fachleute einzuschalten und rund 25.000 Euro für das neue Leitbild zu verausgaben. Rolf Hartmann: »Wenn Sie heute Mittel für städtebauliche Förderbaumaßnahmen beantragen wollen und können kein Leitbild vorweisen, haben sie in vielen Fällen gar keine Chance mehr auf eine Bewilligung«. Will heißen: Ohne Leitbild gibt es kein Geld und damit wäre der Weg mit Tradition und Energie in die Zukunft zumindest erschwert. Bei aller Kritik und bislang wenig vorweisbaren Projekten hat der eingeleitete Leitbildprozess dennoch ein gutes Ergebnis hervor gebracht. Und das ist die Gründung des »Blankenheim Forum«. Dort haben sich engagierte Bürger zusammen gefunden, die in Blankenheim und den Außenorten etwas bewegen wollen. Offiziell soll das »Blankenheim Forum« die Umsetzung des Leitbild unterstützend begleiten. Aufgrund des Engagements der handelnden Personen ist es dem Forum aber zuzutrauen, die eigentliche Triebfeder dieses Prozesses zu werden. Erste gute Ansätze sind bereits erkennbar. Statt eines in der Vergangenheit immer wieder einmal diskutierten Abrisses des Bahnhofsgebäudes in Blankenheimerdorf setzt sich das Blankenheim Forum ganz konkret mit der Frage auseinander, wie dieses historische Gebäude attraktiv genutzt werden kann. Konkret sollen bald auch die informative Beschilderung historischer Gebäude sowie die Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs angegangen werden. Zulauf aus der Bürgerschaft ist dem »Blankenheim Forum« sehr willkommen. Daher wird man auch jeden ersten Mittwoch im Monat ab 19 Uhr im Museumscafé in Blankenheim einen Stammtisch abhalten, zu dem jeder mit seinen Ideen kommen kann. Ansprechpartner sind Markus M. Schmitz, Tel.: 02449/7503, oder Ulrike Luecke-Bongartz, Tel.. 02449/9179191. 

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