Einmal Notruf 110 - macht 110 Euro

Blankenheim. Volker Leisten aus Mülheim wurde für die Einbruchssicherung seines Hauses mit Gebührenbescheid »belohnt« - ausgestellt von der Kreispolizeibehörde Euskirchen.

»Riegel vor! Sicher ist sicherer« - mit dieser Kampagne wirbt die Polizei im Kreis Euskirchen darum, dass Hauseigentümer ihre eigene Wohnung gegen Einbrecher sichern. »Die Täter«, erklärte der Kriminalhauptkommissar Ingo Kreuder noch im Oktober gegenüber dem WochenSpiegel, »geben bei sichtbaren oder spürbaren Sicherungen auf.« Zudem appellierte er, bei verdächtigen Beobachtungen immer über den Notruf 110 die Polizei zu verständigen, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig. Sorge, bei falschem Alarm die Kosten des Polizeieinsatzes tragen zu müssen, brauche man nicht zu haben. Volker Leisten aus Mülheim kann angesichts solcher Aussagen nur den Kopf schütteln. Er befolgte die Ratschläge und wurde dafür mit einem 110 Euro teuren Gebührenbescheid »belohnt« - ausgestellt von der Kreispolizeibehörde.

Doch der Reihe nach. Volker Leisten bewohnt mit seiner Frau in Mülheim ein altes Fachwerkhaus. Da es in der Vergangenheit auch in dem kleinen Dorf bereits Einbrüche bzw. Einbruchsversuche gegeben hat, nahm er sich den Rat der Polizei zu Herzen und ließ sein Haus durch eine Blankenheimer Fachfirma mit einer Alarmanlage sichern, die allerdings nicht zur Polizei durchgeschaltet ist. »Zu holen«, so Volker Leisten, »ist bei uns nicht viel. Uns ging es mit der Alarmanlage um eine abschreckende Wirkung, damit enttäuschte Einbrecher davon absehen, die Wohnung zu verwüsten.« Im Einsatz erlebt hat das Ehepaar seine Alarmanlage noch nie. Denn als die Anlage am 15. Oktober 2012 gegen 6.26 Uhr zum ersten und bisher einzigen Mal Laut gab, weilte das Ehepaar in Frankreich im Urlaub. Wohl aber bemerkte eine Nachbarin die blinkende Alarmanlage. Da ihr dies verdächtig vorkam, rief sie über den Notruf 110 die Polizei - eben »lieber einmal zu viel, als einmal zu wenig«. Ein Streifenwagen erschien daraufhin vor dem Haus, jedoch konnten die Polizisten keine erkennbaren Anzeichen von Gewaltanwendung feststellen. »Am Einsatzort wurde festgestellt, dass es sich um einen Falschalarm der Alarmanlage handelte. Anhaltspunkte für eine Straftat lagen nicht vor«, heißt es in einem offiziellen Schreiben der Kreispolizeibehörde Euskirchen an Volker Leisten. Sorgen machte sich Volker Leisten zunächst nicht, hatte er doch im WochenSpiegel die Aussage von Kriminalhauptkommissar Ingo Kreuder gelesen, dass auch ein falscher Alarm kostenfrei sei. Schließlich hatte ja die aufmerksame Nachbarin Verdächtiges gemeldet. Ganz anders sah die Sache jedoch aus, als Volker Leisten rund einen Monat später ein Schreiben der Polizei ins Haus flatterte und ihm schriftlich mitgeteilt wurde, dass er die »Kosten für den Einsatz von Polizeikräften aufgrund einer Alarmierung durch eine Überfall- und Einbruchmeldeanlage« in Höhe von 110 Euro zu tragen habe. »Ich habe die Welt nicht mehr verstanden«, so Volker Leisten. Er habe die Ratschläge der Polizei befolgt und potenziellen Einbrechern einen geforderten Riegel vorgeschoben, werde aber trotz aller Gegenargumente zur Kasse gebeten. Zwar habe er zwischenzeitlich gezahlt, dennoch habe die Polizei einfach über sein Geld verfügt. Der WochenSpiegel fragte bei Kriminalhauptkommissar Ingo Kreuder nach und erfuhr Erstaunliches. Tatsächlich ist das Anfordern der Polizei laut Kreuder immer kostenfrei, mit einer Ausnahme: Alarmierung durch eine sogenannte Alarmanlage. Die habe das Land aufgrund zahlreicher Fehlalarmierungen mit einer Gebühr belegt. Allerdings auch nur dann, wenn eine solche Anlage nicht durch einen zertifizierten Fachbetrieb installiert wurde, der auf einer entsprechenden Liste bei der Polizei vermerkt ist. Pech für Volker Leisten - er ließ seine Alarmanlage zwar durch einen anerkannten Fachbetrieb installieren und warten, nur findet sich dieses Unternehmen leider nicht auf der besagten Polizeiliste - eine Erklärung, von der übrigens in den offiziellen Schreiben der Polizei an Volker Leisten nichts zu lesen ist. Laut Kreuder gibt es im Jahr im Kreis Euskirchen rund 400 Falschalarmierungen durch solche Anlagen. Allerdings stammten sie zumeist aus gewerblich genutzten Objekten. Bei reinen Wohnhäusern gab es lediglich 30 Alarmierungen. Und was bedeutet das nun für Haueigentümer mit Alarmanlage? Sollen sie ihre Anlage ausschalten, um nicht Gefahr zu laufen, 110 Euro an die Polizei zahlen zu müssen? Ingo Kreuder: »Ich kann verstehen, dass diese Regelung für manche Bürger nicht einsehbar ist. Auch ich würde mir eine andere Lösung wünschen.« Er sieht hier das Land und die Politik am Zug, eine Änderung zu schaffen.

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