"Der Karneval wurde mir in die Wiege gelegt"

Euskirchen. Max Offermann ist Pfarrer in Euskirchen und Offizier in der Kölner Prinzengarde. Im Gespräch erzählt er von seiner Liebe für den Karneval und von der Bedeutung der Fastenzeit für den christlichen Glauben.

LIVE-Magazin: Pfarrer Offermann, erzählen sie uns doch ein bisschen über ihre Verbindung zum Karneval.
Ich komme aus einer Kölner Familie und meine Mutter war ein echtes kölsches Mädchen. Ich bin mit dem Karneval groß geworden. Es gibt ein Foto von mir aus dem Veedelszug. Meine Mutter wusste nicht, wohin mit mir und hat mich kurzerhand beim Zug mitgenommen.
Mein Kinderwagen war zugleich Kamellenwagen und man konnte mich zwischen Strüsjer und Kamellen kaum sehen. Meine Mutter warf mit vollen Händen die Kamellen und ich schmiss die Bonbons einzeln.
Der Karneval ist mir also wirklich in die Wiege gelegt worden.


Heute sind sie Mitglied in der Kölner Prinzengarde?

Ich wurde 1995 Kaplan in Lindlar und dort wurde ein großes Schützenfest gefeiert. Später am Abend erzählte ich an der Theke, dass ich mit dem Schützenwesen  gar nicht so groß geworden bin, sondern dass mein Herz für den Karneval schlägt. Ich habe gesagt, mein größter Wunsch wäre es, im Kölner Rosenmontagszug mitzugehen. Daraufhin sagte jemand der Theke zu mir: „Das kriegen wir hin“. Der gute Mann war Mitglied der Prinzengarde. Ich durfte dann 1996 als Gast mit einer geliehenen Uniform im Zug mitgehen.

Das war aber nicht das letzte Mal?
Nein. Das hat mir soviel Spaß gemacht, dass ich mir sagte: Das musst du jedes Jahr machen. So wurde ich dann Mitglied in der Prinzengarde - unter der Voraussetzung, dass ich mittanze. Das habe ich von 1997 bis 2009 gemacht und jetzt bin ich mittlerweile zum Offizier befördert worden und muss nur noch schunkeln - das ist natürlich sehr angenehm.


Nach Karneval folgt eine Zeit, die ja eher aus christlicher Sicht relevant ist: Die Fastenzeit.
Die katholische Kirche kannte das Fasten schon immer. Es gab nicht nur das Fasten vor Ostern, sondern auch vor Pfingsten, in der Adventszeit - generell vor großen Ereignissen - und auch Mittwochs und Freitags. Daher rührt auch der Brauch, Freitags Fisch zu Essen.


Es wird also heute in der Kirche weniger gefastet als früher?
Genau. Das christliche Fasten ist weniger geworden. Weder vor Pfingsten noch im Advent wird gefastet - nur die Zeit vor Ostern, die gibt es noch. Der Karneval ist gewissermaßen eine Reaktion darauf. Vor dem Fasten zieht der Rheinländer nochmal alle Register, um sich auszuleben und noch einmal über die Strenge zu schlagen vor dem Aschermittwoch. Aber das Feiern ist genauso ein Bestandteil der katholischen Glaubenspraxis wie das Fasten. Es gibt einen Ausspruch von Teresa von Ávila: „Wenn Fasten, dann Fasten, wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn.“ Damit will sie sagen, dass man wenn man fastet, richtig fastet aber wenn die Feste kommen, diese auch richtig feiert.


Wie wurde das Fasten denn früher gehandhabt?

Die Fastenpraxis war früher strenger als heute. So durfte man 24 Stunden vor der Kommunion beispielsweise gar nichts zu sich nehmen. Das hat im Laufe der Zeit nachgelassen. Die Fastenzeit als Aufhänger nutzen allerdings heute wieder erstaunliche viele Menschen. Viele Leute in meinem Bekanntenkreis lassen beispielsweise das Bier weg nach Karneval. Das tun die aber aus gesundheitlichen Gründen und nicht aus Liebe zum Herrgott. Man muss entscheiden, ob man aus gesundheitlichen Gründen oder aus dem Glauben heraus fastet.


Was macht das Fasten aus christlicher Sicht aus?
Das Fasten aus christlicher Sicht ist nie nur Verzicht. Hungern, weil man nichts hat, bedeutet Druck von außen, Fasten kommt von einer positiven, inneren Einstellung. Wenn man in der Kirche vom Fasten spricht, gehört dazu immer auch Beten und Almosen geben. Also bewusster zu Leben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Christus zu begegnen auch in den Mitmenschen.


Auf was verzichtet der Christ denn beim Fasten?

Es muss jeder für sich entscheiden, wie er den Verzicht gestaltet. Jeder ist unterschiedlich in seinen Bedürfnissen und muss selbst bestimmen, worauf er verzichten will. Es gibt im christlichen Glauben keine Regeln dafür, worauf man verzichten sollte.


Die Fragen stellte Tim Nolden.


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